Die „Spaziergänge“ der „Abendlandretter“

„Düsseldorf gegen die Islamisierung des Abendlandes“: Rückblick und Ausblick

Zu ihrem „2. Spaziergang“ lädt „DÜGIDA – Düsseldorf gegen die Islamisierung des Abendlandes“, offizieller lokaler Ableger der PEGIDA, für den Abend des 12. Januar vor das Landtagsgebäude. Beim „1. Spaziergang“ am 8. Dezember hatte man den Versuch eingeläutet, die PEGIDA-Bewegung in NRW zu verankern. Eingeladen waren „ALLE demokratisch gesinnten PATRIOTEN [...]! Egal ob ‚links‘ oder ‚rechts‘, egal welcher Herkunft, Hautfarbe oder Religion“, „Hauptsache, sie stehen mit uns gemeinsam auf für Deutschland!“

Rückblick auf den 8. Dezember

Erwartet wurden vom Veranstalter 1.000 Personen. Letztendlich versammelten sich am Abend des 8. Dezembers bei nasskaltem Wetter dann nur etwa 500 Personen auf einer matschigen Wiese, diverse TeilnehmerInnen aus dem neonazistischen Spektrum stießen erst kurz vor Ende der Abschlusskundgebung zu ihren auf anderen Wegen angereisten „Kameraden“, da sie von der Polizei nach ihrer öffentlich angekündigten gemeinsamen Anreise im Düsseldorfer Hauptbahnhof aufgehalten worden waren. Eine erste Gruppe aus diesem Spektrum erreichte den „Spaziergang“ – der am Rheinturm und Parlamentsufer entlang zog – kurz bevor dieser wieder vor dem Landtag angelangt war.

Auch diejenigen, die die Aktion initiiert hatten – die Düsseldorfer AfD-Rechtsaußen Alexander und Angela Heumann – schafften es nicht pünktlich. Alexander Heumanns in Schaustellermanier gehaltene Rede und ein von Angela Heumann verlesenes Grußwort von Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, mussten auf die Abschlusskundgebung verschoben werden, beim Auftakt waren Improvisieren und Warten angesagt. Neben einer vom Blatt abgelesenen kurzen Begrüßung durch einen nicht näher vorgestellten „Markus“ versuchte der Anmelder Sebastian Nobile, ehemaliger Leader der Kölner „Division“ der „German Defence League“, die Zeit u. a. mit Abgrenzungen von „Extremisten“ und „Gewalttätern“ zu überbrücken. Hierbei zog er sich den temporären Zorn der unschwer durch ihre „ahu-ahu“-Laute zu identifizierenden rechten Hools zu, da er zwar die HogeSa-Aktion in Hannover als „super“ bezeichnete, jedoch Missfallen über die gewalttätig verlaufende Demo in Köln äußerte und zudem die Arbeit der Polizei lobte. Seine am Ende der Abschlusskundgebung gehaltene langatmige und akademisch verbrämte Hauptrede brach Nobile ab, nachdem ihm klar geworden war, dass kaum eine/r der Anwesenden dieser folgen wollte oder konnte.

Den vom aktionsorientierten Teil des Publikums gewünschten Ton deutlich besser traf die ehemalige Funktionärin der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) und heutige Beisitzerin im „pro NRW“-Parteivorstand, Melanie Dittmer aus Bornheim (Rhein-Sieg-Kreis). Dabei sollte die Pressesprecherin von „PegiD NRW – Patriotische Europäer gegen Islamisierung Deutschlands“ eigentlich nur eine bevorstehende Aktion der Bonner BOGIDA ankündigen, ließ es sich dabei aber nicht nehmen, das Märchen von einer angeblich bis zu den Spartanern zurückreichenden historischen Dimension der „ahu“-Laute zu erzählen und zudem kräftig über die „Mainstream-Medien“ zu schimpfen, was vom Publikum mit Parolen wie „Deutsche Presse – auf die Fresse“ honoriert wurde. Beim Thema Presse waren sich alle TeilnehmerInnen – von AfD-, „pro NRW“-, REP-, „Die Freiheit“-, NPD- und „Die Rechte“-ParteigängerInnen über „Identitäre“ und „German Defence League“-AnhängerInnen bis hin zu rechten Hooligans und ihr „Abendland“ verteidigende, antimuslimisch orientierte „Normalbürger“ einig: „Die Presse lügt“.

