Der große Vorsitzende in Düsseldorf Vol. VI

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die Terz einige Gruppen vor. Der letzte Teil berichtete von den maoistischen Aktionen zum 1. Mai. Im sechsten Teil geht es nun um die Jugendvertretung der Mannesmann Röhrenwerke in Lierenfeld.

In den 1970er Jahren besaßen Jugendvertretungen noch eine weit größere Bedeutung als heute, da es damals zahlreiche Großbetriebe mit hunderten von Lehrlingen gab. In der Jugendvertretung bei den Mannesmann Röhrenwerken in Lierenfeld waren von 1970 bis mindestens 1976 auch oppositionelle Kräfte präsent. Schon aus dem September 1970 wird berichtet, dass der Betriebsrat und der IG Metall Vertrauensleutevorstand der Jugendvertretung auf einer Betriebsversammlung das Mikrophon abdrehten, als diese eine Resolution zur Metalltarifrunde vortrug.

In der Kampagne zum 1. Mai 1971 traten dann die Jugendvertreter aus Lierenfeld auch in Berlin bei den Veranstaltungen der KPD-Aufbauorganisation (KPD/AO) auf, die damals noch ganz auf Westberlin beschränkt war. Für die KPD/AO stellten die Düsseldorfer von Mannesmann Lierenfeld dabei die wohl bedeutendste Gruppe in Nordrhein-Westfalen dar und sie bemühte sich entsprechend, die Jugendvertretung für sich zu gewinnen. Bald wurde bei Mannesmann Lierenfeld dann auch eine Betriebszelle gegründet, die vermutlich vor allem auf Jugendliche gestützt war.

Bei der Wahl der Jugendvertretung im Mai 1971 wurden erneut auch Freunde der KPD/AO gewählt. Das führte dazu, dass in der „Roten Fahne“ der KPD/AO (und ab Juli 1971 der KPD) zahlreiche Artikel über Mannesmann Lierenfeld veröffentlicht wurden. Die Nähe zur KPD zeigte sich auch bei der Metalltarifrunde 1971, bei der die Jugendvertretung eine Resolution verabschiedete, die von der KPD unterstützt – und von der DKP energisch abgelehnt wurde.

Schwerer Stand bei der IG-Metall

Die Jugendgruppe der IG Metall unterstützte die Jugendvertretung bei Mannesmann Lierenfeld. Die Anerkennung der Jugendgruppe der IG Metall wiederrum wurde vom Ortsjugendausschuß jedoch verweigert, da sie sich nicht von den beiden linken Jugendvertretern (ein dritter gehörte offenbar der SPD an) distanzierte. Gegen die beiden linken Jugendvertreter wurde seitens der IG Metall sodann auch ein Untersuchungsverfahren wegen „gewerkschaftsschädigenden Verhaltens“ eingeleitet, welches aber offenbar zunächst zu keinem Ergebnis führte.

Die beiden linken Jugendvertreter traten im November 1971 zurück, um in den darauffolgenden Neuwahlen die Abwahl des dritten im Bunde ihrer Jugendvertretung, nämlich des Sozialdemokraten, zu erreichen. Diese Taktik glückte und im Januar 1972 wurden nun drei linke Kandidaten gewählt, die sich zudem noch mit dem vierten Jugendvertreter verbündeten.

Anfang April 1972 traten die Lehrlinge dann in einen kurzen Streik, mit dem sie sich für Sprechstunden der Jugendvertretung mehrmals pro Woche einsetzten und gegen die Beschränkung der Teilnehmerzahl an den (noch provisorisch durchgeführten) Sprechstunden protestierten. Weil die Jugendvertreter den Streik unterstützen, wurde ihnen mit der Entlassung gedroht. Als sich drei der Jugendvertreter dann am 1. Mai 1972 im Block des oppositionellen Maikomitees beteiligten (siehe Terz 4/2017 zum 1. Mai in Düsseldorf), wurde erneut ein Gewerkschaftsausschlussverfahren gegen sie eingeleitet. Die IG Metall-Jugendgruppe ihrerseits wurde im Übrigen immer noch nicht anerkannt.

Fristlose Entlalassungen

Im Herbst 1972 wurde dann zunächst Rolf Strojec fristlos bei Mannesmann Lierenfeld entlassen, der dann in der Folge bei der Hoesch Westfalenhütte Dortmund für die KPD tätig wurde, dort jedoch aus diesem Grunde bald auch wieder von der Entlassung betroffen war.

Der Wahlkampf zur Jugendvertretung Anfang 1973 wurde vom Jugendverband der KPD mit harten Bandagen geführt: So wurde etwa die sozialdemokratische Konkurrenz als „Clique von Speichelleckern“ tituliert. Den Freunden der KPD gelang der Einzug in die Jugendvertretung. Sie sprachen sich damals nicht zuletzt gegen die Einführung des Stufenplans aus, der einen auf zwei Jahre verkürzten Ausbildungsgang vorsah. Rolf Strojec trat derweil auf dem bundesweiten Kongress oppositioneller Gewerkschafter der KPD und bei anderen Aktionen und Konferenzen auf.

Im Sommer 1973 wurde dann auch der Jugendvertreter Gerd Bail entlassen. Die Freunde der KPD organisierten den Protest, der in einer Demonstration am 10. August 1973 durch Eller-Lierenfeld (TERZ 02.17) gipfelte und später auch bundesweit ausgeweitet wurde. Es bildete sich so im September 1973 auf Initiative des Düsseldorfer Initiativausschusses „Arbeiterjugend gegen politische Entlassungen und Gewerkschaftsausschlüsse“ ein bundesweites Komitee aus jungen Freunden der KPD.

Bei der nächsten Wahl zur Jugendvertretung im Frühjahr 1974 wurde der KPD-Anhänger Uwe Pflugradt wiedergewählt. Waldemar Uhlke zog nun in die Jugendvertretung ein, während zugleich noch der Arbeitsgerichtsprozess um die Entlassung von Gerd Bail lief. Weil Pflugradt und Uhlke sich damals an den bundesweiten Aktionen der KPD und ihrer Freunde beteiligten, auf Veranstaltungen auftraten und Resolutionen unterzeichneten, wurde gegen sie am 10. April 1975 ein Ausschlussverfahren aus der IG Metall eingeleitet. Anfang 1976 wurden die beiden linken Jugendvertreter schließlich entlassen bzw. nach Abschluss der Lehre nicht übernommen.

Bei den Wahlen zur Jugendvertretung 1976 traten die Freunde der KPD wiederrum mit markigen Parolen auf, forderten etwa „Keine Kapitalistenknechte! Keine Zöglinge der Neuen Zaren! – Klassenbewußte Jugendvertreter!“, schafften es aber nicht, wieder in die Jugendvertretung einzuziehen. Der Arbeitsgerichtsprozess des Jugendvertreters Waldemar Uhlke dauerte zwar noch bis zum Herbst 1976, führte aber nicht zu seiner Wiedereinstellung. Damit endete die Zeit der linksradikalen Agitation durch Jugendvertreter von Mannesmann Lierenfeld.

Siehe auch:
http://www.mao-projekt.de/BRD/NRW/DUE/Duesseldorf_Mannesmann_Lierenfeld_und_Rath.shtml