film Die
fetten Jahre sind vorbei
“Ich
möchte
Teil einer Jugendbewegung sein”, sangen Tocotronic einst im vollen
Wissen um
die Unmöglichkeit. Hans Weingartner verspürt diesen Wunsch
ebenfalls, hat aber
die Hoffnung auf die “wiedergefundene Zeit” nicht aufgegeben. In den
“fetten
Jahren” versucht er, nochmals eine authentische Protest-Kultur zu
begründen.
Die
Verhältnisse verdienen diese nämlich nach wie vor:
Kontrolleure bedrängen
Obdachlose, Polizisten verprügeln Demonstranten, Nike produziert
in
südostasiatischen Sweatshops und die Reichen schlagen über
die Stränge. Eine
von Weingartners Figuren verfügt sogar über das Privileg, die
Ungerechtigkeit
der Welt am eigenen Leib zu verspüren. Jule hat bei einem
Verkehrsunfall das
Auto eines Bonzen ramponiert und ist seither in dessen
Schuldknechtschaft.
Das
erschwert die Feindbestimmung beträchtlich. Der Regisseur schafft
es aber durch
eine List des Drehbuch-Geistes, Hardenberg auf die andere Seite der
Barrikade
zurückzubugsieren und sein Trio infernale so wieder politisch
handlungsfähig zu
machen. Die verkorkste Verschleppung, die schwierige “ménage
à trois” und
eigene inkorrekte warenfetischistische Begehrlichkeiten halten sie am
Schluss
nicht davon ab, an ihrem Erziehungsauftrag festzuhalten und sich als
nächstes
den medialen Verblendungszusammenhang vorzuknöpfen. Trotz des
clever arrangieren,
spannenden Drehbuchs, video-injizierter Überdosis Realität
und der
Agitpop-Ästhetik mag man jedoch nicht so recht an eine
Wiedergeburt des
Politischen aus dem Geist von Voluntarismus und Romantik glauben.
Bundesstart:
25.11.; in Düsseldorf im Cinema, Altstadt.
Jan
www.terz.org - 23.11.2004