Der große Vorsitzende in Düsseldorf Vol. VIII

Eine Zeit lang hat der Maoismus auch in Düsseldorf getreue Anhänger*innen gefunden. In einer Serie stellt das MAO-Projekt für die Terz einige Gruppen und Aktionen vor. Nachdem wir im letzten Artikel unserer Serie die Entlassung des Roten Betriebsrats und Jugendvertreters bei Mannesmann Rath, Uwe Bräutigam, im Jahr 1975 behandelten, sollen hier seine Aktivitäten fünf Jahre vorher in Garath geschildert werden.

Mieterproteste in Garath

Dort engagierte sich die gerade gegründete Rote Garde Düsseldorf der KPD/ML, die sich dann bald in Kommunistischer Jugendverband Deutschlands (KJVD) umbenannte, im Protest gegen die Mieterhöhungen in den Wohnungen, die der evangelischen und katholischen Kirche gehörten.

Da Klagen des Mieterbunds in Düsseldorf meist erfolglos geblieben waren, wurde nun die Mietersolidarität Garath (MSG) gegründet, wobei mit einem Flugblatt unter Verantwortung von Uwe Bräutigam zu einem ersten Treffen am 11. April 1970 aufgerufen wurde, welches konspirativ am S-Bahnhof stattfinden sollte. Auch ‚Die Rote Walze‘, die Betriebszeitung der KPD/ML für die Krupp-Hüttenwerker Benrath rief in ihrer ersten Ausgabe vom April 1970 zur Unterstützung der MSG, auf und die KPD/ML meldete die Rücknahme der Mieterhöhungen, was offenbar den am 14. Juni 1970 anstehenden Landtagswahlen geschuldet war. Damit endete die Berichterstattung der KPD/ML über die Mietersolidarität, in der sich dann im Herbst 1970 auch die trotzkistische Revolutionär-Kommunistische Jugend engagierte. Sie beteiligte sich im Frühherbst 1970 auch an einem bundesweiten Treffen von Stadtteilgruppen der APO.

Anfang 1973 wird dann erneut in Garath ein Mieterkomitee namens Mietersolidarität gegründet, welches am 27. Januar 1973 eine Demonstration gegen die Mietererhöhungen organisierte. Hier engagierte sich sodann seitens der KPD zunächst deren Stadtteilkomitee Eller/Lierenfeld, dessen Tätigkeit bereits in der Terz Nr. 2/2017 geschildert wurde. Nach anfänglichen Erfolgen der Mietersolidarität Garath, die einen Mietboykott von 106 Parteien organisierte, trat die KPD dann im Mai 1973 aus dieser wieder aus, da die Mehrheit der Mitglieder offenbar eher der SPD und vor allem der DKP nahestand als den revolutionären Bestrebungen der KPD. Sie organisierte sich sodann Ende des Jahres in einem Mieterausschuß der sich der Aachener Wohnungsbaugesellschaft und vor allem den Familienhilfewohnungen in der Güstrower Straße 5, 7-11 und der Stettiner Straße 28 und 30 widmete.

Aus dem weiter bestehenden Mieterausschuss der Aachener Wohnungsbaugesellschaft heraus wurde dann im Frühjahr 1974 ein Rote-Fahne-Freundeskreis (RFFK) Garath der KPD gegründet, aus dem wiederum die Wohnbereichszelle (später Straßenzelle) Garath der KPD hervorging.

Im Rahmen der Kampagne der KPD gegen die Arbeitslosigkeit, die in der Terz Nr. 3/2017 behandelt wurde, wurde von der KPD am 8. Februar 1975 auch in Garath eine Kundgebung durchgeführt, bei der es zur Auseinandersetzungen mit der Polizei kam.

Der Originalartikel in der MAO befindet sich unter: http://www.mao-projekt.de/BRD/NRW/DUE/Duesseldorf_Benrath_Garath_Reisholz.shtml

Das MAO-Projekt

Das Projekt „Materialien zur Analyse von Opposition“ (MAO) wurde von Dietmar Kesten und Jürgen Schröder ins Leben gerufen. Seit über 30 Jahren widmen sie sich, unter Mitarbeit von Dieter Osterloh, der Geschichte der radikalen Linken und der sozialen Bewegungen der Bundesrepublik Deutschland. So ist eine riesige, für die Nutzer*innen kostenfreie Datenbank entstanden, in der Scans von – oft raren – Originaldokumenten und ihre Auswertungen abgerufen werden können. Derzeit umfassen die Texte ca. 300 MB in 16.795 Dateien, und es wurden ca. 216.000 Scans veröffentlicht.

http://mao-projekt.de