Krieg dem Krieg?
Das Friedensforum demonstriert
Am 15. November, dem Tag vor der Kriegsabstimmung im Bundestag, trafen sich
rund 80 Friedensfreunde am Schadowplatz, um gegen den Einsatz deutscher Truppen
in Afghanistan zu demonstrieren.
Man mag darüber streiten, ob angesichts der prekären Situation die
Anzahl der Demonstranten den Veranstalter zufrieden stellen konnte. Hierbei
gilt es einerseits zu berücksichtigen, dass in Zeiten der geistigen und
praktischen Generalmobilmachung das Demonstrieren eine nicht ganz ungefährliche
Angelegenheit ist, und andererseits die Streitigkeiten unter den linken (tatsächlichen
und vermeintlichen) Kriegsgegnern in Düsseldorf eine schlagkräftige
"Einheitsfront" verhindern.
Parolen gegen den Krieg?
Interessanter als das Rauf- und Runterrechnen irgendwelcher Teilnehmerzahlen
ist die qualitative Beurteilung der Demonstration. Und da gibt es einige Ungereimtheiten
- mit System.
"WAR AGAINST TERROR? Politische, wirtschaftliche, soziale Maßnahmen
stünden im Vordergrund, hieß es. Die von den USA begonnene "Polizeiaktion"
zur Ergreifung der Täter wurde zum Krieg gegen die Taliban", so steht
es in dem Flugblatt, das bei der Demo verteilt wurde. Wie kommen die Freunde
des Friedens darauf? Hat Bush nicht unmittelbar nach dem 11. September zum Krieg
aufgerufen? Ausdrücklich keine "Polizeiaktion" war geplant! Auch
standen nicht irgendwelche "Politische, wirtschaftliche, soziale Maßnahmen
... im Vordergrund." Die Vernichtung des Gegners war und ist angesagt.
Im Weiteren wird ausgeführt: "Der Krieg trifft die Zivilbevölkerung,
die eigentlich vor ihm geschützt werden sollte." Sitzen hier etwa
die Friedensfreunde dem Märchen vom Kollateralschaden auf? Wie kommen sie
darauf, dass Krieg die Zivilbevölkerung schützt? Das Gegenteil ist
der Fall. Die Bevölkerung wird mürbe gemacht, damit sie ihrer Herrschaft
die Gefolgschaft kündigen. Und da zeigt man den Afghanen mit ein paar Bomben
mal ganz praktisch, was sie sich mit den Taliban eingehandelt haben.
Im Flugblatt heißt es: "In dieser Situation weiteres Militär
in die Region zu schicken, heizt den Krieg weiter an. - Damit würde sich
unser Land mitschuldig machen am Tod und Leiden vieler unschuldiger (?, der
Setzer) Menschen in Afghanistan!" Die erste Aussage ist zweifelsohne richtig.
Aber was soll die zur Schau gestellte Sorge um die Nation im folgenden Satz?
Ziemlich kläglich mutet diese Anklage an, die den Staat an - moralische
- Grundsätze erinnert, die dieser gar nicht hat. Es mag ja sein, dass die
Friedensfreunde sich ein friedliches Deutschland vorstellen, das die Welt lediglich
mit Goethe, Beethoven und der Fußballnationalmannschaft beglückt.
Nationale Interessenvertretung weltweit ist hingegen eine gewalttätige
Angelegenheit - und das haben in den letzten Jahren unter anderen die Jugoslawen,
Iraker und jetzt die Afghanen zu spüren bekommen.
"Wir fordern die Bundestagsabgeordneten aller Parteien auf, einer Entsendung
der Bundeswehr nach Afghanistan nicht zuzustimmen." Geht diese Forderung
nicht in die Leere? Welche guten Gründe sollte der nationalbewusste Abgeordnete
haben, gegen den Krieg zu stimmen? An Stelle eines Appells an die in die Volksvertreter
hineinprojizierten Ideale wäre eine Erklärung nötig, warum die
Abgeordneten für den Krieg stimmen.
Trotz aller Kritik kann man froh sein, dass es immer noch ein paar Leute in
dieser Republik gibt, die offen gegen den Krieg Stellung beziehen.
Nachtrag: Die DemonstrantInnenen erklärten auf ihrem zentralen Transparent:
"Krieg ist keine Lösung". Da müssen sich wohl die Friedensfreunde
schwer geirrt haben. Schließlich haben die Amis gerade gezeigt, wie sie
mit überlegener Militärmacht die Feinde ihrer Freiheit platt walzen
und so ihre Probleme lösen.
www.terz.org - 26.11.2001