Lausige Zeiten
arena-lachnummer,
die ungezählte
Ist die Arena
vielleicht schneller pleite als gedacht? Wir
haben ja bereits unzählige Male von dem Desaster berichtet, dass
die nun als
„LTU arena” bekannte Schüssel nicht nur völlig
überflüssig ist, sondern vor
allem auch ein millionenschweres
Zuschussgeschäft werden wird. Damals noch
einheitlich verabschiedete der Rat unter Erwin mit der SPD (die das nun
nicht
mehr so gerne hört) den Plan des Arenabaus. Heute steht auch die
CDU kaum noch
hinter den Machenschaften ihres werten Oberbürgermeisters.
Mächtig gedonnert
haben muss er, als der Rat – mit Unterstützung der CDU
– eine dringend
benötigte Finanzspritze für Erwins Spielzeug in der
natürlich
nicht-öffentlichen Ratssitzung am 29. September verwehrte. Erst
während der
Sitzung wurde eine Vorlage verteilt, die noch nicht einmal in der
Tagesordnung
auftauchte. Erwin und Stadtkämmerer Rattenhuber wollten den Rat
drängen, der
Arena-Betriebsgesellschaft 8,5 Millionen Euro zur Begleichung
offener
Rechnungen zur Verfügung zu stellen. Angaben zum Verwendungszweck
dieser Gelder
gab es nicht. Der Presse gegenüber argumentierte Erwin, dass arme
kleine
Handwerker bezahlt werden müssten. Nun ist die Arena schon
länger fertig und es
fragt sich, warum die Handwerker bis jetzt nicht bezahlt wurden?
Gemunkelt wird
von etwa 2 Millionen Euro an offenen Rechnungen von kleinen Betrieben.
Die
Parteien inklusive der CDU machten bei Erwins Spielchen nicht mit und
verweigerten Erwin die Gefolgschaft. Mal eben so 8,5 Millionen Euro
durchzuwinken, war selbst der CDU zuviel. Aber es kommt noch besser:
Die
Angaben von Erwin und Rattenhuber stimmten nicht! Schon am
nächsten Tag wurde
bekannt, dass knapp 13 Millionen Euro benötigt werden.
Mittlerweile kam heraus,
dass die wahre Summe noch viel höher liegt. Die Rede ist von
mindestens 20 Millionen
Euro für 2004 und 2005, die die Stadt kurzfristig zuschießen
müsste. Der
Initiative des PDS/Linke-Liste-Abgeordneten Laubenburg, dem Rat eine
Übersicht
aller offenen Rechnungen der Arena-Betriebsgesellschaft vorzulegen,
schlossen
sich die anderen Parteien an. Viele fühlen sich verschaukelt, denn
auch der von
der Verwaltung erstellte nicht-öffentliche Bericht über den
Bericht des Prüfungsamtes
lässt zahlreiche Fragen offen. Ob Kämmerer Rattenhuber und
Erwin nun endlich in
der Sondersitzung des Rates am 3. November die wahren Zahlen über
das
Arena-Desaster kundtun, bezweifeln die meisten. Niemand rechnet mehr
damit,
dass die Stadt, wie ursprünglich versichert, „nur“ 1,5
Millionen Euro pro Jahr
für die Arena zuschießen muss. Das wahre Ausmaß der
Unfähigkeit, Lügen,
Betrügereien und Mängel wird aber weiterhin im Dunkeln
bleiben, wie die
Stellungnahme der Stadt deutlich macht: „Null Kommentar. Die
Sache ist nicht
öffentlich.“
lohndumping
bei der rheinbahn
Die bei der
Rheinbahn angestellten BusfahrerInnen geraten
zunehmend unter Druck. Der Rheinbahn-Aufsichtsrat und der Rat der Stadt
haben
dem Kauf eines Busunternehmens zugestimmt. Die dort
beschäftigten FahrerInnen
werden jedoch nicht in den Tarifvertrag der Rheinbahn übernommen,
sondern
verbleiben in ihrem wesentlich niedrigeren Tarif. Nach acht Jahren
beträgt der
Unterschied im Lohn fast 30 Prozent. Das Unternehmen verfügte
bisher nur über
zwei Busse, jedoch sollen zukünftig alle neu eingestellten
BusfahrerInnen der
Rheinbahn nur bei diesem Tochterunternehmen angestellt werden. In
Zukunft soll
das Tochterunternehmen zehn Prozent der Verkehrsleistungen der
Rheinbahn
übernehmen, während es bei der Rheinbahn selbst zu einem
Einstellungsstopp
kommt. Doch von Klassenkampf keine Spur. In Leverkusen protestierten
BusfahrerInnen monatelang gegen ein ähnliches Vorgehen der
dortigen
Verkehrsbetriebe. In Düsseldorf ließ sich die Gewerkschaft
mit einer
Beschäftigungsgarantie für die 3.700
Rheinbahnbeschäftigten zufrieden stellen,
die bis Ende des Jahres 2014 gelten soll. – Wers glaubt ...
