Die
Rheinbahn, die ISO und die Randgruppen
Safety
First
Die Terz
traf sich mit dem kurzfristig für einen Kollegen eingesprungenen
Rheinbahn-Sprecher Eckhard Lander zum Gespräch über die
Übergriffe der ISO, die
Sicherheitspolitik der Rheinbahn und ihre Objekte, die
Drogenabhängigen und
Obdachlosen.
TERZ: Gehen
bei der Rheinbahn Beschwerden über die ISO-Security ein?
Eckhard
Lander: Nach Angaben unserer Mitarbeiter vom
Beschwerde-Management haben die
Klagen total abgenommen. Es gab zwei Beschwerden allgemeinerer Art in
der
letzten Zeit, also keinesfalls wegen Übergriffsproblematiken. Es
gibt aber
reihenweise Beschwerden wegen Dealerei und Randgruppen-Problematik
seitens der
Fahrgäste. (Später bekommt Lander die genauen Zahlen
reingereicht. Bis November
2004 beklagten sich zwölf Rheinbahn-BenutzerInnen über ein zu
hartes
Durchgreifen der ISO, im Jahr 2003 waren es 18 gewesen.
Demgegenüber verlangten
18 Fahrgäste mehr ISOs an den Haltestellen, 31 wollten mehr
Securitys direkt in
der Bahn und 68 plädierten für mehr Schwarze Sheriffs im
Einsatz gegen
Drogendealer, Anm. Terz.)
TERZ: Aber
im Jahr 2000 gab es bis zum Mai 100 Anzeigen gegen die ISO-Security.
Lander: Es
gab in dieser Zeit, soweit ich weiß, eine ähnlich hohe
Anzahl von
Sicherheitsmitarbeitern, die ihre Verletzungen dokumentiert haben und
ebenfalls
zur Polizei gegangen sind. Da hat man sich unheimlich hochgeschaukelt
zu der
Zeit.
TERZ: Auch
die Zeitungen berichteten viel über das Fehlverhalten von
ISO-Mitarbeitern.
Lander: Der
“Express” hat eine ziemlich lange Kampagne geritten gegen die Rheinbahn
und die
von ihr bestallten ISO-Leute, die sich dem Vorwurf ausgesetzt sahen,
sich
Übergriffe haben zu Schulden kommen lassen. Da sind so einige
Sachen passiert
wie z.B., dass die Zeitung die Berichterstattung, wenn sie
konterkariert wurde
durch andere Zeugen-Aussagen, nicht korrigiert hat.
TERZ: Aber
da stand ja nicht nur Aussage gegen Aussage. ISO-Mitarbeiter selber
haben doch
zugegeben, in der Flinger-Passage extra “Prügelräume”
eingerichtet zu haben.
Lander: Wir
haben jetzt das Problem, dass ich auf das Gespräch nicht
vorbereitet bin, sonst
hätte ich nochmal die Archive gewälzt. So weit ich
weiß, hat auch der “Express”
sehr früh Abstand davon nehmen müssen, diese Geschichte zu
wiederholen, weil
dieser Mann sich wohl sehr stark ins Unrecht gesetzt hatte.
TERZ:
Wenige Monate nach diesen Vorfällen hatte die Rheinbahn über
einen Auftrag zur
Aufstockung des Sicherheitspersonals zu entscheiden. Der Vorstand
votierte
dafür, einer Konkurrenz-Firma der ISO den Auftrag zu erteilen.
Warum hat sich
der Aufsichtsrat trotz der schlechten Presse für die ISO über
diese Empfehlung
hinweggesetzt?
Lander:
Nach meiner Erinnerung war es so, dass die Ausschreibung eine Firma an
die
erste Stelle gesetzt hat, die von ihrem Angebot her günstiger war
als die ISO.
Das hat dann vorübergehend zur Verpflichtung dieses Unternehmens
geführt, mit
dem es dann Schwierigkeiten gegeben hat. Und dann ist, soweit mir der
Vorgang
erinnerlich ist, zurückgekehrt worden zur ISO.
TERZ: Mal
grundsätzlicher gefragt: Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt
immer mehr zu,
weshalb es auch mehr Obdachlose und Drogenabhängige gibt. Sehen
Sie es dann als
eine richtige Reaktion an, zu sagen: Wir müssen mehr in
Sicherheitskräfte
investieren, um uns diese Leute vom Leib zu halten?
Lander: Ich
würde mich gegen diesen Ausdruck “sich die Leute vom Leib halten”
verwehren.
Vielleicht fangen wir mal einen Schritt früher an. Uns war bei der
Rheinbahn
schon klar, dass wir das Drogen-Problem nicht lösen würden
und dass wir nur
eine Verdrängung machen. Sie wissen, dass hier in der Stadt keine
Fixerräume
eingerichtet worden sind usw. Wir hatten ziemlich viele Beschwerden von
Fahrgästen, die sich gestört fühlten durch die
Zustände in der U-Bahn
seinerzeit. Wir haben den Fahrgästen dann – von mir aus auch mit
diesem Begriff
– versucht, diese Leute vom Hals zu halten. Wir wollten einfach unsere
Fahrgäste schützen.
TERZ: Aber
so reagieren ja alle Akteure: Wir können das Drogen-Problem nicht
lösen, wir
wollen nur, dass es nicht vor unserem Haus stattfindet. Und der Effekt
ist
dann, dass die Leute wie Spielfiguren hin und her geschoben werden.
Lander: Das
ist so auch nicht richtig. Als bekannt wurde, dass die Rheinbahn einen
Sicherheitsdienst aufstellen würde, hat der Innenminister dringend
darum
gebeten, dass Feuerwehr, der Bundesgrenzschutz, der städtische
Ordnungsdienst
und die Rheinbahn sich im Rahmen einer Ordnungspartnerschaft
regelmäßig an
einen Tisch setzen, um sich abzustimmen und zu klären, was macht
denn wer.
TERZ: Mit
welcher Intention betreibt die Rheinbahn “Sicherheitspolitik”?
Lander: Wir
wollen einen guten Job für die Fahrgäste machen. Nach der
Statistik gibt es
kein besonders häufiges Kriminalitätsaufkommen im Bereich des
Öffentlichen
Personennahverkehrs. Aber bei einer Befragung hat sich trotzdem
ergeben, dass
die Menschen Haltestellen oder U-Bahn-Bahnsteige als Bereiche
empfinden, wo das
subjektive Sicherheitsempfinden gestört ist.
TERZ: Aber
warum diesem Empfinden nachgeben, wenn es nicht mit der Realität
übereinstimmt
und die Kriminalität nicht wirklich steigt?
Lander: Das
stimmt natürlich so nicht. Gerade heute hat ja der Richterbund
erklärt: “Wir
haben eine unheimliche Erhöhung im Bereich der
Jugendkriminalität.”
TERZ: In
Düsseldorf gab es eine Steigerung von gerade mal drei Prozent,
glaube ich.
Lander: Der
reinen Lehre nach kann man das nur so beantworten, dass man sagt: Also
gut,
wenn ein Fahrgast sich unwohl fühlt, muss ich dafür sorgen,
dass das an der
Stelle besser wird und eine bestimmte Struktur reinkommt.
Natürlich alles im
Hinblick auf das Geschäft.
TERZ:
Vielen Dank für das Gespräch.
www.terz.org - 23.11.2004