liebling, ich habe die off-kultur geschrumpft

Am 15. März verkündete die „Brause“ die bittere Nachricht: im Herbst 2020 müssen sie einem Bauvorhaben weichen. Das ganze Grundstück an der Bilker Allee 233 wird, oh Wunder, neu bebaut. Das „Vereinsheim des Metzgerei Schnitzel e.V.“ und das „Kucheneck“, davor eine kleine Freifläche zum Abhängen, Menschen, die sich draußen treffen (draußen! in der Öffentlichkeit!) - das ist wohl zuviel des Guten. Nach dem Ende des „damenundherren“ (Terz 02.17) schrumpft die selbstgemachte Kleinkunst und -kultur in Bilk/Friedrichstadt also munter weiter. Zwar werden die Brauserieros und Brauserieras in den verbleibenden zwei Jahren überlegen, ob und wie es weitergehen kann (und bis dahin sowieso, vielleicht sogar umso mehr ihre Veranstaltungen zelebrieren). Aber eines steht fest: eine so charmante Location wie rund um die alte Tankstelle, mitten im Viertel, wird es wohl nicht mehr geben. Diese wird einem Neubauklotz weichen, der die Häuserschlucht erweitert und die Schatten größer werden lässt. P.S.: Die Grundstückspreise für bebaute und unbebaute Flächen sind in 2017 übrigens ziemlich gestiegen, der Umsatz des Düsseldorfer Grundstückmarktes stieg um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

erstligist düsseldorf

Auf der Immobilienmesse in Cannes stellte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) Mitte März die neuen Bauprojekte Düsseldorfs vor, die auch die sogenannte „Kulturachse“ betreffen: die großen Kunsteinrichtungen im Zentrum sollen besser miteinander verbunden werden, ein „urbaner Grüngürtel“ (übersetzt bedeutet das: die ohnehin bestehende Rheinuferpromenade und der Hofgarten) sollen das Ganze umfassen. Kann man machen. Zahlreiche Pläne gibt es auch für neue Gebäude im Medienhafen, Büros natürlich und rund 25 neue Hotels, die bis 2022 entstehen sollen. Am Höherweg soll gar ein „Carloft-Hotel“ entstehen. Das sei nachhaltig, weil da z.B. auch Aufladestationen für E-Autos mitgedacht seien. Und super in Sachen „Hospitality“, da sich so halt das Auto UND sein Inhalt sehr sicher gleich in Reichweite der Gäste befinden, heißt es in der Projektbeschreibung. Geisel betonte in seiner Präsentation in Cannes, dass Düsseldorf ein „dynamisches“ Ziel für Investor*innen, aber nicht nur für diese sei. Was heißt dynamisch bezogen auf eine Stadt? Vielleicht, dass Investor*innen und Gäste kommen und gehen? Und dass, wenn die Investor*innen fertig sind mit dem ganzen Investieren und die Hotelgäste abgereist sind, es denen voll egal ist, ob es zu wenige und zu teure Wohnungen für diejenigen gibt, die in der Stadt leben (Terz 03.18)? Düsseldorf wird anscheinend immer stärker als Marke und nicht als Lebensraum verstanden. Von Seiten der Stadt heißt es denn auch triumphierend: „65 Prozent der Investoren stammen aus dem Ausland, ein Beweis dafür, dass Düsseldorf in der ersten Liga spielt, wenn internationale Investoren renditestarke Anlageobjekte suchen“. Der neue „Claim“ der Stadt, „Nähe trifft Freiheit“ (Terz 01.18), ist wahrscheinlich ironisch gemeint und keine*r hat’s gemerkt.

