Lohnnachzahlung? Mit uns nicht!
Auspressung von ZwangsarbeiterInnen in Düsseldorf
Nach Schätzungen der Stiftung für Sozialgeschichte hatte
die Zwangsarbeit im Nazireich für die deutsche Wirtschaft aus heutiger
Sicht einen Nutzen von 180 Milliarden DM. Die momentan gehandelten 9 Milliarden
DM muten da eher wie ein Witz an. Vehement verweigert die deutsche Industrie
die Lohnnachzahlung, geschweige denn eine Entschädigung. Auch Düsseldorf
und seine Wirtschaft verdiente prächtig.
Nach heutiger Schätzung betrug die Zahl der im Nazireich zur Zwangsarbeit
gezwungenen Menschen zwischen 14 und 15 Millionen. Die Stiftung für
Sozialgeschichte hat eine Gesamtsumme von 64 Milliarden Arbeitsstunden
errechnet. Nach dieser Studie betrug die Gesamteinnahme und der Gewinn
für die deutsche Wirtschaft 16,23 Milliarden Reichsmark. In DM umgerechnet
ergibt dies unter Berechnung des allgemeinen Preisindex 95,76 Milliarden
DM. Unter Berücksichtigung des spezifischen Lohnkostenindex sogar
eine Summe von 180 Milliarden DM. Da ist das jetzige Angebot von momentan
9 Milliarden DM nur als Unverschämtheit zu bezeichnen. Die von der
Industrie ins Gespräch gebrachten 6 Milliarden Eigenleistung werden
sie auch noch steuerlich absetzen können, so daß sie auch noch
den Großteil wieder zurückerhalten. Doch selbst diese Summe
steht im Moment nur auf dem Papier: Bisher hat sich keine der mittlerweile
etwa 50 Großfirmen, die erklärt haben, überhaupt eine
Zahlung in die gegründete Stiftung zu tätigen, bereit erklärt,
mehr als 200 Millionen DM zu zahlen. Wenn man bedenkt, daß fast
alle Firmen, Großbetriebe wie auch Mittel-stands-betriebe, ZwangsarbeiterInnen
beschäftigt hatten, spricht die Anzahl von 50 Firmen für sich.
Da ist kaum jemand bereit, Verantwortung für die eigene Firmengeschichte
zu übernehmen. Man sieht sich lieber in der Opferrolle, was von der
Presse auch noch gerne unterstützt wird. Und auch die rot/grüne
Regierung ist eifrig in der Opferrolle bemüht und wird nicht müde,
darauf hinzuweisen, daß sie Schaden von der deutschen Industrie
verhindern will und endlich einen Schlußstrich ziehen will.
Die Zahl der ZwangsarbeiterInnen in Düsseldorf wird auf rund 26.000
geschätzt. Davon waren etwa 40% Frauen, die meisten unter 21 Jahre.
1944 waren etwa 27% aller Erwerbstätigen in Düsseldorf Zwangs-arbeiterInnen.
Es gab über 140 Lager: (72 Fremdarbeiterlager, 27 Ostarbeiterlager,
6 Außenlager von Konzentrationslager, 33 Kriegsgefangenenlager,
3 Arbeitserziehungslager, 2 Lager der staatlichen Bauorgani-sation Todt.
Heutzutage existierende Firmen in Düsseldorf,
die ZwangsarbeiterInnen ausbeuteten:
Gebrüder Böhler AG (Fremdarbeiterlager, Ostarbeiterlager); Rheinmetall-
Borsig, heute Rheinmetall AG (KZ- Außenlager, 4 Fremdarbeiterlager,
2 Ostarbeiterlager); Jagenberg AG (Fremdarbeiterlager); Deutsche Reichsbahn,
heute Bundesbahn AG (Ostarbeiterlager, Fremdarbeiterlager), Henkel AG
(3 Fremdarbeiterlager); Rheinische Bahngesellschaft AG (Fremd-arbeiterlager);
Fortin Mühlenwerke GmbH (Fremd-arbeiterlager); Gerresheimer Glas
AG (Ostarbeiterlager); Firma Ehrenreich, heute TRW Fahrwerksysteme GmbH
(Fremd-arbeiterlager); Mannesmannröhrenwerke, heute Mannesmann AG
(morgen Vodaphone ?!) (2 Fremdarbeiterlager, Ostarbeiterlager); Pahlsche
Gummi- und Asbestfabrik, heute PAGUAG (Fremd-arbeiterlager); Demag AG,
heute Demag Komatsu GmbH (Fremdarbeiterlager); Arbeitsamt Düsseldorf;
Stadt Düsseldorf; De Limon, Fluhme & Co, heute De Limon, Fluhme
GmbH (Fremdarbeiterlager); Papierfabrik Hermes, heute Papierfabrik Hermes
GmbH & Cie KG (Fremdarbeiterlager); Georg Plange Weizenmühle
Kraftfutterwerke AG, heute Plange & Küppers Mühlen GmbH
& Co KG (Fremdarbeiterlager); Klöckner Werke, heute Klöckner
Stahl (Ostarbeiterlager); Carborundum Schleifmittel GmbH (Fremd-arbeiterlager);
Feldmühle, heute STORA Feldmühle GmbH (Fremdarbeiterlager);
Günther & Lochte, heute Günther & Lochte GmbH &
Co KG (Fremd-arbeiterlager); Düsseldorfer Waggonwerke DUEWAG AG (Ostarbeiterlager);
Firma Hein & Lehmann, heute Hein & Lehmann GmbH (Fremd-arbeiterlager);
Thompson Werke, heute Thompson- Siegel GmbH (Fremd-arbeiterlager); Firma
Hille & Müller (Fremdarbeiterlager); Städtische Krankenanstalten,
heute Krankenhaus Univer-sitäts-klinik (Kriegsgefangenenlager); Fenestra-
Cristal, heute Fenestra GmbH (Kriegsgefangenenlager); Großmarkt
(Kriegsgefangenenlager); Städtischer Fuhrpark (Kriegsgefangenenlager);
Bauunternehmung Richard Kern (Fremd-arbeiterlager); Stadtwerke Düsseldorf
(Kriegsgefangenenlager); Arthur Brüggemann (Fremd-arbeiterlager);
Schiess AG (Arbeitserziehungslager, Fremdarbeiterlager, Ostarbeiterlager);
Deutsche Reichspost, heute Deutsche Post AG (Fremdarbeiterlager)
Die Aufstellung wurde erstellt unter Zuhilfenahme der Liste von Andreas
Kussmann aus dem Jahre 1990 und dem Adressbuch der Stadt Düsseldorf
1998.
Dies ist nur eine kleine Auswahl von Firmen. Genannt sind nur Firmen deren
Lager direkt angeschlossen waren. ZwangsarbeiterInnen waren praktisch
in der gesamten Düsseldorfer Wirtschaft tätig, auch in vielen
Mittelstandsbetrieben und bei Bauern.
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