Proteste gegen Baysanto in Bonn und Düsseldorf

Endrunde im Agro-Monopoly

Immer mehr Wettbewerbsbehörden segnen die vom Bayer-Konzern geplante Übernahme von Monsanto ab. Da kann nur noch ein „Befehl von ganz unten“ helfen. Dieser ertönt in diesem Monat zur Sicherheit gleich zweifach. Am 19. Mai findet in Düsseldorf der „March against Monsanto, Bayer, BASF & Co.“ statt, und am 25. Mai organisiert die „Coordination gegen BAYER-­Gefahren“ in Bonn auf der Bayer-Hauptversammlung die Proteste gegen den Mega-Deal.

Im letzten Monat signalisierten auch die Behörden der USA ihre grundsätzliche Bereitschaft, die Übernahme Monsantos durch den Bayer-Konzern zu genehmigen. Zuvor schon hatten die EU, Brasilien, China und rund ein Dutzend weitere Nationen ihre Zustimmung erteilt. Die Fusion von Dow und Dupont und ChemChinas Syngenta-Kauf hatten die Kartell-Wächter*innen zuvor schon durchgewinkt. Ganz gleich, ob es sich um kommunistisch regierte Länder, liberale oder illiberale Demokratien handelt – bis jetzt hat es kein Staat gewagt, die Pläne der mächtigen Agro-Unternehmen zur ökonomischen Neuordnung der Welternährung zu durchkreuzen.

Ohne Druck von unten geht da deshalb nichts. Und den wird es in diesem Monat nicht zu knapp geben. Der Düsseldorfer Ableger des weltweit stattfindenden „March against Monsanto“, der sich aus gegebenem Anlass in „March against Monsanto, Bayer & BASF“ umbenannt hat, setzt sich dieses Mal am 19. Mai vom Graf-Adolf-Platz aus in Bewegung. „Mega-Konzerne werden über 60 Prozent des Saatgut- und Pestizidmarktes kontrollieren. Die Digitalisierung der Landwirtschaft ermöglicht ihnen auch die Kontrolle von immer mehr landwirtschaftlichen Daten. Sie arbeiten an neuen Formen der Gentechnik, die bisher ohne Kennzeichnung bleibt. All das ist möglich, da die Konzerne durch ihre Finanz-Macht großen Einfluss auf die Regierungen haben“, konstatieren die Initiator*innen und machen sich für Alternativen stark. Unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich – eine andere Landwirtschaft ist nötig“ rufen sie dazu auf, sich an dem March zu beteiligen.

Sechs Tage später, am 25. Mai, lädt Bayer nach Bonn zur Hauptversammlung ein. Seit 1983 lädt die in Düsseldorf ansässige „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ (CBG) sich selbst und andere Gruppen mit dazu ein, um die Profit-Party ein wenig zu stören.

Im letzten Jahr kamen rund 300 Aktivist*innen vor dem „World Conference Center“ zusammen und verwandelten den „Platz der Vereinten Nationen“ zu einer bunten Bühne der Konzern-Kritik, die später im Saal ihre Fortführung fand. 26 Aktivist*innen von Umweltschutz-Gruppen, entwicklungspolitischen Initiativen, alternativen Landwirtschaftsverbänden und anderen Organisationen konfrontierten Vorstand und Aufsichtsrat mit Gegen-Reden zur avisierten Monsanto-Übernahme, zu gesundheitsgefährdenden Pestiziden, den Risiken und Nebenwirkungen von Bayer-Pillen und zu anderen Themen.

Wie 2017 steht auch dieses Mal wieder der Monsanto-Deal im Mittelpunkt der Proteste. Könnte der Leverkusener Multi ihn abschließen, setzte er sich an die Spitze des von vier Konzernen gebildeten Oligopols, welches das globale Agrar-Geschäft unter sich aufgeteilt hat. Die Auflagen, welche die Wettbewerbsbehörden Bayer bisher zum Verkauf bestimmter Unternehmensteile gemacht haben, ändern an dieser ökonomischen Dominanz kaum etwas. Rund zehn Milliarden Dollar Umsatz trennen Bayer/Monsanto von Syngenta/ChemChina und Dow/Dupont. Zum Vierten im Bunde, der BASF, beträgt der Abstand sogar schon ca. fünfzehn Milliarden Dollar.

Bei den Genpflanzen käme Baysanto auf einen Markt-Anteil von 90 Prozent, beim konventionellen Saatgut betrüge dieser rund 30 Prozent. Im Pestizid-Bereich sicherten Glyphosat & Co. dem vergrößerten Konzern über 20 Prozent des Kuchens. Und für entsprechenden Nachschub durch neue Produkte wäre auch gesorgt: Bayer und Monsanto halten zusammen ein Viertel aller Patente im Agrar-Segment.

Dominierende Stellung

Diese übermächtige Stellung bedroht die Landwirtschaft, da die Bauern und Bäuerinnen mit höheren Preisen rechnen müssen und überdies weniger Auswahl hätten. Gleiches gilt in der Folge für die Verbraucher*innen. Die Beschäftigten sehen sich indes der Gefahr von Arbeitsplatz-Vernichtungen gegenüber, denn die bei solchen Gelegenheiten immer viel beschworenen Synergie-Effekte ergeben sich vor allem durch Stellen-Streichungen. Den Standort-Städten schließlich stehen finanzielle Einbußen ins Haus, pflegt doch Bayer seine Shopping-Touren immer von der Unternehmenssteuer abzusetzen.

Aus all diesen Gründen tut die „Coordination gegen BAYER-Gefahren“ seit dem Bekanntwerden der Bayer-Pläne im Jahr 2016 alles, um die Transaktion zu verhindern. „Auch nach der Zustimmung der EU, Brasiliens und der USA muss der Widerstand gegen diese Übernahme weitergehen“, heißt es in dem CBG-Aufruf zu den Aktionen rund um die Hauptversammlung.

Im letzten Jahr hatte der Konzern versucht, sich die Proteste durch ein riesiges Zelt und andere Maßnahmen möglichst weit vom Leibe zu halten und dabei auf eine angebliche Terror-Gefahr verwiesen. Die Coordination musste sich in aufwendigen Schnellverfahren näher an das „World Congress Center“ heran klagen. Ein Abschreckungseffekt hatte das für die Initiative aber nicht. „Wir werden Bayer am 25. Mai wieder eindrucksvoll vor Augen führen, dass die Mehrheit der Menschen den Zugriff der Agro-Multis auf die Welternährung nicht akzeptiert“, so CBG-Geschäftsführer Jens Wegener.

Jan


March against Monsanto, Bayer & BASF
19. Mai, Graf-Adolf-Platz
11h Markt der Möglichkeiten und Ansprachen
13h Beginn des Marches

Aktionen zur Bayer-Hauptversammlung
Bonn, 25 Mai, ab 7h auf dem „Platz der Vereinten Nationen“