düsseldorf dreht am rad

Die Event-Kultur hat in Düsseldorf eine lange Tradition, der sich auch die Ampel-Koalition verpflichtet fühlt. Sie setzt ebenfalls auf Großereignisse, um den Standort Düsseldorf im Allgemeinen und die Tourismus-Industrie im Besonderen zu fördern. Und was dem einstigen Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) der „Eurovision Song Contest“ war, das ist seinem sozialdemokratischen Nachfolger Thomas Geisel die „Tour de France“. Fieberhaft arbeitet die Stadt daran, ein „Wir sind Tour de France“-Gefühl zu erzeugen und der Kultur des Spektakels ein möglichst breites Fundament zu geben. Vom Schreibwettbewerb für Kinder über ein Lichterfest im Schloss Benrath bis hin zum Kraftwerk-Konzert reicht das Spektrum bisher. Sogar die Heinrich-Heine-Universität lässt sich einbinden. Sie veranstaltet unter dem Titel „Vélomanie?! Facetten des Radsports zwischen Mythos und Ökonomie“ eine Ringvorlesung. Ob auch das Pharmazeutische Institut einen Vortrag beisteuert, stand bis Redaktionsschluss der TERZ noch nicht fest.

frustrierter verwaltungsrichter

Verwaltungsgerichtspräsident Andreas Heusch ist frustriert. Da wickelte sein Gericht doch letztes Jahr rund 14.000 Asyl-Verfahren im Schnelldurchlauf ab, natürlich zumeist mit negativem Bescheid, und dann kommt es nach Einschätzung des Juristen doch nicht zu einer „engagierten“ Umsetzung, weil es am politischen Willen fehlt. „Aus rechtsstaatlicher Sicht hochbedenklich“ findet Heusch das. Dabei ist gerade sein eigenes Tun alles andere als rechtsstaatlich unbedenklich. So bastelte der rechte Richter aus Resten der ehemaligen Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland ein Kreuz und brachte es im Gericht an. Auch winkte er 2015 immer wieder die Dügida-Proteste durch und intervenierte, als Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel mit dem Löschen des Lichts im Rathaus auch ein Zeichen gegen Dügida setzen wollte.

verwehtes flair

Die politische Ökonomie des Bauens hat in den letzten hundert Jahren so einige Veränderungen durchlaufen. Vor allem der Umgang mit Haus und Grund wandelte sich, wie der ehemalige Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann in einem Faz-Artikel mit der drängenden Überschrift „Stellt endlich die Boden-Frage!“ darlegte. Früher erwarben Terrain-Gesellschaften freie Flächen, erschlossen das Areal, planten Straßen und parzellierten das Areal anschließend in einzelne Häuser-Grundstücke, die sie dann verkauften. Heute aber fällt dieser letzte Schritt weg – und aus das Haus. Die Projekt-Entwickler arbeiten mit viel größeren Flächen und Gebäuden und sehen zu, noch aus dem letzten Quadratzentimeter Kapital zu schlagen. Das Ergebnis lässt sich derzeit im Derendorfer „Quartier Central“ beobachten, dessen letzte Baulücken sich gerade schließen. Was einst französisches Flair verbreiten sollte, gleicht heute mehr einer Mega-City im Kleinen samt Hochhäusern, Wohnblöcken mit der Anmutung einer Lärmschutzwand und Büro-Türmen, welche die Derendorfer Bezirksvertreter*innen wahlweise als „entsetzlich“, „klobig“ oder „grauenhaft“ beschreiben, aber trotzdem durchwinken.

(k)eine heimat für die afd

Der Bürger- und Heimatverein Gerresheim (BUH) wollte Ende März 2016 eine Podiumsdiskussion zur Landtagswahl ausrichten, an der auch ein Vertreter der AfD teilnehmen sollte. Zu der Veranstaltung kam es dann allerdings nicht. Die evangelische Kirche zog ihre Zusage für den Raum kurzfristig zurück und begründete dies mit vom TÜV festgestellten Sicherheitsmängeln im Gebäude. Das erboste das BUH-Vorstandsmitglied Rainer Klöpper, der für die CDU auch in der Bezirksvertretung 7 sitzt. „Offensichtlich sind Teile der evangelischen Gemeinde und linke Aktivisten (darunter auch Mitglieder des vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachteten VVN-BdA) der Überzeugung, dass sie die Gerresheimer Bürger bei der Ausübung ihres Wahlrechts schützen müssen, indem nur Parteien öffentlich auftreten dürfen, die den Ansprüchen von Kirche und Aktivisten genügen bzw. deren Weltanschauung teilen“, schrieb er. Das wiederum erboste andere Mitglieder der Heimatvereins. So drohte Karl-Heinz Krems, Staatssekretär im Justizministerium, mit seinem Austritt. Der Ehrenvorsitzende Harald Posny hatte den Heimatverein da schon verlassen. Er fand bereits die Entscheidung, überhaupt eine Diskussionsveranstaltung zur Wahl auszurichten, falsch.

kürzungen bei der off-kultur

„Ich wünsche mir für Düsseldorf eine Kulturlandschaft, die etwas bunter ist, etwas vielfältiger, etwas ungeschliffener mit mehr Überraschungen, mit starken Szenen, die sich gegenseitig anregen. Ich vermisse in unserer Stadt die ungewohnten Räume für spannende ästhetische Experimente“, schrieb der ZAKK-Leiter Jochen Molck Ende vergangenen Jahres in seinem Beitrag zur „Rheinischen Post“-Reihe „Welche Kultur braucht Düsseldorf?“. Auf eine Erfüllung seiner Träume darf er allerdings nicht hoffen. Die Stadt will die Zuschüsse für die Off-Kultur in diesem Jahr nämlich kürzen, um das, was Oberbürgermeister Thomas Geisel immer die „Leuchttürme“ nennt, mit noch mehr Strahlkraft auszustatten.