Bewegung kommt von
bewegen ...
Sie
tauchen dort auf, wo die soziale Ungerechtigkeit
erfahrbar wird und versuchen auf symbolische Art zu intervenieren und
Protest
zu zeigen. Sie haben zur Einführung von Hartz IV die
Arbeitsämter blockiert,
sich in ein Nobelrestaurant selbst eingeladen, die Grünen im
Wahlkampf an die
soziale Frage erinnert. Sie tragen weiße Masken und rote
Kapuzenpullover, die
Rede ist von den Überflüssigen.
„Die
Überflüssigen sind Menschen in den Industriestaaten,
die vom gesellschaftlichen Reichtum ausgeschlossen werden. Sie sind das
Ziel
des Klassenkampfes von oben und der aktuellen Armutskampagne in
Deutschland,
sie sind Erwerbslose, deren Rechte weiter beschnitten werden, sie sind
Flüchtlinge, die ins Asylbewerberleistungsgesetz fallen, sie sind
allein
erziehende Frauen, die in Niedrigstlohnjobs gedrängt werden, sie
sind die
Alten, die ihre Winterschuhe beim Sozialamt erbetteln müssen, sie
sind die
Kranken, denen 10 Euro Praxisgebühr fehlen.“ (aus der
Selbstdarstellung)
Ähnlich wie
beim antirassistischen Netzwerk „kein mensch ist
illegal“ versuchen verschiedene
AktivistInnen, Gruppen und Initiativen unter dem Logo „die
Überflüssigen“ die
soziale Frage auf die politische Tagesordnung zu setzen und Wege
für eine
Praxis zu finden, die den Protest nach außen hin deutlich macht.
„Die Überflüssigen setzen sich, wie viele
kämpfende AktivistInnen weltweit, weiße Masken auf. Sie
greifen die Barbarei des
Kapitalismus an, in der Menschen nicht als Menschen, sondern als
gesichtsloser
auszubeutender Rohstoff vorkommen und ihre Vielfalt für
rassistische und
sexistische Unterdrückung instrumentalisiert wird. Ihr Respekt und
ihre
Verbundenheit gelten den Sans Papiers, Piqueteros, streikenden Frauen
in
Weltmarktfabriken, Landlosen, Prekarisierten, Unsichtbaren“ (aus
der
Selbstdarstellung). Es ist ein Versuch unter einem Label Protest zu
bündeln, um
der Vereinzelung zu entgehen. Es soll zum Mitmachen reizen und kann auf
die
jeweilige soziale Auseinandersetzung, z.B. in der eigenen Stadt, im
eigenen
Betrieb, in Bezug gesetzt werden.
Auch in
Düsseldorf haben verschiedene Leute in Bezugnahme
auf die Überflüssigen unter dem Motto „Tasche leer,
Schnauze voll!“ die ersten
bescheidenen Proteste organisiert. Sie sind zusammen öffentlich
schwarz
gefahren, haben Flugblätter verteilt, „Außer
Betrieb“-Aufklebern für
Fahrkartenautomaten geklebt etc.. In Düsseldorf gehen Menschen,
die in
materieller Armut leben, für Schwarzfahren in den Knast, weil sie
erst die teuren
Fahrpreise und dann natürlich die Strafe, wenn sie erwischt
werden, nicht
bezahlen können.
(Ex-)Bundeskanzler
Schröder musste bei seinem letzten
Auftritt vor den NRW-Landtagswahl den Nebeneingang des
Messekongresscenters
benutzen, weil vor dem richtigen Eingang Attac, die „Tasche leer,
Schnauze
voll“-AktivistInnen u.a. lautstark ihren Protest über
Schröders Agenda 2010
äußerten.
Die
Überflüssigen haben zur Einführung von Hartz IV am 1.
Januar 2005 die Büros des Arbeitsamtes Düsseldorf
während der Öffnungszeiten
für 50 Cent geputzt. Diese Persiflage auf die neu
eingeführten 1-Euro-Jobs
störte wenigstens an diesem Tag die Vermittlung von Lohndumping-
und Zwangsjobs
bei der ARGE.
Beim Auftakt des
NRW-Wahlkampfes der SPD am Grabbeplatz
nahmen die Überflüssigen die Kapitalismuskritik von
Müntefering ernst und
wollten mit dem amtierenden Bürgermeister von Berlin die
Internationale singen.
Der konnte leider den Text nicht ...
Bisher sind es
eher kleinere Aktionen mit wenigen Leuten
gewesen, doch bundesweit finden immer wieder Aktionen von den
Überflüssigen
statt. Informiert euch unter
www.ueberfluessig.tk,
seid kreativ und plant eigene
Aktionen!
Die
AktivistInnen in Düsseldorf haben jetzt Anhänger der
besonderen Art auf den Plan gerufen, die sich brennend für die
Aktionsformen
der „Tasche leer, Schnauze voll“/Überflüssigen
interessieren: die
Staatsanwaltschaft Düsseldorf und den polizeilichen Staatsschutz.
In
Düsseldorf wird jetzt ein Aktivist wegen Verstoßes gegen
das Versammlungsgesetz vor Gericht gestellt. Er soll mit einer
weißen Maske und
einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Tasche leer, Schnauze voll“
beim Wahlauftakt
der NRW-SPD Flugblätter verteilt haben. Tatvorwurf Vermummung,
heißt es in der
Anklageschrift.
Der Prozess
findet am Mittwoch, 16.11.2005 um 11.30 Uhr,
Raum A 58 im Amtsgericht Düsseldorf
statt.
Oli
www.terz.org - 24.10.2005