Dieser Leserbrief bezieht sich natürlich auf der Rheinmetall-Artikel der letzten Ausgabe: 04.18

Hallo zusammen,

ich finde es richtig und wichtig, dass Ihr erneut über die Machenschaften von Rheinmetall berichtet. Dass ein deutsches Unternehmen ungestört und von der Politik unterstützt Autokraten aufrüstet, damit diese dann völkerrechtswidrig andere Länder überfallen, ist ein handfester Skandal.

Manchmal frage ich mich aber, was all diese vielen Berichte denn bringen, wenn sich ohnehin nichts ändert, weil niemand etwas dagegen tut. Rheinmetall selbst wird nichts ändern, denn man verdient ja prächtig. Die Autokraten und Diktatoren dieser Welt werden auch nicht plötzlich woanders ihre Waffen kaufen, denn die setzen auf Qualität Made in Germany. Und die deutsche Politik wird auch nicht plötzlich einen Riegel vorschieben, denn die ist viel zu wirtschaftsfreundlich, weil zu eng mit den großen Konzernen in gegenseitiger Abhängigkeit verbunden.

Bleiben also wir, die Bürger. Und wie Ihr richtig herausstellt, hat das alles in besonderem Maße auch mit Düsseldorf zu tun. Denn nicht nur wir fühlen uns in unserem Düsseldorf wohl, sondern offenbar auch Rheinmetall. Sonst hätten die sich nicht noch vor kurzem eine neue Zentrale in Derendorf gebaut. Es ist nun also an den Düsseldorfern, etwas zu tun.

Wir können Rheinmetall zwar nicht mal eben daran hindern, eine Panzerfabrik in der Türkei zu bauen. Aber die Düsseldorfer können zumindest dafür sorgen, dass sich Rheinmetall nicht allzu wohl in Düsseldorf fühlt und Ressourcen noch für andere Aktivitäten aufbringen muss, als Waffen zu bauen. Hierfür gibt es viele Ansätze.

Mir ist z.,B. aufgefallen, dass Rheinmetall rund um seine Konzernzentrale rechtswidrig den öffentlichen Raum mit Kameras überwacht. Jeder Fußgänger, jeder Radfahrer, jeder Autofahrer wird davon erfasst. Dagegen lässt sich etwas tun, denn jeder und jede kann bei der Landesbeauftragten für Datenschutz (www.ldi.nrw.de) Beschwerde gegen diese Verletzung unseres Grundrechtes auf Privatsphäre einlegen. Die Landesbeauftragte muss dann die Rechtswidrigkeit untersuchen. Sie ist Politikerin, das bedeutet: Je höher die Anzahl der Beschwerden, desto wahrscheinlicher ist, dass Rheinmetall Ärger bekommt.

Es sind solche Nadelstich-Aktionen, die Rheinmetall zeigen werden, dass sie unter Beobachtung der Zivilbevölkerung stehen und dass die Bürger eben nicht alles durchgehen lassen. Darüber hinaus sind solche Dinge aber weit mehr als bloße Symbolaktionen. So hat z. B. auch der Widerstand gegen Huntingdon Life Sciences, Europas größtem Tierversuchslabor, genau so klein angefangen. Am Ende hat Huntingdon keine Leute mehr gefunden, die dort arbeiten wollten, keine Banken mehr, die ihnen ein Konto führen wollten. Der Aktienkurs fiel von knapp 300 britischen Pfund Mitte der 90er Jahre auf nur noch 3 Pence (!) in 2001.

Überlegt doch mal, ob Terz nicht auch über Rheinmetalls Überwachungsaktivitäten und die Möglichkeit der Beschwerde berichten will. Dann würden solche Artikel auch konkret etwas bringen.  (...)

Viele Grüße

S.