Denn schwer
vorherzusehen ist es nicht, dass die Rheinbahn,
wie es andere Verkehrsunternehmen vorgemacht haben, den einen oder
anderen
Beschäftigten mit sanftem Druck dazu drängen wird, in das
Tochterunternehmen zu
wechseln.
bundeswehr
will´s wissen
Die Freude bei
AntimilitaristInnen war groß, als bekannt
wurde, dass die Bundeswehr Mitte nächsten Jahres Düsseldorf
zum größten Teil
verlässt. Nun wurde bekannt, dass sie in diesem Zusammenhang am
15. Juni 2006
einen großen Zapfenstreich mitten in der Stadt plant. Stattfinden
soll dieser
vor dem Kulturzentrum Ehrenhof. Erbaut wurde der Ehrenhof in den 20er
Jahren
von Wilhelm Kreis, der später während des NS seine
große Zeit hatte. Es gibt in
Düsseldorf wohl kaum einen geeigneteren Ort für die
Bundeswehr, die sich ja
zielstrebig auf neue Kriege vorbereitet. Welch ein Bild, wenn dort
Soldaten
auflaufen und sich in alten Traditionen ergehen, die an die Nazizeit
erinnern,
während belustigt die Figuren des von Hitler verehrten Arnold
Breker auf das
Treiben hinunter schauen. Doch eins ist klar: Ohne Proteste wird das
dort oder
auch anderswo nicht ablaufen.
erwins
freunde
Auch andere sind
Erwins Freunde. So gibt es zum Beispiel
nette Artikel bei indymedia über everyone’s darling:
http://de.indymedia.org//2005/10/129545.shtml
nazi-slang
im ministerium
Während
Firmen mehr oder weniger legal Milliarden abzocken,
ist es mittlerweile in der Presse üblich geworden, über
ALG2-BezieherInnen zu
hetzen und ihnen Missbrauch vorzuwerfen. Als Begründung muss dann
herhalten,
dass sie bei einer mehr als zweifelhaften Telefonaktion nicht zuhause
angetroffen wurden. Das Wirtschaftsministerium ging aber noch weiter.
Mehrere
Personen haben Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen den
früheren Bundeswirtschaftsminister
Wolfgang Clement (SPD) gestellt. In einer Broschüre des
Ministeriums wurden
Menschen mit Parasiten verglichen: Clements früheres Ministerium
hat
Hartz-IV-Empfänger in der Broschüre „Vorrang für
die Anständigen – gegen
Missbrauch, ‘Abzocke’ und Selbstbedienung im
Sozialstaat“, die das Ministerium
im August 2005 herausgegeben hatte, als „Parasiten“
bezeichnet. „Biologen
verwenden für ‘Organismen, die zeitweise oder dauerhaft zur
Befriedigung ihrer
Nahrungsbedingungen auf Kosten anderer Lebewesen –
ihren Wirten – leben’,
übereinstimmend die Bezeichnung ‘Parasiten’“.
Einschränkend folgt dann der
Hinweis, es sei „natürlich (...) völlig unstatthaft,
Begriffe aus dem Tierreich
auf Menschen zu übertragen.“ Der Text erfülle den
Straftatbestand der
Beleidigung, heißt es in der Strafanzeige.
always
antifascist
Aufgrund
zunehmenden Rassismus im Stadion bei
Fortuna-Spielen und der vermehrten Präsenz von Neonazis (Terz
berichtete)
veranstalteten der Supporters-Club Düsseldorf, Ultras
Düsseldorf und der
Antifa-KOK anlässlich der internationalen FARE-Woche
(„Football against racism
in Europe“) einige Aktionen und Veranstaltungen. Bisher
ignorierten Verein und
Vorstand von Fortuna jedoch sowohl die Gesprächs- und
Kooperationsangebote
der Fans als auch das Problem im Ganzen. Auf einer Podiumsdiskussion am
Donnerstag, dem 20.10., kam es im Fancafé im Haus der Jugend
dann zur ersten
öffentlichen Kontroverse. Die mit 70 ZuschauerInnen gut
besuchte Veranstaltung
hatte bereits im Vorfeld unter Fans im Forum von Fortuna zu
Streitereien wegen
der Beteiligung des Antifa-KOKs geführt. Doch dies war nur am
Rande Thema der
Diskussion: Während Vorstandsmitglied Thomas Allofs vorerst die
Möglichkeiten
von Fortuna leugnete, auf Rassismus im Stadion Einfluss zu nehmen,
musste er im
Laufe des Abends aufgrund der Beiträge von dem Vertreter des
Bündnis aktiver
Fussballfans (BAFF) als auch des Antifa-KOKs Zugeständnisse an die
Fans machen.
Ob der Verein die auch von den Zuschauern eingeforderten
Maßnahmen wie
Ordnerschulungen und symbolische Aktionen gegen Rassismus nun
tatsächlich
wahr macht, oder der Kampf gegen Rassismus und Faschismus im Stadion
weiterhin
alleinige Fansache bleiben wird, wird sich zeigen. Fest steht, dass die
Fangruppen und die Antifa die FARE-Woche nur als gelungenen Auftakt
Ihrer
Aktivitäten betrachten.
www.terz.org - 24.10.2005