Frühstückspause!

Das Mittwochsfrühstück im zakk wird 5 Jahre alt

"Wir wollen dem von Medien und Politik propagierten falschen Bild von Langzeitarbeitslosen und Armen etwas entgegensetzen. Dabei kooperieren wir mit anderen Gruppen und Initiativen in Düsseldorf, die sich ebenfalls gegen die ARGE-Zumutungen zur Wehr setzen" – so hatten es Erwerbslose und prekär Beschäftigte formuliert. Und was damals galt, ist noch immer aktuell. Am 7. März 2007 fand das erste Mittwochsfrühstück der Erwerbslosen und prekär Beschäftigten im zakk statt.

Irgendwie sind sie dann doch unsichtbar geblieben, die Hartz-IV-ler_innen, trotz allen Anti-Hartz-IV-Protestes. Und so hieß dann auch eine der ersten Aktionen "Sichtbarmachung": Silhouetten von Erwerbslosen tauchten an Hauswänden auf, jeweils mit einem DIN-A3-Anschlag, auf dem der Hetze gegen Hartz-IV-Bezieher_innen Fakten entgegengesetzt wurden.

Als Düsseldorf vor 5 Jahren seine angebliche "Schuldenfreiheit" mit einem Besäufnis auf dem Marktplatz zelebrierte, waren einzelne Frühstücker_innen ebenfalls da, mit Plakaten: "Die Stadt ist keine Ware", "Stadt ohne Schule, Kinder ohne Schulsachen". Als Euromarschierer 2007 in Richtung Heiligendamm zogen, beteiligten sich Frühstücker_innen aktiv an einer Veranstaltung im Linken Zentrum. Kontroversen zum "Bedingungslosen Grundeinkommen" und zu "Mobilität ist ein Grundrecht" fanden in Kooperation mit Initiativkreis Armut und Initiative K statt. Und dann natürlich auch die Anti-Krisenproteste, "KRACH-SCHLAGEN-STATT-KOHLDAMPF-SCHIEBEN!" in Oldenburg und antimilitaristische Proteste vor dem Jobcenter. Am Mittwochsfrühstückstisch entstand auch die Idee für die Rote-Punkt-Aktion "Freifahrt". 2008 gestartet, wurde sie mittlerweile auf den gesamten VRR-Verkehrsverbund ausgedehnt. Wenn zuweilen auch nur das gemeinsame Frühstück der einzige Konsens ist, haben die Prekären doch einiges bewegt und das Thema "Ausgrenzung durch Armut" immer wieder am Köcheln gehalten. Auch beim zakk-Straßenfest sind sie stets dabei. Ob unter dem Motto "Wir sind alle Griechen", verbunden mit der Forderung nach Stopp der Hetze gegen Griechen, Hartz-IV-Beziehende und Muslime. Oder sie "feierten" vorm zakk mit einer "Konjunkturtorte" das Jobwunder durch Billiglohn und Selbstausbeutung. Unter dem Motto "Global Feudal" pries Jan Wellem 1-Euro-Jobs an – Dienen wie zu Kurfürsts Zeiten! Und der Herr mit der Allongeperücke tauchte im Karneval und auch auf einer Sitzung des Sozialausschusses auf. Neben den "bunten Aktionen" gibt's weiterhin die monatlichen Aktionstage vor den "Jobcentern": Mittwochsfrüstücker_innen bieten dort "Erste Hilfe" an, begleiten Hartz-IV-Beziehende beim Ämtergang und geben Tipps. Seit zwei Jahren ist das Mittwochsfrühstück zudem Mitglied in der Bundesarbeitsgemeinschaft Prekäre Lebenslagen e.V.

Am 7. März, zum fünfjährigen Geburtstag, findet im zakk eine Veranstaltung mit einem Rechtsanwalt statt, Titel: "Seitenwechsel". Einst war Herr Galla als Jurist beim Jobcenter angestellt, dann hat er gekündigt und betreibt jetzt eine Kanzlei, in der er schwerpunktmäßig Alg2-Bezieher_innen gegen das Jobcenter vertritt. Frühstück gibt's wie jeden Mittwoch am 7. März um 9.30 Uhr, die Veranstaltung beginnt um 12.30 Uhr.

THOMAS