Hier
kommt Jochen!
In
Düsseldorf vermarktet „City Billboard“ Bäume,
Außenwände,
Lichtmasten und Bauzäune exklusiv als Werbeflächen. Wer es
wagt, darauf eigene
Plakate anzubringen, den verfolgt die Firma gerne gerichtlich.
Jüngstes Opfer
ist die Deutsche Kommunistische Partei (DKP).
In
Düsseldorf gehören Bäume, Lichtmasten, Stromkästen,
Tunnelwände und Papierkörbe nicht mehr zum öffentlichen
Raum, sondern zum
Imperium des „Tote-Hosen“-Managers Jochen Hülder.
Seine Firma „City Billboard“
hat von der Kommune das Verfügungsrecht über dieses
Stadtinventar erworben und
vermietet es als Werbeträger weiter. Hülders blühende
kommerzielle Phantasie
versteht es dabei, noch den abstrusesten Objekten einen werblichen
Nutzen zu
entlocken. Vertraglich hat „City Billboard“ sich den
Zugriff auf „städtische
Bäume, Baumschutzgitter, Baumständer, Streusandkästen,
Papierkörbe,
Schutzwände, Mauern, Verkehrsschilder,
Grundstückseinfriedungen, Stelen und Außenmauern,
Kellerpfosten und die dazugehörigen Ketten und
Toilettenanlagen“ sichern
lassen. Im Gegenzug verpflichtet Hülder sich, als Saubermann
aufzutreten und
gegen einen anderwärtigen Gebrauch der Objekte vorzugehen - und er
tut das bis
zum bitteren gerichtlichen Ende. Gegen Privatpersonen, einen Zirkus,
eine
Agentur und eine Partei hat der Geschäftsmann schon Prozesse
geführt. Sogar die
Terz wollte er schon vor sieben Jahren verklagen, weil sie das
Bekennerschreiben einer Gruppe abdruckte, die aus Protest gegen die
Hüldersche
Form der Stadtreinigung Plakathalter auf Stromkästen
beschädigt hatte. Aber
schlussendlich besann Hülder sich doch eines Besseren. Momentan
hat er sich die
DKP vorgeknöpft. „City Billboard“ wirft der Partei das
Verkleben von Plakaten
auf Stromkästen vor. Den Streitwert hat der Anwalt der Firma mal
eben auf
20.000 Euro festgelegt - schließlich bemisst sich an der Summe
auch sein
Honorar. Das Gericht hat diese Höhe allerdings bisher noch nicht
abgesegnet.
Sollte es dazu kommen und darüber hinaus der Prozess verloren
gehen, geriete
die Partei in ernstliche finanzielle Schwierigkeiten.
In ebensolche
hat Jochen Hülder die Agentur Lauber schon
gebracht. Diese veranstaltet Schallplattenbörsen und wirbt
dafür stadtweit.
Weil das angeblich auch auf Hülder-Bäumen und -Bauzäunen
geschah, erhielt der
Inhaber Ulrich Lauber eine deftige Abmahnung zugestellt. Trotz
günstiger
Prozessaussichten scheute Lauber das finanzielle Risiko langwieriger
gerichtlicher Auseinandersetzungen und willigte in einen Vergleich ein,
der ihn
zur Zahlung von 2.500 Euro verpflichtete. „2.500 Euro - das ist
soviel wie der
Gewinn aus drei oder vier Börsen“, klagte er der
Westdeutschen Zeitung
gegenüber. Nach seiner Ansicht verdient „City
Billboard“ inzwischen mehr bei Gerichtsterminen
als durch das eigentliche Kerngeschäft „Werbung“. Das
Treiben der Hülder-Gang
erboste Lauber so, dass er einen Brief an Bürgermeister Joachim
Erwin schrieb.
Darin machte er seinem Unmut über das Gebaren der Firma, das er
„existenzbedrohend“ nannte, Luft und kritisierte zudem die
Art und Weise, wie
es zur Kooperation zwischen Stadt und „City Billboard“ kam.
„Hier wurde ohne
eine Ausschreibung einem Privatanbieter eine monopolähnliche
Stellung
verschafft“, heißt es in dem Schreiben.
Wenig
später kündigte die Stadt den Vertrag mit Hülder zum
Jahresende auf. Aber um eine Rückeroberung des öffentlichen
Raums und sein
kommunikatives Wiedererschließen für Initiativen, kleine
Veranstalter und
Parteien war es Düsseldorf dabei nicht zu tun. Der Kunststadt ging
es um’s
Ästhetische. „Wir wollen nicht, dass die ganze Stadt mit
Werbung verschandelt
wird“, so die kommunale Verkehrsmanagerin Andrea Blome zur
Begründung. Die
Stadtwerke wollten das dann auch nicht mehr und meldeten wieder
Eigenbedarf für
die Stromkästen an. Aber so ganz mochten sie die Zusammenarbeit
mit „City
Billboard“ nicht aufgeben. Ihre Stromkästen in bester
Kö-Lage darf das
Unternehmen noch bespielen. Und im übrigen NRW treiben Hülder
& Co.
ebenfalls weiter ihr Unwesen und sorgen so für „Tote
Hose“ in den Städten.
Jan
www.terz.org - 24.10.2005