Düsseldorfs neue JVA

Der Hochsicherheitstrakt

Die Anfang Februar in Betrieb genommene Strafvollzugsanstalt in Ratingen unterscheidet sich nicht nur baulich von der alten Ulmer Höh’. Das Gefängnis hat überwachungstechnisch enorm aufgerüstet und ist ein einziger Hochsicherheitstrakt. Ein Gefangener gewährt der TERZ einen Einblick in den neuen Haftalltag:

"Die Rufanlage auf den Hafträumen hat einen Sabotageschutz. Über diese Anlage können die Abteilungsbediensteten von ihrem Büro aus jederzeit Sprechkontakt mit allen Inhaftierten aufnehmen. Sie können auch auf einem Bildschirm sehen, auf welcher Zelle einer das Fenster geöffnet hat, weil jedes einen Sensor hat.

Durch die Zellentüren durch kannst du nicht einmal mittels Schreien einem auf dem Gang mehr etwas sagen, die sind schalldicht. Da kannst hier natürlich auch nicht mehr wie auf der alten Ulm durch die Lüftungsschächte eine Zeitung oder ein Feuerzeug oder ein bisschen Tabak in die Zelle von einem Kumpel geben. Die Zellen sind zu, und wegen neuer Vorschriften steht auch kaum mal jemand auf dem Gang herum, mit dem du reden könntest.

Außenrum um den Knast geht nicht nur die Mauer, sondern da ist auch noch ein Zaun drum, und der Bereich dazwischen wird von Kameras überwacht. Da soll es auch Annäherungs- und Sabotagesensoren geben. Innerhalb der Mauer geht jetzt ein Sicherheitszaun mit Kameras und Bewegungssensoren rundherum. Und zwischen diesem Zaun und der Mauer ist eine Straße, auf der fährt immer ein Wachposten mit dem Auto Streife.

Es gibt acht Freistundenhöfe – nun ebenfalls mit Bewegungsmeldern ausgerüstet. Nur während der Freistunden sind sie ausgestellt, ansonsten permanent an. Jeder der Höfe wird von neun Kameras überwacht, von denen eine 360-Grad-Rundumsicht hat. Mit den Kameras kann auch in viele Zellen hineingesehen werden, aber nicht in alle, und auf den normalen Zellen hast du auch einen Vorhang, da können sie dann nicht unbedingt reingucken.

Die Gänge im Knast sind alle mit Kameras überwacht. Teilweise gibt es nun auch hier Bewegungsmelder, die sind bei Nacht scharf. Außerdem gibt es in der Schleuse, durch die du aus dem Hafthaus mit den Zellen in andere Bereiche gehst, Herzschlag-, Atem- und Bewegungssensoren.
Wo genau die Kamerabilder hingehen, ist nicht ganz klar. Manche können wohl auf mehreren Büros gesehen werden. Auf jeden Fall gibt es eine Sicherheitszentrale mit vielen Bildschirmen, die können da alle Bilder sehen, die sie wollen.

Nirgends kommst Du ohne Begleitung durchs Personal hin, egal welche Wege Du nimmst, ob zur Arbeit, zum Sport, zum Sanitäter, zum Sozialarbeiter oder zum PC-Kurs. Du darfst auch nichts mitnehmen zur Arbeit, nicht mal eine Thermoskanne Kaffee, und da gibt es dann nur einen undefinierbaren ungesüßten Tee.

Auf der Zelle darfst du jetzt nur noch abgezählte eigene Medien und Bücher haben, und genauso ist es mit den Kleidungsstücken, auch bei Sportsachen. Auf der alten Ulm war das immer so, dass die Bediensteten geschaut haben, dass alles irgendwie im übersichtlichen Rahmen bleibt, jetzt ist alles von vorneherein beschränkt."

Ein Gefangener

Die Sicherheitsmaßnahmen dienen besonders der Unterbindung von Kommunikation unter den Gefangenen und zwischen Gefangenen und Wärtern. Moderne Gefängnisse sind einem repressiven Sicherheitswahn unterworfen, der das eigentliche Ziel, die Resozialisierung, unterminiert. Ob das die Insassen auf die Freiheit vorbereitet? Menschenversuche am lebenden Objekt.