Heulen die Grauen Wölfe wieder?

Seit mehreren Jahren laufen am ersten Maiwochenende türkische Faschist*innen durch Düsseldorf. Letztes Jahr gab es zum ersten Mal Widerstand. Eine Gegendemonstration zeigte ihnen, dass sie in Düsseldorf nicht erwünscht sind. Und dieses Jahr?

Man konnte schon lachen, als sich am 8. Mai 2016 auf einmal eine Gruppe von Türk*innen in Fantasie-Uniformen in Anlehnung an das osmanische Reich vor dem DGB-Haus aufbaute. Aber lustig ist das ganz und gar nicht. Was als folkloristische Veranstaltung beim Karneval durchgehen könnte hat einen ernsten Hintergrund. Es waren die faschistischen „Grauen Wölfe“ die in Düsseldorf demonstrierten.

Seit einigen Jahren konnten sie unbemerkt von der Öffentlichkeit mit über 800 Leuten durch Düsseldorf laufen. Aber letztes Jahr war es endlich anders. Über 700 Demonstrant*innen zeigten ihren Protest gegen die faschistische Veranstaltung. Zum ersten Mal zeigte auch die Düsseldorfer Polizei Präsenz. Diesmal wollte sie auch nicht, dass die Folklore-Anhänger*innen mit Waffen demonstrierten. Erst nach längerer Diskussion waren diese bereit, ihre Waffen abzugeben. Kettenhemden durften sie jedoch weiter mit sich führen. Das sollte man sich einmal bei einer linken Demonstration vorstellen. Da gäbe es weder Diskussion noch das Plazet für das Mitführen passiver Bewaffnung, sondern Festnahmen und Haue.

Bei Drucklegung der TERZ ist immer noch nicht bekannt, ob sie dieses Jahr wieder versuchen, eine Demonstration durchzuführen, oder ob sie von der letztjährigen Gegendemo so beeindruckt sind, dass sie auf ihre eigene Aktion dieses Jahr verzichten. Achtet auf Bekanntmachungen, Adressen weiter unten.

Unter Erdogan ist zu beobachten, dass sich nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland viele Türk*innen nationalistisch radikalisieren. Nicht zuletzt die Rhetorik Erdogans vor dem Referendum trug dazu bei. Die Spaltung der türkischen Gesellschaft, die sich am Ergebnis des Referendums zeigte, wirkt in der Diaspora fort. Bei einer Wahlbeteiligung von fast 60 % haben über 67 % der türkischen Wähler im Großraum Düsseldorf haben für die Quasi-Diktatur Erdogans gestimmt. Wobei zu bedenken ist, dass viele aus Angst, aber auch aufgrund von Desinteresse für die Türkei gar nicht erst wählen gegangen sind. Was das Urteil über die türkischen Faschist*innen nicht einfacher macht, ist der Umstand, dass auch viele von ihnen gegen die Präsidialdiktatur Erdogans sind. Das mag daran liegen, dass damit ihr politischer Einfluss schwinden wird. Es gibt zwar ein taktisches Bündnis zwischen Erdogan und der faschistischen MHP, das wird aber nun überflüssig.

Vor dem Referendum hatten sich Erdogan und seine Gefolgschaft an die Faschist*innen angebiedert. So zeigte z. B. der türkische Aussenminister Mevlüt Çavuşoğlu beim Besuch in Hamburg den Wolfsgruß, das Erkennungszeichen der türkischen Faschist*innen. Dieser so genannte Wolfsgruß wurde auch letztes Jahr in Düsseldorf von den Teilnehmer*innen der Demonstration ausgiebig gezeigt. Veranstalter war damals die „Türk Federasyon“, deren Düsseldorfer Vereinslokal auf der Zeppelinstraße 28 in Eller zu finden ist. Sie ist eine der drei Dachorganisationen der MHP in Deutschland. Überhaupt ist die Organisierung der türkischen Faschist*innen für Außenstehende unübersichtlich. Es gibt unzählige Namen und Vereine die miteinander vernetzt sind. Mittlerweile sind auch mindestens zwei Rockerclubs dabei. Sie bezeichnen sich selber auch seltener als „Graue Wölfe“ (das ist eigentlich für die Mitglieder der MHP vorbehalten), sondern als „Idealisten“. Es verbindet sie nicht nur der Wolfsgruß und das Geschwafel von einem Großtürkischen Reich von Griechenland bis China sondern auch eine Ideologie, die alles Nicht-Türkische, das sich nicht unterwirft, ausschließt und eliminieren will. Ihre erklärten Feindbilder sind die Kurd*innen, Armenier*innen, Kommunist*innen, Jüd*innen, Christ*innen und Alevit*innen. Sie lehnen Israel genauso ab wie die EU und die USA.

In den letzten Jahren ist in Deutschland eine deutliche Steigerung der Aggressivität festzustellen, die sich schon öfters gegen andere türkische Bevölkerungsgruppen und vor allem gegen Kurd*innen richtete. Deshalb ist es auch für die deutschen Antifaschist*innen wichtig sich mit dem türkischen nationalistischen und faschistischenOrganisationen auseinanderzusetzen.

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„Kein Fußbreit den Faschisten!“, gilt für deutsche, wie auch für türkische Nazis.

Weitere Informationen zu den Aktionen am 6./7.Mai in Düsseldorf unter:
http://duesseldorf-stellt-sich-quer.de
https://de-de.facebook.com/duesseldorfstelltsichquer/
ifuriosi.org
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http://www.anti-kapitalismus.org
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