unsere antwort: widerstand! – internationaler frauenkampftag 2018

Es war die größte Demonstration zum Internationalen Frauenkampftag seit langem in Düsseldorf. Mehr als 1.500 Menschen, die überwiegende Anzahl Frauen, demonstrierten am Samstag, den 10. März durch Düsseldorfs Innenstadt. Ein Bündnis ganz unterschiedlicher Organisationen und Einzelpersonen hatte seit November letzten Jahres die Demonstration vorbereitet. Eine Vielzahl von Themen kamen in Sprechchören, Reden und auf Transparenten zur Sprache. Oft wurde gerade die aktuelle #meToo Kampagne aufgegriffen, die leider eigentlich seit Jahren aktuell ist. Denn der gewalttätigste Mann in Deutschland ist weiß, deutsch und meistens ein Familienangehöriger oder aus dem Freundeskreis. So war auch Rassismus, aber auch Sexismaus, gleiche Bezahlung, Transgender, der aktuelle Rechtsruck und sexuelle Gewalt ein Thema. Ein großer Block bestand – vor allem – aus kurdischen Frauen. In der kurdischen Community ist der 8. März von jeher von großer Bedeutung und wird dementsprechend begangen. Thematisiert wurde von ihnen jedoch auch der Krieg der türkischen Armee gegen das syrische Afrin. Das gefiel jedoch nicht jeder, wie vereinzelte Kommentare auf facebook zeigten. Daraufhin bezogen die Organisator*innen im Nachhinein noch einmal klar Stellung und wiesen die Kritik zurück: „Unser Frauenkampftag ist international! Deswegen werden wir keine Scheuklappen auflegen, wenn die Idee einer geschlechterbefreiten Gesellschaft am Rande Europas attackiert wird, sondern wir werden solidarisch sein. Deshalb unterstützen wir den Kampf der kurdischen Frauenbewegung in Deutschland und überall, für den Frieden in Rojava.“
Das „Bündnis zum Internationalen Frauenkampftag NRW“ will auch weiterhin Aktionen organisieren und sich einmischen und nächstes Jahr wieder eine große Demo zum internationalen Frauenkampftag organisieren.

„keine kanackenjäger“ - rasssistische ausfälle bei der essener tafel

Seit Januar 2018 werden bei der Essener Tafel nur noch Neukund*innen mit deutschem Pass aufgenommen. Als Begründung führt der Vorsitzende Jörg Sator an, dass sich „die deutsche Oma“ und alleinerziehende Mütter nicht mehr zur Ausgabestelle getraut hätten, nachdem sie zuvor von jungen Geflüchteten abgedrängelt worden seien. Bundesweit hagelte es massive Kritik am Vorgehen der Essener Tafel, Wohlfahrtsverbände, Geflüchteten-Initiativen und der Dachverband der Tafeln in Deutschland verurteilten die Entscheidung Sartors. Doch anstatt einzulenken, legte Sator mit seiner rassistischen Hetze nach, sprach von einem „Nehmer-Gen“ bei bestimmten Gruppen von Geflüchteten und erntete dafür logischerweise Beifall aus der extrem rechten Ecke.
Damit offenbarte Jörg Sator seine ideologischen Ansichten erneut, und auch Menschen, die bisher in der Öffentlichkeit in den Schutz nahmen, distanzierten sich von ihm. Und das setzte ihm offenbar zu, denn kurz darauf ließ er verlauten, dass sein Team und er schließlich keine „Kanacken-Jäger“ seien.
Seither ist eine Debatte um eine völlig verfehlte Sozialpolitik, unzureichende Existenzsicherung und Armut durch Hartz IV entstanden. Sahra Wagenknecht ließ die Chance nicht ungenutzt, erneut zu spalten. Während sie mit allgemeinen Phrasen völlig korrekt die Sozialraubpolitik der vorherigen und amtierenden Regierungen kritisierte, weigerte sie sich auch auf Nachfragen des Deutschlandfunks, das Agieren von Sator zu kritisieren. Sie nutzte vielmehr die Gelegenheit, um das geltende Parteiprogramm der Linkspartei zu diffamieren, weil der „ganz normale und vernünftige Menschenverstand“ sie erkennen ließe, dass das reiche Deutschland keine Kapazitäten habe, um Geflüchtete aufzunehmen und zu integrieren. Wagenknecht spielt ebenfalls die derzeit hier lebenden Menschen gegen die zuwandernden Menschen aus, anstelle einen solidarischen Kampf für ein gutes Leben aller zu propagieren und zu organisieren.
Niemand leugnet den zunehmenden Konkurrenzkampf, die steigende Armut und die daraus resultierenden Existenzängste und Konflikte. Diese sind jedoch von keiner eingetragenen Nationalität in einem Ausweisdokument abhängig, sondern die Folge dieser politisch gewollten Verschärfungen. Niemand ist aufgrund seines sozialen Status ein besserer oder schlechterer Mensch, der sich entsprechend immer gut oder schlecht benimmt.
Die Vorsitzende der Düsseldorfer Tafel, hat treffend gesagt: „Die Frage ist doch: wer kann sich benehmen und wer nicht. Und zum Beispiel nicht: wer ist deutsch und wer nicht.“ In einer Zeit des neuerlichen Rechtsrucks in der Gesellschaft brauchen wir Solidarität, einen Schulterschluss gegen Rassismus und einen gemeinsamen Kampf für ein gutes Leben für alle.

