NO G7

Am 26. und 27. Mai trafen sich im beschaulichen Taormina in Sizilien vor antiker Kulisse die „Herrscher der Welt“. Der G7-Gipfel mit den Staatsfrauen und -männern aus den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan verhandelten über die von ihnen geschaffenen Probleme der Welt: der Hunger, die Flüchtlinge, der Terror, die Handelshemmnisse, das Klima, die Querulanten wie Russland und Nordkorea.

Erwartungsgemäß war das Ergebnis mager. Im Zeichen der wachsenden Konkurrenz unter den Weltmächten wurden die hohen Erwartungen – wie man der anteilnehmenden Presse entnehmen konnte – bitter enttäuscht: In kaum einem der angesprochenen Punkte wurde eine Einigung erzielt. Trotzdem wurde zum Ende der Konferenz die Gemeinsamkeit beschworen, denn es ist im Interesse aller am G7-Gipfel beteiligten Nationen, die Kollateralschäden der kapitalistischen Weltwirtschaft und der Kriegspolitik im Zaum zu halten.

Schon einige Tage vor dem Gipfel war der Großraum Taormina mit bis zu 10.000 schwerbewaffneten Polizist*innen und Soldat*innen abgeriegelt. Vor der Küste patrouillierten Kriegsschiffe und der Luftraum wurde lückenlos überwacht. Für die Normalsterblichen war also eine Annäherung an die mit sorgenvoller Miene sich darstellenden Herrscher*innen praktisch unmöglich. Die Situation verschärfte sich am Samstag, den 27. Mai, als zur Gegendemonstration „No G7“ im Nachbarort Gardini Naxos aufgerufen wurde. Kein Bus erreichte mehr den Ort, alle Zugangsstraßen wurden gesperrt und die Geschäfte waren auf Anordnung des Bürgermeisters geschlossen.

Trotzdem schafften es noch über 1000 Demon­strant*innen zum Teil auf abenteuerlichen Wegen in die Stadt und versammelten sich zu einer „Manifestazione“, die in Deutschland ihres Gleichen sucht. Auf Bannern und Plakaten wurde der Zusammenhang zwischen den Taten der Herrschenden und dem Elend in der Welt dargestellt. Lautstark verkündete man die Gegnerschaft zur aktuellen Weltordnung und forderte die Volksherrschaft. Zwischen den zahlreichen Kommunist*innen und Anarchist*innen tummelten sich auch wenige Friedensfreund*innen, Trommler*innen und Flötist*innen, die durch ihren Ruf nach „Pace“ bzw. ihres Gauklertums die Herrschenden in ihrem Sinne betören wollten.

Entgegen den hiesigen Pressemitteilungen war die Bevölkerung gegenüber den radikalen Demonstrant*innen durchaus positiv eingestellt. Als Geschäftsleute beklagen sie nicht nur ihr finanzielles Desaster durch die staatlich durchgesetzte Blockade. Die Mehrheit ist durch jahrelange Arbeitslosigkeit, Lohn- und Rentenkürzungen und Zerstörung der kleinbäuerlichen Ökonomie direkt betroffen von den Segnungen der Weltwirtschaft – und ist sich dessen auch bewusst.

THOMAS