Ohovens Rezept gegen den Hunger auf der Welt:
Spenden und spachteln!
Alle Jahre wieder treffen sich im Neusser Swissôtel die Promis der
zivilisierten Welt, um dem Rest der Welt zu zeigen, wie er sein Hunger-Problem
in den Griff kriegen kann: Einfach ordentlich spachteln! Und da hat sich die
Düsseldorfer Gastgeberin Ute-Henriette Ohoven nicht lumpen lassen.
Chefkoch Slahedinne Sabbagh kreierte am Samstag, dem 10. November ein Vier-Gänge-Menu,
von dem sich die Hungerleider der Welt eine Scheibe abschneiden können:
"Perlhuhnterrine mit kleiner Stopfleberpraline; Geschäumte Schwarzwurzelcrème
an einem Hummerspieß; Marinierte Kalbsrückentranchen auf Morchelrahmsauce
mit gefüllter Zucciniblüte; Ramazottieis mit kleinem Bittermandelgebäck."
(Neuss-Grevenbroicher-Zeitung vom 12. November) Daneben wurde gesungen und getanzt.
Eine kleine Tombola mit Gewinnaussichten unter anderem auf ein hübsches
Mercedes-Sportcoupé oder einen Dreier-BMW rundete das Programm ab.
Die Eintrittsgelder und die Spenden beliefen sich zum Schluss auf die runde
Summe von 1,9 Millionen Deutschmark für die armen Kinder. Knapp DM 1400,-
hatten 1400 Gäste pro Nase im Schnitt gelatzt, um in den folgenden Tagen
in allen wichtigen Tageszeitungen und gängigen Boulevardblättern abgelichtet
oder genannt zu sein: Denn wer nicht in ist, ist out.
Special guest: Ex-Kaiserin Farah Diba
Wie in jedem Jahr wies die Gästeliste auch in diesem Jahr besondere Highlights
auf. Neben den üblichen Stars und Sternchen aus Show, Politik, Sport und
Adel erschien als krönender Höhepunkt und Schirmherrin die Ex-Kaiserin
von Persien, Farah Pahlavi Iran, auch bekannt unter dem Namen Farah Diba. Die
letzte der drei Frauen von Schah Reza Pahlevi, die sich rühmen kann, als
Einzige den kaiserlichen Beischlaf zu erwünschten Resultaten geführt
zu haben, erklärte: "Es gibt zu viele Kinder, die unter Armut, Hunger
und Versklavung leiden." (RP, 12.11.) Volkswirtschaftlich gut durchgebildet
schlussfolgerte sie: "In die Kinder zu investieren, ist die einzige Hoffnung
auf eine bessere Welt." Zuviel Armut kann nämlich von rebellischen
Kräften zu umstürzlerischen Zwecken genutzt werden.
Und da sprach eine Frau, die es wissen muss. Schließlich wurden sie und
ihr Mann vor 23 Jahren von der persischen Bevölkerung aus ihrem Land gejagt,
weil sie als Statthalter amerikanischer Interessen im Iran es nicht geschafft
haben, die Produktion und Kontrolle von Hunger und Elend geschickt mit der Förderung
und dem Transfer von billigem Erdöl zu kombinieren. Aber aus Schaden wird
man bekanntlich klug.
Ein Blick zurück
Vor 24 Jahren traf der Schah von Persien zusammen mit Ehefrau Farah Diba zu
einem Staatsbesuch in Deutschland ein. Die Proteste gegen den Besuch in Berlin
nahmen bis dahin unbekannte Ausmaße an. In die Geschichtsbücher eingegangen
sind in diesem Zusammenhang die prügelnden "Jubelperser" und
der Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der von dem Polizisten Kurras erschossen
wurde.
Weniger bekannt ist das von Ulrike Meinhof zu diesem Ereignis verfasste Flugblatt,
das sich in Form eines Offenen Briefes kritisch mit den Aussagen der damaligen
Kaiserin in der Illustrierten "Neue Revue" auseinander setzte:
www.terz.org - 26.11.2001