Einschätzung und Ausblick

Es wäre verkürzt, die erste DÜGIDA-Aktion als Misserfolg zu bezeichnen, entscheidend wird sein, ob am 12. Januar daran angeknüpft und die TeilnehmerInnenzahl erhöht werden kann. In Internetforen zeigten sich nicht wenige PEGIDA-AnhängerInnen erbost darüber, dass – so DÜGIDA – „aufgrund der geringen Entfernung der Städte, und dem Punkt, dass wir hier in NRW auf noch mehr Gegenwehr stoßen werden“ nicht jeden Montag in der Landeshauptstadt demonstriert und stattdessen ein wöchentliches Städtehopping vorgezogen wird. Zuvor waren für Düsseldorf wöchentliche „Abendspaziergänge im Sinne der Dresdner Montagsdemos“ angekündigt worden. Inzwischen steht zu vermuten, dass sich die fragmentierte PEGIDA-Truppe in NRW dazu durchringen könnte, im wöchentlichen Wechsel in Köln und Düsseldorf auflaufen zu wollen. „KÖGIDA“ – auch eine schöne Abkürzung – aus (Überraschung!:) Köln hat angekündigt, dieses Bäumchen-Wechsel-Dich-Event zu etablieren. Bestätigt ist diese stramm-durchorganisierte (Achtung: Ironie!) Planung jedoch für die Düsseldorfer Seite der AbendlandretterInnen noch nicht. So wird es vorerst spannend bleiben, ob soviel Einigkeit besteht, diese ausgefuchste Pendel-Taktik auch realisieren zu können. Denn nicht zuletzt scheinen sich auch zwischen den OrganisatorInnen der „Spaziergänge“ Spannungen abzuzeichnen. „Pro NRW“-ParteifunktionärInnen – nehmen immer stärker Einfluss auf die Gestaltung der Veranstaltungen. In Bonn ist BOGIDA fest in „pro NRW“-Hand, in Düsseldorf scheint das Thema gerade ausgefochten zu werden. Man sei doch, so Alexander Heumann, der immer mal wieder erfolglos für AfD-Parteiämter kandidiert, am 14. Dezember, „unter der Devise eingestiegen: überparteilich – keine Parteifunktionäre etc.“. Und weiter: „Darüber, ob und gfs. welche Parteifunktionäre hier in DÜSSELDORF reden, wo Angela und ich hier unser verdammtes Leben und ALLES aufs Spiel setzen [...], verlangen Angela und ich ein Mitspracherecht! […] Alles, was hier in DÜSSELDORF abgeht, fällt in erster Linie UNS auf die Füße. […] Wir sind niemandes Angestellte, die selbst bei der Auswahl eines Liedes Kadergehorsam zeigen müssen, sonst bin ich draußen!!!“ Die Aktion am 12. Januar hat nach Recherchen der BILD Angela Heumann angemeldet. Man darf also gespannt sein, ob sich die Heumanns durchsetzen können. Wenn nicht, dürfte das zwar inhaltlich nur einen marginalen Unterschied ausmachen, könnte sich aber auf die Mobilisierungsfähigkeit von DÜGIDA auswirken – und auf das weitere Mitwirken der bereits angeschlagenen Heumanns, die eigenen Angaben zufolge „nur noch mithilfe einer Security-Fa. zurechtkommen“.

Kein Platz für RassistInnen

Wie schon am 8. Dezember wird sich das DÜGIDA-Stelldichein nicht in aller Beschaulichkeit und ‚patriotischer‘ Würde durchziehen lassen – so viel ist klar. Bereits Anfang Dezember hatten über 1.000 Menschen dem kläglichen kleinen Haufen um Dittmer, Nobile, „Hänsel und Gretel“ Heumann und Co. ihre lautstarken Stimmen entgegengesetzt. Dabei gingen Menschen aus den unterschiedlich­sten Spektren rund um den Düsseldorfer Landtag zusammen auf die Straße.

Der „Düsseldorfer Appell“ hatte zum Johannes-Rau-Platz eingeladen. Seinem Aufruf „Düsseldorf braucht kein DÜGIDA“ hatten sich neben Kirchen, Gewerkschaften, MigrantInnen-Vereinen und interkulturellen Organisationen auch die Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen, die Piratenpartei und – nach anfänglichem Zögern und unter dem Druck der Medien – auch die Düsseldorfer CDU angeschlossen (die WZ hatte darüber berichtet, dass Düsseldorfs CDU-Parteichef Thomas Jarzombek zunächst keine Notwendigkeit gesehen habe, sich dem Aufruf anzuschließen, da „die angegebenen Ziele der Dügida […] auf dem Boden der Verfassung“ stünden). Sogar OB Thomas Geisel hielt eine „berechenbare ‚Düsseldorf ist bunt‘-Rede“ (Ruhrbarone-Blog vom 9.12.2014). Den Wortbeiträgen der lokalen Politik-, Kirchen- und Gewerkschaftsgrößen folgte indes leider kein weiterer Ausdruck des Protestes. Kaum dass die DÜGIDA-PatriotInnen-Hanswursts mit ihrem „Spaziergang“ begonnen hatten, packten die OrganisatorInnen rund um den „Düsseldorfer Appell“ schon ihre Klamotten ein. Etliche der Versammelten nahmen diesen Ausdruck des „Auftritt erledigt, Zeichen gesetzt“ zum Anlass, den zugigen Johannes-Rau-Platz ebenfalls in Richtung wohlig warmem Wohnzimmer zu verlassen. Schade.

