Sehr
geehrte Redaktion der TERZ,
ich bin durch
Zufall auf Ihre Artikel über die
I.S.O.-Security GmbH gestoßen. Als erstes möcht ich sagen,
daß es ein Unding
ist, daß die ISO mit ihrer Klage Erfolg hatte. Auf Dringlichkeit
zu verweisen
bei einem so alten Artikel, zeigt ja schon, wie es um die Gegenseite
bestellt
ist. Ich bin letzten Donnerstag selbst fast zum Opfer dieser
sogenannten
„Sicherheitsfirma“ geworden. Nach einer Zechtour durch die
Altstadt bin ich
gegen 0:15 Uhr an der Haltestelle Heinrich-Heine-Allee angekommen um
grade noch
das höhnische Grinsen des Bahnfahrers zusehen, der die Türen
schloß und
losfuhr. In einem Temperamentsausbruch schlug ich gegen die Tür
und wollte die
Haltestelle wieder verlassen. Soweit kam ich allerdings gar nicht, da
ich
bereits am oberen Ende der Rolltreppe von 4 „Mitarbeitern“
der ISO abgefangen
wurde. Diese wollten mich direkt mitnehmen und meine Personalien
aufnehmen mit
der Begründung sich, bei eventuell auftretenden Schäden durch
meinen Schlag, an
mich wenden zu können. Ich bin zwar 1,98m und habe 110 kg
„Kampfgewicht“, aber
eine Plexiglasscheibe zerschlage ich auch nicht mit der bloßen
Hand! Als ich
darauf hinwies, daß ich nur von der Polizei meine Personalien
aufnehmen lassen
würde, wurde ich direkt festgehalten und man wollte mir beide Arme
auf den
Rücken drehen. Als ich dann laut wurde und versuchte Passanten in
das Geschehen
mit einzubeziehen, ließ man mich wieder los, aber versperrte mir
weiterhin den
Weg. Da es langsam einsamin der Heirich-Heine-Passage wurde, ich auch
nicht
blutnüchtern war und es langsam mit der Angst zu tun bekam,
fügte ich mich
letztlich und ließ mich mitnehmen. Nachdem meine Personalien
aufgenommen waren,
ließ man mich gehen. Der ganze Vorfall spielte sich
„zufälligerweise“ in einem
nicht videoüberwachten Bereich ab, am Aufgang der Rolltreppen von
den
Gleisen. Das Verhalten, das diese Sicherheitsleute an den Tag legten,
ist völlig
inakzeptabel und leider kein Einzelfall. In meinem Bekanntenkreis ist
es schon
mehrmals zu derartigen „Reibereien“ gekommen. Ich habe zwar
keinen körperlichen
Schaden genommen, aber ich bin mir sicher, daß ich Schaden
genommen hätte, wenn
ich nicht eingelenkt hätte. Vielleicht ist es ja für Sie
interessant, daß das
Verhalten der ISO-Mitarbeiter auch Jahre nach dem Erscheinen Ihres
Artikels dem
nunmehr zensierten Ausdruck ... immer noch entspricht. ...
Liebe
Terz-Redaktion Düsseldorf,
schön
öfters habt Ihr über Probleme mit der Security der
Düsseldorfer Rheinbahn berichtet (I.S.O.-Sheriffs). Ich
möchte Euch
diesbezüglich über einen Vorfall unterrichten, der meiner
Frau (Noch-Bosnierin,
Bald-Deutsche) gestern passiert ist: Leider Gottes ein weiteres
Beispiel, wie
mangelhaft ein Teil des Personals der Rheinbahn geschult zu sein
scheint - und
wie sehr bei einigen Mitarbeitern unterschwellige bis offen
geäußerte
Ausländerfeindlichkeit im Kontakt mit dem Kunden zum Alltag zu
gehören scheint.
(Und dass in einem Unternehmen, in dem Menschen der verschiedensten
Herkünfte
arbeiten!).