Gegen Naziaufmarsch in Dortmund – für ein solidarisches Europa

Für den 14. April 2018 mobilisieren Dortmunder Nazis der Partei „Die Rechte“ europaweit zu einer Demonstration nach Dortmund – diesmal im Verbund mit anderen europäischen Nazis unter einem Motto, das starke Anklänge an den Nationalsozialismus hat („Europa Erwache!“). In vielen Teilen Europas sind rechte Bewegungen und Parteien auf dem Vormarsch. Anknüpfend an diese Stimmung versuchen nun auch die Dortmunder Nazis, sich mit einem neuen Format zu etablieren bzw. ihre Position in der europäischen extremen Rechten zu festigen. Dies gilt es zu verhindern!
Stellen wir uns dem Rechtsruck in Europa und am 14. April ganz konkret dem Naziaufmarsch in Dortmund entgegen. Zeigen wir den Nazis, dass wir ein offenes, solidarisches und soziales Europa und keine nationalistische Beschränktheit wollen! Zeigen wir ihnen, dass wir uns gegen jegliche rechte Hetze und Ausgrenzung stellen! Gemeinsam gegen Nazis. Das BlockaDo-Bündnis ist solidarisch mit allen, die an diesem Tag etwas gegen den Naziaufmarsch machen wollen. Die Vielfalt des Widerstands ist unsere Stärke, denn es ist unerträglich, dass Nazis versuchen, alljährlich in Dortmund ein neues Aufmarsch-Format zu etablieren und seit Monaten dafür werben in menschenverachtender und NS-glorifizierender Weise.
Siehe auch Terminhinweise TERZ Seite 19.
Sa., 14.04., Dortmund – aktuelle Infos unter: http://blockado.info