Viele schlossen sich aber den Protesten und Gegenaktionen an, die bereits seit einigen Stunden rund um die angemeldete Kundgebung der Düsseldorfer Geflüchteten-Initiative Stay! und der VVN-BdA die DÜGIDA-Kundgebung und -Prozession störten. Eine Blockade der Straßenbahntrasse hatte schon vor deren kleckernden Auftakt die ‚PatriotInnen‘-Veranstaltung empfindlich gestört, viele der RassistInnen im bürgerlichen Schafspelz hatten Schwierigkeiten, sich pünktlich auf der matschigen Landtagswiese einzufinden. Zusammen etwa 1.500 Protestierende – auch hier wiederum aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen – schlugen richtig Krach und störten die ‚deutsche Ordnung‘ der DÜGIDA-Veranstaltung durch lautstarke Proteste. Dem Aufruf „Gegen Rechtspopulismus, Neonazismus und rassistische Hetze“ hatten sich insgesamt 22 linke Gruppen, Parteien und Initiativen angeschlossen, darunter Antifa-Gruppen, Linkspartei, das Hochschulpolitikreferat des AStA der Heinrich-Heine-Universität, SJD, Die Falken, der Verein Türkeizentrum e. V. u.v.m. Ihr Protest machte die Veranstaltung von DÜGIDA zu einem angemessen kartoffel-bräsig, doofen Event, der für die DÜGIDA-Verantwortlichen und –AnhängerInnen nur mit der rhetorischen Brechstange in einen ‚Erfolg‘ umzumünzen war.

Es ist gut, dass am 8. Dezember so viele Menschen gemeinsam auf der Straße waren, um zu zeigen, dass weder hier noch sonstwo Platz für Rassismus, Chauvinismus und extrem rechte Hetze ist. Auch für den 12. Januar 2015 wird das wieder gelingen. Dann wird DÜGIDA es nochmals schwerer haben, sich gegen die Breitseite von antifaschistischen und bürgerlichen Protesten gegen deren ebenso hirnrissiges wie schlecht mimikriertes rassistisches „Abendland-Rettertum“ zu stellen oder auch nur halbwegs an Boden zu gewinnen. Der Düsseldorfer Appell wiederholt seinen Aufruf zum Johannes-Rau-Platz und hat als prominenten Redner sogar – nach aktuellem Stand – Campino von den „Toten Hosen“ gewinnen können (whooohoo! – nicht schlecht). Rund um den Landtag wird es aber noch diverse Kundgebungen und Aktionen mehr geben, die dafür sorgen werden, dass die Luft für DÜGIDA dünn und die Räume für ihre engstirnige Hass- und Hetzpropaganda und piefig-geifernde Performance eng werden. Um 17.30 Uhr wird es hierzu eine Auftaktkundgebung am Platz vor dem WDR, Stromstraße 24 geben. Kommt alle zum WDR – fühlt Euch eingeladen, Euch hier den Protesten gegen die rassistischen HetzerInnen von DÜGIDA anzuschließen.

WIR SIND HIER und WIR SIND LAUT – Alerta! Kein Fußbreit den FaschistInnen!
Wir rufen: NO BORDER, NO NATION! Refugees welcome!

Kommt alle am

12. Januar 2015 zur Kundgebung und den Protesten – Auftakt am Platz vor dem WDR, Stromstraße 24, Beginn 17.30 Uhr!

Zur Vorbereitung wird es Mittwoch, den 7. Januar 2015 eine Info-Veranstaltung geben:
Im Linken Zentrum Hinterhof, Corneliusstraße 108, offen ab 19 Uhr, Beginn 20 Uhr

Nähere Infos und Updates zu Veranstaltungen und Protesten unter:
http://afaarea.blogsport.de/ (Antifa-Infoportal Düsseldorf)