bookDie Stadt als BeuteDer Titel könnte nicht passender sein. In diesem Buch stellen die
Autoren Ronneberger, Lanz und Jahn anschaulich dar, wie und was sich in
den letzten Jahren in den Städten verändert hat. Die aktuellen
Diskussionen über Standort, Sauberkeit, subjektives Sicherheitsgefühl
usw. führen momentan aggressiv zur Vertreibung alles nicht in dieses
Bild passende. Aber dies ist nur die Oberfläche der eigentlichen
Umstrukturierungen der Städte. Die Schere zwischen Arm und Reich
weitet sich immens und die Entwicklung ist noch nicht zu Ende. Armutsinseln
ohne Ausweg sind entstanden. Die Zukunftsvisionen der Städteplaner
sehen durchaus düster aus, auch wenn sie öffentlich etwas anderes
behaupten. Mit "Null Toleranz" wird schon jetzt versucht, den
möglichen Ausbrüchen frühzeitig vorzubeugen. Die überall
aus dem Boden spriessenden runden Tische zum Thema Sicherheit sind ein
Zeichen dieser Notstandslage. Gleichzeitig werden die sozialen Ausgaben
radikal gekürzt. Auf der anderen Seite wird Geld in Massen für
zweifelhafte Prestigeobjekte ausgegeben. Show, Shopping und Image scheinen
alles zu sein, nur das ein immer kleiner werdender Teil der Bevölkerung
daran teilnehmen kann bzw. darf. Die Autoren untersuchen anhand von Beispielstädten,
wie sich bestimmte Entwicklungen in diesen abzeichneten und wo im Moment
die Entwicklung angekommen ist. Darüber hinaus wagen sie einen Ausblick
auf die Zukunft der Städte. musicZur Hölle mit den Neunzigern!Endlich ist dieses langweilige und öde Jahrzehnt vorbei. Wodurch
war es gekennzeichnet? Von dummer Blasiertheit, politischer Reaktion,
kultureller Verblödung, dem Untergang des kritischen Denkens und
und und. Von der deutschen Einheit zum Wahn der neuen Medien und Kommunikatuionsmittel,
Technostumpfsinn und richtigen Nazis und last not least die Ära Kohl.
Als ich vor 4 Wochen schrieb, daß wir noch keine italienischen Verhältnisse
haben, täuschte ich mich, wie nun immer klarer wird. So wie Andreotti
Stimmen bei der Mafia kaufte, so bezahlen diesselben Leute, die der Bevölkerung
vom Solibeitrag bis zur Zinsertragssteuer so einiges einbrockten, ihre
Wahlkämpfe aus schwarzen Kassen. So ist es kein Zufall, daß
Kohl den Freispruch Andreottis begrüssten, es sind nämlich zwei
des selben Kalibers (abgesehen von der Tatsache, daß der Italiener
natürlich gebildeter und eleganter ist). comixBulletins from SerbiaAleksander Zograf ist ein serbischer Comiczeichner, der während
der mörderischen Bombenangriffe der NATO über e-mail weltweit
Freunde über die aktuelle Lage vor Ort in Pancevo unterrichtete.
Schon länger verarbeitet er die tragischen Veränderungen in
Yugoslawien, die manchmal durchaus tragikomische Aspekte in sich bergen,
in Comics. Die ungewöhnlich ausdrucksstarken Comics haben insbesondere
in Großbritannien und den USA eine kleine feste Gemeinde gefunden.
Die gesammelten e-mails veröffentlichte vor kurzem der britische
Comicverlag Slab-o-Concrete um sie einem breiteren Publikum vorzustellen.
Die Berichte über fallende Bomben, Tote, aber auch Gedankengänge
und Gefühle des Comicautoren sind äußerst lesenswert.
Der Natokrieg wird hier noch einmal lebendig. Zum anderen gibt Zograf
einen Eindruck und Einblick in Land und Leute, der hier in den Medien
fast nie auftauchte. Zu offensichtlich wären die Lügen der Nato
erschienen. Die persönlichen Empfindungen zeigen die tragische Seite
dieses Krieges. Ein großer Teil der Bevölkerung, vor allem
der jungen, ist gegen die Greueltaten an den Kosovoalbanern und gegen
Milosovic und trotzdem werden sie zerbombt. Das Buch ist ein eindrucksvolles
Antikriegsbuch, das einmal mehr aufzeigt, das Krieg sich in erster Linie
gegen die Zivilbevölkerung richtet (Kollateralschaden heisst der
in Neusprech). Zu den Toten im Kosovo gesellten sich die Toten in Serbien.
Zograf und seine Frau Sasa schildern das Leben unter Sanktionen und geben
einen sehr intimen Einblick in ihr eigenes Leben und ihre inneren Widersprüchen.
Ein Buch, das nicht nur für Comicfans interessant ist. Leider ist
es etwas schwierig zu bekommen, wenn man sich nicht in nächster Zukunft
in einem englischsprachigen Land aufhalten sollte. Eine Möglichkeit
ist, die hiesigen Comicshops mal etwas zu nerven, ihnen sollte das Bestellen
wohl gelingen. Eine andere Möglichkeit ist die Internetadresse des
Verlages: http://www.slab-o-concrete.demon.co.uk/
oder über den Buchversand Amazon: http://www.amazon.de MEIKEL F
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