Landeshochschulgesetz beschlossen
Endlich wieder »Diktatur des Proletariats«
Am Mittwoch, den 24. Februar, beschloß der Landtag
in Düsseldorf ein neues Landeshochschulgesetz. In diesem Gesetz werden
sämtliche Entscheidungskompetenzen auf die Leitungsstrukturen verlagert.
In letzter Konsequenz heißt dies, daß zukünftig sämtliche
Entscheidungen vom Rektorat und den Dekanaten getroffen werden.
Was bedeutet dies konkret?
Entscheidungen über den Haushalt der Hochschule, Stellenstreichungen
etc. werden nicht mehr von den direkt gewählten Gremien der Hochschule
wie Senat und Fakultätsräten getroffen, sondern in einem kleinen
Kollegium. Anders gesagt, in diesem Kollegium sitzen keine VertreterInnen
anderer Gruppen als der der Professores. Klüngel war schon vorher
vorhanden, jetzt aber werden Ausdrücke wie »abgekaspert«
und »ausgekungelt« erst recht Einzug in den Sprachschatz an
den Hochschulen halten.
Die einzige Kontrollmöglichkeit besteht in der Rechenschaftslegung
dieser Hochschul-organe gegenüber den gewählten Gremien. Wie
eine solche Rechenschaftslegung aussehen kann, zeigen gerade die Rechenschaftsberichte
der CDU zur Spendenfinanzierung.
Was bedeutet dies für die Heinrich-Heine-Universität?
Als im Oktober 1998 bekannt wurde, daß eine große Anzahl
von Stellen gestrichen werden soll, wurde diskutiert, welche Fächer
bluten müßten. Schnell fanden das Rektorat und die Dekanate
»willige« Opfer. Studiengänge wie Sport und Geographie
sollten dran glauben. Erst die Beschlußfassungen des Fakultätsrates
der Philosophischen Fakultät und des Senates und studentische Proteste
verhinderten, daß beide Studiengänge gestrichen wurden.
Diese Möglichkeit besteht mit dem neuen Hochschulgesetz nicht mehr.
Zukünftig werden solche Entscheidungen schlimmstenfalls von Kaiser
und Kon-sortInnen im stillen Kämmerlein allein gefällt werden
und die Mitglieder der Hochschule erst zu einem Zeitpunkt in Kenntnis
gesetzt werden, wo es keine Möglichkeit mehr gibt, die Einstellung
von Studiengängen aufzuhalten.
Der Kader entscheidet alles!
»Der Kader entscheidet alles« ist ein Ausspruch Stalins,
der sich auf die neue Struktur der Hochschulen durch das Landeshochschulgesetz
anwenden läßt. Statt eine Demokratisierung aller Lebensbereiche
umzusetzen, wirft die SPD alle diese Konzepte mit dem neuen Hochschulgesetz
(HG) über Bord. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Reaktion
von Bündnis 90/Die Grünen und CDU auf das neue HG.
Die Grünen werfen alle bisherigen Standpunkte über Bord. Um
an der Macht zu bleiben, lamentieren diese »VertreterInnen auch
der StudentInnen« gegenüber den AStenvertreterInnen, daß
sie sich gegenüber der SPD nicht durchsetzen können. Ist auch
verständlich, wenn man in jedem Themenfeld seine eigenen Positionen
über Bord wirft und sich von der SPD von vorne bis hinten über
den Tisch ziehen läßt. Nachdem man seine eigene Glaubwürdigkeit
verloren hat, wird einem auch eine Koalitionsfrage nicht mehr abgenommen.
Allerdings sollte man hier nicht vergessen, daß immerhin einige
grüne Par-la-men-tarierInnen gegen das Gesetz gestimmt haben, weil
sie es für unerträglich hielten. Randbemerkung dazu sei, daß
diese ParlamentarierInnen zum größten Teil nach den nächsten
Wahlen nicht mehr für die Grünen im Landtag sitzen werden.
Die CDU begrüßte im Vorfeld große Teile des HG. Vor allem
der Teil des HG, der die oben geschilderte Stärkung der Leitungsstrukturen
beinhaltet, stieß auf große Zustimmung. »Nur«,
so die Aussagen von CDU-Abgeordneten, »geht dieses Gesetz noch nicht
weit genug«.
Na ja, den Bürokratismus zu stärken und Entscheidungen in kleine
Exekutivorgane zu verlegen, war immer schon sehr fortschrittlich. Mit
Sicherheit hat die SPD recht, wenn sie sagt, daß dies zu einer höheren
Effizienz der Hochschulen führen wird. Jetzt brauchen sich Wirtschaftsunternehmen
wenigstens nicht mehr an eine Masse von Leuten zu wenden, um Gelder zu
verteilen und For-schungsprojekte an den Hochschulen in Gang zu setzen.
Happus
ViSdP: Christian (HappusViSdP: Christian (Happus) Happ
Kontakt:
AStA Heinrich-Heine-Universität
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf
fon 81-13172 / fax 81-13290
E-Mail: astadue@uni-duesseldorf.de) Happ
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