Der große Vorsitzende in Düsseldorf Vol. X

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die Terz einige Gruppen und Aktionen vor. Nachdem wir uns im letzten Artikel der Serie der Schüler*innenbewegung von 1969 bis 1974 widmeten, geht es heute um spanische Antifaschist*nnen in Düsseldorf. Solidarität mit spanischen Antifaschist*innen

Bei der „Klöckner-Vereinigte Drahtindustrie“ in der Kiefern-, Fichten- und Pinienstraße in Flingern-Süd waren in den 1960er und 1970er Jahren vor allem sogenannte Gastarbeiter*innen beschäftigt (TERZ 01.17). Unter ihnen befanden sich viele Arbeiter aus Spanien. Die KPD berichtete insbesondere 1971 und 1972 mehrfach über die Zustände in Spanien, das erst 1975 seinen Demokratisierungsprozess nach der franquistischen Diktatur einleitete. Am 16. Februar 1974 mobilisierten KPD, KPD/Marxisten-Leninisten (ML) sowie örtliche ML-Zirkel zu einer (vermutlich landesweiten) Demonstration in Düsseldorf. Mit der Demonstration brachten sie ihren Protest gegen das Todesurteil für den katalanischen Anarchisten Salvador Puig Antich zum Ausdruck. Salvador, dessen Leben übrigens 2005 mit Daniel Brühl verfilmt wurde, wurde der Tod eines spanischen Polizisten angelastet, der 1973 bei einem Schusswechsel in Barcelona ums Leben kam.

Obwohl es keine eindeutigen Beweise dafür gab, dass Salvador den Polizisten erschossen hatte, gehörte er zusammen mit einem weiteren Leidensgenossen zu den beiden letzten Menschen in Spanien, die mit der Garrotte (Würgschraube) hingerichtet wurden. Am 2. März 1974 starben sie. Wenige Tage später, am 4. März 1974, versuchten drei spanische Arbeiter der „Frente Antifascista y Patriota (FRAP)“, einen Brandanschlag auf ein spanisches Reisebüro in Düsseldorf zu verüben – so die Anklage, die während des Prozesses vier Monate später keine stichhaltigen Beweise liefern konnte und im Verdacht stand, allein die Gesinnung der drei Spanier bestrafen zu wollen. Ihre Freund*innen von der KPD und der KPD/ML sowie der Deutsch-Spanischen Freundschaftsgesellschaft (DSFG), die es damals offenbar in Düsseldorf gab, protestierten gegen ihre Inhaftierung, unter anderem am 30. März mit einer Demonstration am Schadowplatz. Der Prozess gegen die drei endete am 23. Juli 1974 mit einem Urteil zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Am 9. November 1974 demonstrierten dann die Freund*innen der KPD und der KPD/ML erneut in Sachen Spanien-Solidarität, dieses Mal, um ihre Unterstützung der Streikbewegung in Spanien auszudrücken. Im Juni 1975 fand in Düsseldorf dann eine Demonstration für Eva (Genoveva) Forest und andere Festgenommene statt, die dem Anschein nach vor Spanier*innen und anarchistische sowie trotzkistische Gruppen durchgeführt haben. Eva Forest war ein Jahr zuvor wegen ihres Widerstands gegen das Franco-Regime verhaftet und gefoltert worden. Sie wurde erst im Frühjahr 1977 freigelassen.

Im Zuge des Aufschwungs der Kämpfe in Spanien organisierte die FRAP am 25. Oktober 1975, einen Monat vor dem Tod Francos und dem Beginn des Übergangs in die parlamentarische Monarchie Spaniens, wieder eine Großveranstaltung in Düsseldorf. In dieser Zeit existierte offenbar – zumindest kurzeitig – ebenfalls ein Spanien-Komitee in der Stadt.

Der Originalartikel liegt auf: https://www.mao-projekt.de/BRD/NRW/DUE/Duesseldorf_Spanien.shtml

Das MAO-Projekt

Das Projekt „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO) wurde von Dietmar Kesten und Jürgen Schröder ins Leben gerufen. Seit über 30 Jahren widmen sie sich, unter Mitarbeit von Dieter Osterloh, der Geschichte der radikalen Linken und der sozialen Bewegungen der Bundesrepublik Deutschland. So ist eine riesige, für die Nutzer*innen kostenfreie Datenbank entstanden, in der Scans von – oft raren – Originaldokumenten und ihre Auswertungen abgerufen werden können. Derzeit umfassen die Texte ca. 300 MB in 16.795 Dateien, und es wurden ca. 216.000 Scans veröffentlicht.

Beim Surfen vorbeischauen unter:
http://mao-projekt.de