Befürchtung:
Viele ähnliche Fälle kommen erst gar nicht in die
Öffentlichkeit, da die Betroffenen massiv eingeschüchter
werden und sich nicht
trauen, sich zu wehren. ... Meiner Frau, NN (Name der Redaktion
bekannt), wurde
vorgeworfen ohne
Ticket in der U76 vom Düsseldorfer Hbf Richtung City zu fahren.
Als sie nicht
akzeptierte, dass ein Bußgeld von 40 Euro fällig sei, kam es
zu einer
kontroversen Diskussion, in deren Verlauf ... a) meine Frau von
insgesamt drei
Iso-Sicherheitsleuten und zwei Kontrolleuren am U-Bahnhof
Heinrich-Heine-Alle
wie eine Schwerbrecherin umzingelt und festgehalten wurde.
b) eine
Kontrolleurin meine Frau auf schmerzhafte Art und
Weise am Arm festhielt, als sich am
einige Meter entfernten Kiosk eine Zeitung kaufen wollte, um die lange
Wartezeit auf die herbeigerufene Polizei zu überbrücken.
c) ein
später hinzugekommener Mitarbeiter des
Sicherheitspersonals der Rheinbahn sagte Folgendes: Sie eine
„Gastarbeiterin in
Deutschland“ und müsse sich „anpassen“. In
Deutschland sei „jeder verpflichtet,
seinen Ausweis bei sich zu tragen“, vielleicht sei das in Bosnien
anders. Dann
wiederholte er: Meine Frau solle nicht vergessen, dass sie „nur
Gast in diesem
Land“ sei und sich „anpassen müsse.“
(—> Meine Frau lebt seit ihrer Kindheit
in Deutschland und war nach dieser Beleidigung völlig
aufgelöst)
d) eine
Polizistin, von meiner Frau angesprochen, sagte,
Äußerungen wie diese seien nicht ausländerfeindlich.
Wir haben mit
Frau Mummert (positiv: sehr kooperativ!) aus
der Rechtsabteilung der Rheinbahn telefoniert,
die sich uns gegenüber bestürzt zeigte, sich bereits vorab
entschuldigt
hat und versprach, den Fall zu genau zu prüfen. Dennoch halten wir
es für
wichtig, dass auch die Öffentlichkeit davon erfährt.
Insbesondere die
ausländerfeindlichen und beleidigenden Äußerungen ...
sind in keiner Weise
hinnehmbar. ...
Es würde
uns freuen, wenn Ihr (wie schon so oft in der
Vergangenheit in Sachen Iso-Sheriffs) über den Fall berichtet.
Nachtrag:
Die Reaktion der
Rheinbahn-Rechtsanteilung und des
Pressesprechers war unvergleichbar professioneller als die der
Kontrolleure /
Sicherheitsleute. Sie haben sich Zeit genommen, um insgesamt eine gute
Stunde
mit uns über den Vorfall tel. zu sprechen. Die beteiligten
Rheinbahn-Mitarbeiter leugnen natürlich ihr Fehlverhalten und
stellen meine
Frau als hysterisch da. Dennoch: Das Bußgeld wird fallen
gelassen, es wird zu
keiner Anzeige kommen (wie ja noch kurz zuvor von einem der
Sicherheitsleute
vollmundig angekündigt).
Der
Pressesprecher hat sich telefonisch bei uns
entschuldigt, wir pochen weiterhin auf eine persönliche
schriftliche
Entschuldigung ....
Immerhin: Der
Fall wird in der Führungsetage diskutiert. Man
hat den Eindruck, dass in der Rechtsabteilung wirklich der Wille
vorhanden ist,
solchen Vorfällen auf den Grund zu gehen und sie zu klären.
Und in unserem Fall
scheint man die Aussagen meiner Frau als glaubwürdig
einzuschätzen - auch ohne
Zeugen.
Noch einmal:
Unglaublich, dass man das anachronistische Wort
„Gastarbeiterin“ auf eine junge Frau bezieht, die hier seit
ihrer Kindheit
lebt! Meine Frau zweifelt nach diesen Vorfall daran, ob sie als
„Nur-Gast“
wirklich die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen soll.
Name
der Redaktion bekannt
www.terz.org - 24.10.2005