„Was tun, wenn‘s brennt“ mal anders

Zur Brandstiftung im Hof des „Linken Zentrums“ und der Büros von Die LINKE in Düsseldorf

Seit Dutzenden von Jahren ist die „Rote Hilfe“-Broschüre „Was tun, wenn‘s brennt“ fester Bestandteil im Demo- und Aktionsgepäck linker Praxis. So auch bei Großdemos und Blockaden gegen Weltmacht-Führer*innen in Hansestädten: von „Block G8“ 2007 in Rostock bis 2017 in Hamburg bei den Protesten gegen „G20“. Im Vorwort der Broschüre, die in immer wieder aktualisierten Auflagen wichtige Tipps in Fällen von Repressionen durch die Polizei zu angemessenem, cleverem Verhalten bei Festnahmen, zu Beschuldigten-Rechten im Strafverfahren u.v.m gibt, steht: „Was tun, wenn‘s brennt? Ruhe bewahren“. Und weiter: Wenn dann doch etwas passiert? Dann sind zwei Dinge wichtig: Schlau handeln. Und: Solidarität.

Und der Bogen zum Thema? Was hat das mit der Brandstiftung im Hinterhof des „Linken Zentrums“ und der Büros der LINKS-Partei zu tun? Eigentlich nichts. Aber irgendwie passt es doch, an das geflügelte Wort im Titel der Broschüre zu denken. Auch wenn das Wort „Brand“ diesmal keine Metapher für Polizeigewalt oder die Kriminalisierung linker Praxis ist. Ausnahmsweise.

Trotzdem: „Ruhe bewahren“ und „Solidarität“ – das trifft auch auf die Reaktionen zu, die auf den echten, ganz und gar nicht sprichwörtlichen Brand im Hof des Linken Zentrums und der LINKS-Partei-Räume in Düsseldorf-Friedrichstadt folgten.

Am Abend des 9. Juni 2017 müssen bisher unbekannte Täter*innen kurz vor 20 Uhr Feuer gelegt haben. Es brannten mehrere Stapel mit Wahlplakaten. Rasend schnell ging das Feuer auch auf den neben den Plakaten abgestellten Transporter über, den Die LINKE in Düsseldorf für ihre Arbeit nutzt und der schon bei so mancher Demo oder Kundgebung gute Dienste als Lautsprecherwagen oder zum Transport von Flyern, Transparenten, Kundgebungs-Pavillons, Bierbänken und vielem mehr gedient hat.

Die Feuerwehr und Polizei bekam an besagtem Freitagabend gegen 20 Uhr die Meldung vom Brand. Zum Glück wurden die Flammen schnell gelöscht, noch ehe etwa der Benzintank des Bullis hatte Feuer fangen können.

Drei Tage später, am 12. Juni veröffentlichte die Polizei Düsseldorf einen Zeug*innen-Aufruf und eine kurze Sachverhaltsschilderung. Der Staatsschutz, heißt es hier, ermittelte. Expert*innen für Brand-Delikte des Landeskriminalamtes seien hinzugezogen worden. Die Polizei geht zum aktuellen Zeitpunkt aber in jedem Fall von Brandstiftung aus. Und sie beschreibt außerdem zwei Personen, „die im Zusammenhang mit dem Geschehen“ stehen könnten und die gesehen worden sind, wie sie um 19.55 Uhr den Innenhof verlassen haben. Weitere Zeug*innen werden gesucht. Aber mehr? Wissen wir nicht. Bis zum Redaktionsschluss der TERZ scheint es nichts Neues zu geben.

Und jetzt? Was tun? Na, erstmal von „Glück“ reden! Denn es hätten auch Menschen verletzt werden können. An diesem Abend arbeitete niemand mehr in den LINKE-Büros, im Linken Zentrum war keine Veranstaltung und das Feuer richtete so nur materiellen Schaden an. Die Wahlplakate, zusammengeklumpt wie Riesentoastbrot, mussten für teuer Geld von einem Müllunternehmen abgeholt werden. Der Bulli, unlängst repariert, ist Schrott und muss ersetzt werden.

Der Kreisverband der Partei Die LINKE hat am Morgen nach dem Brand mit einer Pressemitteilung die Öffentlichkeit informiert. Besonnen hat die Partei reagiert und knapp berichtet, was passiert ist. Aber sie verwies durchaus zu Recht darauf, dass in der jüngeren Vergangenheit auch in Düsseldorf mehrfach „linke Einrichtungen, insbesondere [...] Partei- und Abgeordnetenbüros der LINKEN“ angegriffen worden sind. 2015 etwa wurden an einem Montagabend, in der Zeit, als die Aufmärsche der rassistischen rechtsaußen-Truppe von „Dügida“ noch allmontaglich um den Düsseldorfer Hauptbahnhof den Straßenverkehr blockierte, die Scheiben des Wahlkreis-Büros von Sahra Wagenknecht eingeschmissen. Das Büro befindet sich im Vorderhaus, neben der Toreinfahrt, die zum Hinterhof führt, in dem nun der Brand gelegt wurde.

Und das „Linke Zentrum – Hinterhof“? Wer das „Zentrum“ kennt, weiß, dass „Ruhe“ nicht so dessen Stärke ist. Aber Solidarität, die schon! Also organisierten die Gruppen und Einzelpersonen, die das Zentrum nutzen, gemeinsam mit Leuten von der LINKS-Partei kurzerhand eine Soliparty mit Schnaps, Bier, Glücksrad, Grill-Kram (was sonst bei diesem Anlass?) und dem Humor von denen, die zuletzt lachen. Das klingt erstmal putzig, ist aber praktische Solidarität pur. So ist, was abgebrannt ist – der Bulli etwa – mit kurzfristiger Hilfe, die Spaß macht und Durst löscht, schnell wieder ersetzt. Und außerdem ist superklar: Niemand wird eingeschüchtert, so schnell lässt sich niemand unterkriegen!

Aber auch weiterhin halten wir Augen und Ohren auf, passen auf uns, auf unsere Freiräume, auf unsere Genoss*innen von nebenan auf. Nicht nur bei Demos und Aktionen, sondern auch in Düsseldorf, in unserem Alltag, zu dem das „Linke Zentrum – Hinterhof“ dazugehört. Das gilt es zu verteidigen. Mit Demos gegen Kapitalismus und Immobilienhaie, mit Partys mit und ohne Bass, mit Veranstaltungen, Bildung, Diskussionen, Essen, Schnäpsen. Aber auch gegen Brandstifter*innen. Wenn nötig, dann nüchtern.