Verfahren gegen DSSQ-Aktivisten wegen Aurruf zur Sitzblockade eingestellt

Am 09.03.2018 hat das Landgericht Düsseldorf wenige Minuten nach Prozessbeginn das Berufungsverfahren der „Düsseldorf stellt sich quer“-Aktivisten Torsten Nagel und Mischa Aschmoneit gegen Zahlung von insgesamt 600 Euro zugunsten der Flüchtlingsinitiative „STAY“ eingestellt. Im Verfahren ging es um den Aufruf zu einer Sitzblockade gegen einen Aufmarsch der extrem rechten Partei „Die Republikaner“. Mit der Einstellung kassierte das Landesgericht ein Urteil der Düsseldorfer Amtsrichterin Boriss, die Nagel und Aschmoneit in erster Instanz zur Zahlung von 8.800 Euro verurteilt hatte. (TERZ 03/2018). Bundes- und Landtagsabgeordnete wie auch Mitglieder des Stadtrates hatten sich im Vorfeld des Prozesses solidarisch mit den Angeklagten erklärt und in Sitzblockaden ein legitimes Mittel des Protestes gegen die extreme Rechte gesehen. Dass es überhaupt zu diesen Verfahren gekommen ist, hält das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“ (DSSQ) weiterhin für einen Skandal. Gerade in Zeiten des Rechtsrucks, meinen Aktivist*innen des Bündnisses, sind mutige Aktionen gegen Rechtsradikale notwendiger denn je. Das Verfahren gegen Torsten und Mischa war lediglich eines von insgesamt drei Verfahren gegen DSSQ in diesem Jahr. Sollte die Staatsanwaltschaft das Ziel gehabt haben DSSQ als Ganzes gezielt zu kriminalisieren oder ihre Aktionsformen durch Strafverfahren in Gänze zu unterbinden, dann ist dieses Vorhaben gescheitert. Die Staatsanwaltschaft verlangte zunächst 10.500 Euro von Mischa und Torsten sowie 2.500 Euro von Johannes, dessen Verfahren bereits im Februar eingestellt wurde. In beiden Fällen zahlte sich der Protest gegen die Strafverfolgung letztlich aus. Die Aktionsformen bleiben weiterhin ungestraft - schließlich ist es in beiden Fällen nicht zu einer Verurteilung gekommen. Auch die Geldbußen fallen deutlich niedriger aus, als es die Staatsanwaltschaft zunächst gewünscht hatte. Die Einstellung des Verfahrens von Mischa und Torsten vor dem Landgericht ist auch eine schallende Ohrfeige für Amtsrichterin Boriss, die am 2. Mai erneut den Prozess von DSSQ-Aktivist Kaspar Michels führen wird. Währenddessen erklärt das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“, dass es an der Aktionsform des zivilen Ungehorsams weiter festhalten und alle Aktivist*innen, die von Kriminalisierungen betroffen sind, unterstützen wird.

Solikonzert für Rock gegen Rechts Düsseldorf e. V.

Erst in Dortmund gegen die Nazis demonstrieren und danach im Pitcher rumrockern. Damit auch 2018 ein starkes Festival gegen Rechts in Düsseldorf stattfinden kann, haben sich die Livemusik Kneipe Pitcher, The John Porno Punk Explosion und Vanbargen zusammengetan um den Verein „Rock gegen Rechts Düsseldorf e. V.” zu unterstützen.
Nachdem 2017 über 3.000 Gäste das Festival besucht haben, kam bei den Organisator*innen die Frage auf, wie das Open Air im Volksgarten attraktiver gestalten werden kann. Es sind Ideen entstanden die zur Umsetzung ein gewisses Budget bedingen. Nach Gesprächen mit Andreas Kalus vom Pitcher, kam von ihm die Idee eine Soli Show zu machen. Andreas kam direkt auf JPPX und Vanbargen, die wir fragen könnten, ob sie auftreten würden. Die Antwort von beiden Bands war sofort Ja, machen wir. The John Porno Punk Explosion aus Düsseldorf ist die etwas andere Punkrock-Coverband: „Uns war von Anfang Authentizität wichtig. Dazu gehört auch, in den richtigen Clubs die richtigen Lieder zu spielen. Viele der Songs die wir spielen begleiten uns schon seit Jahrzehnten. Und das, was wir singen, meinen wir auch so. Für uns steht im Vordergrund, den Menschen, die unsere Konzerte besuchen, eine gute Zeit zu bieten. Zwei Stunden Vollgas, zwei Stunden den Alltag vergessen. Normalerweise nehmen wir uns selbst nicht allzu ernst, aber dieses Thema liegt uns am Herzen: Ausgrenzung, Hass und Rassismus haben auf unseren Konzerten nichts zu suchen! Punkrock mit Herz und Haltung – das ist unser Ding.“ Die Eintrittsgelder gehen komplett an Rock gegen Rechts.
Sa., 14.04., Pitcher, Oberbilker Allee 29, 20h
Und am 4. August ab 15h startet das diesjährige Rock gegen Rechts Festival auf der Ballonwiese im Volksgarten