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Düsseldorf hat's schwer: Zuerst einen international beachteten Bombenanschlag, dann eine unerwünschte Demonstration mit großem Medienecho und bald ein angeschlagenes Image. Deshalb wird die Verwaltungsmetropole nun extrem aktiv, um endlich wieder zur Tagesordung übergehen zu können.
Entgegen den sich aktuell überschlagenden Betroffenheits-Bekundungen
und Profi-lie-rungs-sprüchen sind die institutionellen Gremien der
Stadt jahrelang ignorant gegenüber neofaschistischen Entwicklungen
gewesen. Linke Gruppen wie der Antifa-KOK waren nicht zufällig die
einzigen Strömungen, die gegen den Neofaschismus öffentlich
Gegenwehr gezeigt haben. Denn der Antifa-KOK ist für seine jahrelangen
Aktivitäten gegen neofaschistische Entwicklungen in Düsseldorf
regelmäßig angegriffen worden. Die Propagandisten des "toleranten
Düsseldorfs" - sie wollten keine Öffentlichkeit über
rechte Entwicklungen in der Stadt - erst recht nicht von linken Schmuddelkindern
-, weil dies die eigene Mitverantwortung für die aktuellen Auswüchse
verdeutlicht hätte. Das vielbeschworene "bessere Düsseldorf",
die antirassistisch engagierte Zivilgesellschaft gegen rechts - es gibt
sie nicht. Sie ist eine propagandistische Schimäre von Standort-Strategen,
denen schlicht am Positiv-Image der Wirtschafts- und Konsummetropole Düsseldorf
gelegen ist. Vom militanten Neofaschismus in dieser Stadt haben die nun
lautstarken Resolu-tions-verkünder keine Ahnung - und auch kein Interesse
an dessen allzu tiefgehender Erörterung. Denn er ist für sie
lediglich dadurch zu einem Problem geworden, weil er "imageschädigend"
für die Stadt geworden ist. Die rechtsextremen "Republikaner"
im Rat, die militant-neofaschistische und antisemitische "Kameradschaft
Düsseldorf", die Lemmer/Zobel-Connection, das lokale Rechtsrock-
und Skinhead-Netzwerk, neofaschistische Banden in den Stadtteilen und
erst recht die schwarz/brauen Rathaus-Verbindungen - all diese realen
neofaschistischen Erscheinungsformen in Düsseldorf bleiben unberücksichtigt
in den aktuellen Handlungskonzepten und Resolutionen. Sie sind nicht nur
uninteressant für die vielbeschworene "politische Mitte",
sondern vielmehr störend bei dem gemeinsamen Kraftakt zur Rettung
des guten Rufes der Stadt. Daher überschlagen sich nun die politischen
Ratsparteien gegenseitig mit nichtssagenden Resolutionen für das
"bessere" das "friedliche", "freundliche",
"gewaltfreie", "demokratische" und sonstwie schöngeredete
Düsseldorf. Sozi-Wahl-Appell Die SPD packt zudem die Gelegenheit beim Schopfe und rührt die Werbetrommel
für eine große Kundgebung des "Düsseldorfer Appells"
am 16.9. vor dem Rathaus. Der Zeitpunkt dieses Happenings ist strategisch
passend gewählt, denn am selben Tag findet in der Stadt der Landesparteitag
der SPD NRW statt. Von daher ist vorab garantiert, daß bei der Rede
des Ministerpräsidenten um 16.00 Uhr zumindest das Delegierten-Fußvolk
kräftig und medienwirksam applaudieren wird. Damit die Stadtimage-
und Parteiwerbungs-Veranstaltung auch gut ankommt, wird eine professionelle
Werbekampagne gestartet, welche die Initiatoren über die NRW-SPD
abwickeln. Um die politisch desinteressierte Zivilgesellschaft überhaupt
dahinzubekommen, werden dann wohl die Toten Hosen oder vielleicht auch
Heino zeigen, was sie alles so drauf und in sich drin haben. Dann wird
der Ministerpräsident Clement seiner Empörung über Extremismus
Ausdruck verleihen und ein paar Möchtegern-Stars aus politischen
Fachkreisen werden ihm zustimmen. In sog. "Talk-Runden" dürfen
dann im 20-Minuten-Takt auch ein paar Initiativen für Werbezwecke
herhalten, ohne dabei Gefahr zu laufen, allzu inhaltlich zu werden. Der
CDU-Rechtsaußen Erwin wird als Oberbürgermeister leider terminlich
verhindert sein. Aber eine Vertretung wird dann auch noch einmal betonen,
daß Düsseldorf so weltoffen und tolerant sei wie Erwin als
Stadtvorstand - und es wird viel zu essen und zu trinken geben. Von rechts gegen Der neoliberale Wettbewerbsstaat Deutschland selbst ist es, der die rassistischen und neofaschistischen Exzesse hervorgebracht hat. Die Lichterketten, die Massenaufmärsche für Frieden und ein "gutes Deutschland" - sie sind Relikte aus dem Übergang in ein wiedervereinigtes Deutschland, das sich nun unter sozialdarwinistischen Kon-kurrenzverhältnissen und aggressiven Nor-ma-li-sie-rungsbekundungen seiner zivilgesell-schaft-lichen Humanitätsduselei entledigt hat. Das Spiel mit dem eskalierenden Rassismus läuft nach klaren Regeln, die schon seit Anfang der neun-ziger Jahre deutlich wurden. Als nach den rassistischen Kampagnen staatlicherseits gegen sog. Asylantenfluten und für ein wiedererstarktes und selbstbewußtes Deutschland der Mob auf der Straße zum rassistischen Vollstrecker gerierte, wurde der Staatsnotstand angedroht, falls das Asylgesetz nicht faktisch abgeschafft werde. Der Anstieg der Neonazi-Gruppen und ihre Pogrome dienten propagandistisch der Verschärfung repressiver Maßnahmen gegen die Opfer von Rassismus. Zur Beruhigung internationaler Proteste gegen derartige Entwicklungen in Deutschland wurde dann die Sicherheitsschraube angezogen und Nazi-Parteien wie die FAP und die NF verboten, deren Kader sich mit ihrem erstarkten Fußvolk die nächste noch legale Truppe als Sammelbecken suchten. Nun steht nach den jüngsten Neonazi-Exzessen wieder die selbe Masche auf der Tagesordnung: NPD verbieten, Sicherheitsgesetze gegen "Extremismus von rechts und links" verschärfen, Datenschutz- und Bürgerrechte weiter einschränken und politisch so weitermachen wie bisher. Die Rassisten der Mitte - Stoiber mit seiner "durchrassten Gesellschaft", die Kampagnen-Rassisten Koch und Rüttgers, der Normalisierungs-Technokrat Schröder, der Auschwitz verhöhnende Kriegstreiber Fischer, der Antisemit Walser und ihre gesamtdeutsche Fangemeinde - sie waschen sich rein mit einer Kampagnenmaschinerie, die an Dreistigkeit schwer zu toppen ist. Es ist an der Zeit zum Ausstieg aus diesem Modell Deutschland. |
Düsseldorfer Konfusionen gegen "Extremismus" |