Veränderlich:
Das Düsseldorfer Kunstmuseum zeigt "Chris Reinecke 60er Jahre
- Lidl Zeit"
Die späten sechziger und frühen siebziger Jahre in Düsseldorfs
Kunstszene: Joseph Beuys stößt mit seinem erweiterten Kunstbegriff,
der jede/n zum KünstlerIn erklärt, das Establishment vor den
Kopf und besetzt die Akademie mit der Forderung nach freiem Zutritt für
alle; Chris Reinecke versucht, mit zahlreichen Happenings Obdachlosen
zu helfen und organisiert Hausbesetzungen. Ein ziemlicher Unterschied
zu den Studierenden, die heute die Akademie bevölkern.
Chris Reinecke, eine der bekanntesten Künstlerinnen der Studentenrevolte,
erregte mit Ihren phantasievollen Objekten, Aktionen und Konzepten immer
wieder Aufsehen. Ihr Werk ist auf den Dialog mit dem/der BetrachterIn
ausgerichtet, zielt ab auf Bewusstseinserweiterung und politische Veränderung.
Ihren Arbeiten wie ihrem Leben liegt die tiefe Überzeugung zugrunde,
dass die Verhältnisse sich verändern lassen. "Veränderlich"
heißen deshalb viele Skizzen.
Passiv durch die Ausstellung schleichen und die Werke nur konsumieren:
so wollte Chris Reinecke Ihr Publikum nicht sehen: deshalb konnten BesucherInnen
z. B. ihre spontanen Eingebungen auf den "Umgebungskleidern"
verewigen oder wurden aufgefordert, Wattelandschaften zu zerrupfen. In
der Ausstellung im Kunstmuseum erfährt man dieses jedoch nur aus
dem Katalog; selbst aktiv werden kann man nicht. Ohne Happening im Museum
aufgehängt, sind die Werke Reineckes einer wichtigen Dimension beraubt,
trotzdem ist die Ausstellung empfehlenswert, allein um den Unterschied
zu dem heutigen drögen Kunstbetrieb auszumachen.
JULIA
Sie ist noch bis zum 16. Januar zu sehen.
theater
Wilder Tanz und stumme Schreie
Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse im Kosovo, aber auch
der täglichen Nachrichten über Gewalt im In- und Ausland reflektiert
das freie Düsseldorfer Theater in seiner neuen Produktion "Das
Frühlingsopfer" das Thema Gewalt.
Die künstlerische Klammer wird dadurch geboten, daß man als
Libretto und Musik auf ein Werk zum Thema Gewaltritual vom Anfang dieses
Jahrhunderts zurückgreift - Strawinskys "Sacre" - uraufgeführt
1913, ein Jahr vor Ausbruch des ersten Weltkriegs! Auf dass der düstere
Rückblick auf dieses Jahrhundert keine dunkle Vorahnung auf das 21.
Jahrhundert wird, adaptiert das Theater der Klänge derzeit diesen
Stoff in zeitgenössischer Form und überarbeitet dazu die Musik
und das Original-Libretto. Resultat soll ein Theaterabend sein, der sich
sowohl aktionistischer Theaterformen als auch des Tanzes und der Musik
bedient. Dazu entwarf Choreographiestar Joachim Schlömer eigens den
Eröffnungstanz.
Die Vorstellung 1913 in Paris artete fast in eine Schlägerei zwischen
aufgebrachtem Publikum und Autoren aus - es bleibt abzuwarten, wie das
Düsseldorfer Publikum auf den gewaltigen Stoff reagiert ...
JULIA
Aufführungsdaten:
2. bis 5. und 8. bis 12. Dezember im Forum Freies Theater (Juta)
jeweils 20 Uhr
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