comicAcht,
neun, zehn
Wer möchte
schon in einer der öden Orte dieses Landes
aufwachsen? Dummerweise müssen das nicht gerade Wenige. Schon das
Cover brüllt
die Langeweile regelrecht hinaus. Mit zittrigen Fingern lechzt man nach
der
Ödnis des Protagonisten. Mitleidig lebt man für die Dauer des
Comics diese
Langeweile mit. Christoph Bachmann muss die zehnte Klasse wiederholen.
Es sind
die letzten Tage der Sommerferien, die er zuhause verbringen muss. Und
so
trudelt das Leben in Eintönigkeit dahin. Man nimmt Anteil an der
Schwärmerei und
Liebelei zu Miriam, die an seiner Unfähigkeit zur Kommunikation
letzlich
scheitert. Und damit eine Parrallele zu den von ihm gleichgültig
beobachteten
Bemühungen seiner geschiedenen Mutter nach neuem Liebesglück.
“Ah, du bist
schon da.” sagt die Mutter zu Christoph und ist der erste Satz
des Buches. Er
bringt die gesamte Tristesse auf den Punkt, so gelangweilt daher gesagt
zeigt
er die Unfähigkeit der Personen zu gefühlmässigen
Regungen. Genauso gerade wie
die Strassen, genauso akkurat wie die gemähten Rasen, genauso
kontrolliert ist
das Verhalten der Personen im Comic.
Arne Bellstorf
ist Jahrgang 1979 und hat hier ein
hervorstechendes Comic gemacht. Selten ist die Trostlosigkeit einer
trostlosen
Jugend besser dargestellt worden. Die exakte Linienführung, die
wenigen Texte
bilden eine klare Einheit, die dem Voyeur (und das ist der/die LeserIn)
einen
kalten Schauer über den Rücken laufen lässt und einen
erinnert, dass man selber
(zumindest hoffentlich) solch eine Jugend nicht hatte. Alle anderen
werden sich
trefflich darin wiederfinden. Die Tristesse in Perfektion eingefangen.
“Nichts
ist beunruhigender als eine ruhige Jugend.”
Acht,
Neun, Zehn
Arne
Bellstorf
Reprodukt
96
s/w Seiten für 13 Euro
comicGanz
Gleich
Irgendeine
trostlose Stadt in den USA. Die Freunde Simon und
Nancy sind gelangweilte Twenty-Something, die rumhängen, sich in
popkulturellen
Scheindiskussionen verstricken und über alles mögliche
lästern. Simon entdeckt
bei Nancy Liebesbriefe die ein Unbekannter regelmäßig an
ihre Adresse schickt,
im Glauben dass noch ihre Vormieterin dort wohnt. Die beiden machen
sich auf
die Suche nach dem Unbekannten um ihn auszuspionieren, was ihn dazu
bringt
solche verzweifelten Briefe zu schicken. Gleichzeitig wird dies aber
auch eine
Reise in ihre Jugend, wohnt der Verfasser doch in dem Vorstadtkaff in
dem Simon
aufgewachsen ist. Peinliche Begegnungen (und noch peinlichere
Erinnerungen)
bleiben da nicht aus. So trifft er bspw. auf alte Schulfreunde, die mit
dem
ehemaligen Ekelpaket der Schule verheiratet sind. Sie treffen auf Leute
die
einfach dort hängen geblieben sind, sich kein Stück
weiterentwickelt haben und
dort auch weiterhin verrotten werden. Aber was ist aus Simon geworden?
Der Trip
entwickelt sich immer mehr zu einer Selbsterfahrungsreise.
„Ganz
Gleich“ ist das erste Comicalbum von Derek Kirk Kim
(eigentlich Gim Ji-hoon). Er wurde 1974 in Süd-Korea geboren. Seit
seinem
achten Lebensjahr wohnt er in den USA. Hauptsächlich
veröffentlicht er seine
Comics im Internet unter
www.lowbright.com.
Sein Comic hat in den USA für viel
Aufsehen gesorgt, was man ihm hier auch wünscht. Mit Leichtigkeit
schafft es
Derek Kirk Kim dass man regelrecht in das Comic eintaucht. Sein genauer
Stil
und die detaillierten Dialoge erinnern schon fast an Filmstills. Das
Comic ist
ein geschickte Mischung aus Elementen der Manhwa (südkoreanische
Comics) und
us-amerikanischen Independent Comics. Durch diese Mischung entsteht der
ganz
eigene Stil von Derek Kirk Kim. Sehr zu empfehlen.
Ganz
Gleich
Derek
Kirk Kim
Reprodukt
88
s/w Seiten für 12 Euro
www.terz.org - 24.10.2005