audiobookDas Leben ist zum Kotzen
Allein dieser Titel hat mich vor einer Ewigkeit dazu bewogen,
das Buch von Léo Malet zu kaufen. Ein Spruch, der durchaus als Leitspruch
durchgeht. Es ist der erste Teil einer "Schwarzen Trilogie", die die
genauso viel versprechenden Titel "Die Sonne scheint nicht für uns"
und "Angst im Bauch" beinhalten. Heutzutage wirken die Ende der 40er
Jahre erschienenen Krimis manchmal etwas antiquiert, sind aber dennoch spannend
zu lesen und nun auch zu hören. Es ist sehr zu begrüßen, dass
auf dem Hörbuch alle drei Teile versammelt sind.
Die Trilogie spielt Mitte der 20er Jahre. In "Das Leben ist zum Kotzen"
entschließen sich einige Anarchisten nach der Niederschlagung von Arbeiterkämpfen,
die praktische Geldumverteilung selbst in die Hand zu nehmen und überfallen
Geldtransporte. Nicht nur dabei gibt es Tote. Jean, der Anführer, ist gefangen
in seiner Perspektivlosigkeit; Hoffnung und Liebe sind ein Trugschluss. Das
Ende ist vorprogrammiert.
In "Die Sonne scheint nicht für uns" taucht der 16jährige
André nach einer Haftentlassung in das Subproletariat ab und träumt
mit Gina von einem anderen Leben. Diese Träume nehmen ein schnelles Ende,
als ein Mord passiert und die beiden Liebenden (sie schwanger) vor den Bullen
flüchten müssen. Es kommt zur Katastrophe.
Auf der dritten CD "Angst im Bauch" geht es um den kleinen Trickdieb
Paulot. Unsterblich verliebt, schließt er sich auf ihr Drängen hin
einer Bande an. Nachdem er entdeckt, dass seine Freundin ihn betrügt, kann
er den schrecklichen Albträumen nur durch einen Mord entkommen. Es folgt
eine Flucht durch halb Frankreich, auf der er das Elend in seiner ganzen Bandbreite
sieht und schließlich in eine ausweglose Situation gerät.
Ziemlich an den Romanvorlagen entlang wird in den drei Hörspielen sehr
gut die bedrückende Stimmung der Geschichten dargestellt. Manchmal fehlt
es, wie auch in den Romanen, etwas an Schnelligkeit. Es bleibt spannend, aber
es ist teilweise etwas zäh. Die Stimmen wirken manchmal, wie in vielen
Hörspielen, zu aufgesetzt, ohne wirklich zu überzeugen. Dies gilt
aber nur für einige SprecherInnen. Was auffällt, ist das manchmal
mehr als merkwürdige Frauenbild, das Malet auch in dieser Trilogie so herauslässt,
das man es nur mit Humor ertragen kann, sonst wird es ärgerlich. Daran
merkt man, dass diese Krimis eben über 50 Jahre auf dem Buckel haben. Zu
empfehlen sind sie dennoch, denn selten wird eine Milieubeschreibung der Unterwelt
und des Subproletariats so deutlich und atmosphärisch stimmig herüber
gebracht wie in dieser "Schwarzen Trilogie". Genau das Richtige für
kalte, dunkle Wintermonate.
MEIKEL F
Léo Malet: Das Leben ist zum Kotzen
Mit Martina Gedeck, Anna Thalbach u.v.a.. DAV - Der Audio-Verlag
3 CDs mit 12-seitigem Booklet,
ca. 180 Min., 24,95 Euro
www.terz.org - 25.11.2003