Am 15. September fand in der Düsseldorfer Metro-Zentrale ein konspiratives Treffen statt. Vertreter von Metro, Bayer, Monsanto und der PR-Agentur Manning Selvage & Lee berieten darüber, wie man sich dem Druck von Gentechnik-GegnerInnen erwehren und den VerbraucherInnen das Genfood schmackhaft machen könnte. Leider aber spielte jemand Greenpeace das Protokoll der geheimen Sitzung zu. Die Organisation brachte es sogleich an die Öffentlichkeit und führte eine Protest-Aktion vor einem Real-Markt durch.
"What we do - in every sense of the words - is this: Change Minds" heißt es auf der Homepage von Manning Selvage & Lee (MS & L), einer der weltgrößten PR-Agenturen. Als Instrumente dazu hat sie für ihre Big Business-Kunden unter anderem folgendes im Angebot: Krisen-Kommunikation, Unterstützung bei Klagen, das Schmieden von Allianzen, Image-Aufpolierung und "Grassroots"-Aktivitäten.
Auf kaum einem Gebiet sind solche Gehirnwäsche-Praktiken so gefragt wie auf dem der "grünen Gentechnik". Allen Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der VerbraucherInnen das Frankenstein-Food ab. Darüber hinaus üben Gentech-KritikerInnen mit diversen Aktionen gehörigen Druck auf die Branche aus. So folgten bislang über 170 Firmen dem Appell von GREENPEACE, keine Lebensmittel mit Zutaten aus gen-manipulierten Pflanzen herzustellen oder zu verkaufen, darunter COCA-COLA, LINDT, KÜHNE und LIDL. Allein bei der METRO, zu der unter anderem die Supermarkt-Ketten REAL und EXTRA, KAUFHOF und die Marke TIP gehören, gingen 6.000 Postkarten mit der entsprechenden Forderung ein. Aber der Konzern ignorierte sie - nicht umsonst sitzt mit dem BAYER-Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Schneider der Repräsentant eines der mächtigsten Gen-Multis im METRO-Aufsichtsrat. Auf dem kurzen Dienstweg einigte man sich daher, eine Gegen-Bewegung zu initiieren und MS & L damit zu beauftragen, die "Meinungen zu ändern". Ein erstes Strategie-Treffen hierzu fand am 15. September in der Düsseldorfer Zentrale des Handelsriesen statt. Außer VertreterInnen von METRO, BAYER und MS & L nahmen Abgesandte von MONSANTO und der DÖLLE UNTERNEHMENSBERATUNG sowie ein Emissär vom "Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde" teil.
Zunächst ging man ans "Allianzen schmieden". Die Runde entschied
sich, Kontakte zu ALDI und TENGELMANN herzustellen und das Genfood-Netz europaweit
auszubauen. Die Multis setzten sich zum Ziel, auf dem "Euro Commerce"-Meeting
Mitte Oktober Supermarkt-Ketten wie CARREFOUR und TESCO einzubinden. Den Genfood-Standort
Bundesrepublik beabsichtigten sie bei der Sitzung der "Bundesvereinigung
bundesdeutscher Handelsverbände" entscheidend zu stärken. Die
dafür nötige Überzeugungsarbeit sollte ein Konzept leisten, das
schlüssig darlegt, "wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine zielführende
Kommunikation zum Verbraucher aufgebaut werden kann". Fragen wie "mit
welchen Argumenten wird gearbeitet?", "welche Medien werden genutzt"
und "welche finanziellen Mittel müssen bereitgestellt werden"
wollten die Genfoodler beispielsweise darin klären.
Bevor die Kampagne jedoch so richtig ins Laufen kam, geriet sie schon ins Stocken,
weil GREENPEACE Sand ins Getriebe streute. Der Organisation war nämlich
ein Protokoll der Strategie-Sitzung vom 15. September zugespielt worden. Sie
ging damit sogleich an die Öffentlichkeit und führte eine publikumswirksame
Aktion vor einem Düsseldorfer REAL-Markt durch. "METRO macht sich
zum Handlanger der Gen-Industrie und täuscht seine Kunden", sagte
GREENPEACEler Alexander Hissting zur Begründung des Protest-Aktes. Die
METRO legitimierte den Verzicht auf den Genfood-Verzicht dagegen gerade mit
Aufrichtigkeit. Lebensmittel ohne Gentechnik könne sie beim besten Willen
nicht mehr garantieren. Ein Sprecher des Handelsunternehmens wies auf Angaben
des Verbraucherschutz-Ministeriums hin, wonach "60 bis 70 Prozent der auf
dem Markt befindlichen Lebensmittel in irgendeiner Weise mit der Gentechnik
in Berührung gekommen sind". Auf Nachfrage von GREENPEACE allerdings
gab die zuständige Ministerin Renate Künast an, die Zahlen stammten
so nicht aus ihrem Hause. Die "Gentechnik ist überall"-Bekundungen
erweisen sich somit also als Teil einer auf "Widerstand ist zwecklos"
setzenden Produkteinführungskampagne - "Friss oder Stirb!".
Die letzten Gen-GAUs sowie die Aufdeckung des Genfood-Komplotts, die auch den
letzten Glauben an die "Transparenz"-Beteuerungen der Gen-Multis zerstört
haben dürfte, lassen jetzt hoffen, dass die VerbraucherInnen sich weigern,
die Gen-Suppe auszulöffeln, die ihnen die Global Player einbrocken wollen.
Coordination gegen BAYER-Gefahren