Lieder über das
Ghetto
Zum Jahrestag
der Reichspogromnacht, am 9. November findet
im Schauspielhaus ein Musikkonzert statt, das Lieder und Texte
präsentiert, die
sich mit dem von den Nazis errichteten Ghetto in Lodz auseinandersetzen.
Die Musikgruppe
heißt „Brave Old World“ und ihre bei „Winter
& Winter“ erschienene CD heißt „Song of the Lodz
Ghetto“. Das Essemble
setzt sich zusammen aus den jüdisch-amerikanischen Musikern
Michael Apert
(Gesng, Fiedel, Gitarre, Percussion), Alan Bern (Klavier, Akkordeon),
Kurt
Bjorling (Klarinette) und Stuart Brotman (Bass, Cello, Hackbrett,
Posaune,
Fiedel).
Das Programm,
welches das Quintett präsentiert, ist ein
Brückenschlag zwischen Musik und Theater. Die Musiker zeigen in
eindrucksvoller
Form, dass nicht zuletzt auch mit dem Mittel der Musik und dem
Gesangstext die
Erinnerung und die Auseinandersetzung mit dem Grauen des NS
wachgehalten und
eröffnet werden können. In Polens zweitgrößter
Stadt wurden während der NS-Zeit
zigtausende JudenMenschen jüdischen Glaubens
zusammengepfercht. Die Songs der
CD orientieren sich nach einer historischen
Textsammlung der Ethnomusikfoscherin Gila Flam von der Hebron
Universität,
einer Tochter eines polnischen Überlebenden der Shoa. Sie handeln
von den
alltäglichen Geschichten und Grausamkeiten aus dem Ghetto. Mal
traurig, mal
sarkastisch und oft beunruhigend versuchen sie einen subjektiv und
emotional-fiktionalen Eindruck des Grauens und seinem Alltag
einzufangen und zu
übersetzen.
cdLa
Beat - Bernadette La Hengst
Schon die Debut
Scheibe „Der beste Augenblick in deinem
Leben“ der ehemaligen „Die Braut haut ins Auge“
Musikerin sorgte für Aufsehen.
Deutschsprachiger
Elektropop mit intelligenten Texten aus
dem linken Spektrum ist nun mal nicht gerade üppig vorhanden. Mit
der neuen
Scheibe „La Beat“ übertrifft sie sich selber.
Musikalisch weitet sie ihr
Repertoire vehement aus. Es ist eine heterogene Mischung aus Elektro,
Chanson,
Dub, Syhnthiepunk, Soul und allerlei anderen musikalischen
Einlässen. Die Texte
sind ein Potpourri der verschiedensten Gedanken zu denen Frau La Hengst
ein
Statement hinterlässt. Natürlich geht es um Liebe (Wer
hat das Glück
versteckt)und auch ihr neues „Mütterglück“
(Rockerbraut & Mutter) ein
herrlich normales Lied im Angesicht der ansonstigen
Süßschleimerei über
Muttisein. Doch ansonsten geht es viel um Politik. In „Nie mehr
vor Mittag“
beschreibt sie die früheren Vorstellungen des Lebens und die
jetzige Hartz IV
Realität: „Langeweile ist ein Job von 8 bis 4, den niemand
haben will, ein
Kasten Bier nach Feierabend macht uns sicher, hält uns warm, und
hindert uns
daran endlich einzusehen, dass Arbeit uns nur unsere Zeit stiehlt und
unsere
Ideen. Dabei habe ich mir doch fest geschworen, nie mehr vor Mittag
aufzustehen.“ Doch die neue Hymne wird „Her mit der
Utopie“: „Ich will nicht
täglich entscheiden müssen zwischen Scheiße und
Scheiße“ und deshalb her mit
der Utopie!
Die Einheit von
Form und Inhalt, von Text und Musik ist
grandios und außergewöhnlich. Es macht Spaß die CD zu
hören, sei es im
Hintergrund, sei es ganz gezielt sich die Texte anzuhören. Die
Lieder hat sie
mit Unterstützung von etlichen FreundInnen aus der halben Welt
alleine. Auf der
Bühne spielt sie jedoch alles alleine. Und wer das unglaubliche
Energiebündel
mal Live erleben möchte, der solle sich aufmachen in die
Nachbarstädte
Remscheid (11.11. Kraftstation) oder
Köln (17.11. Gebäude 9). Es lohnt sich!
La
Beat
Bernadette
La Hengst
Trikont
www.terz.org - 24.10.2005