Einen wichtigen Bestandteil kommunistischer Theorie und Praxis bildet der Internationalismus.
Schon im Kommunistischen Manifest, auf das sich auch unsere Deutschen Kommunisten
berufen, heißt es: "Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen
proletarischen Parteien nur dadurch, dass sie (...) in den verschiedenen nationalen
Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen
Interessen des gesamten Proletariats hervorheben...". Des weiteren steht
im gleichen Dokument der berühmte Satz: "Die Arbeiter haben kein Vaterland."
Leider hat die Entwicklung der Geschichte gezeigt, dass sich die Arbeiter in
großen Teilen durchaus national gebärdeten und sich vor den Karren
des jeweiligen nationalen Kapitals spannen ließen. Also gilt es nicht
zuletzt auf Grund dieser geschichtlichen Erfahrungen, den internationalistischen
Standpunkt kommunistischer Politik herauszuarbeiten und entsprechend in die
Praxis umzusetzen.
Basis des Internationalismus der Kommunisten war immer: Der Hauptfeind steht
im eigenen Land. Warum ist dies so wichtig? Aus leidvoller Vergangenheit (siehe
oben) gilt es, daran festzuhalten, weil eine Nichtbeachtung dieses Grundsatzes
dazu führt, den "eigenen" Imperialismus zu verharmlosen und im
Ernstfall mit ihm zu paktieren.
Aktuell sehen wir dies an der breiten Unterstützung des Kurses der "rot-grünen"-Regierung
gegen den "Cowboy" in den USA (USA vs. Irak). Hier wird von Teilen
der deutschen "Linken" einerseits das taktische Treiben der Regierung
verharmlost und andererseits die aktuelle Kriegsbeteiligung in Asien, Afrika
und anderen Teilen der Welt unter den Tisch gekehrt.
Welche Stellung haben hierzu die Deutschen Kommunisten? Wirken sie aufklärerisch
und damit notwendiger weise polarisierend, nach dem Motto "Erst Klarheit,
dann Einheit"?
Mitnichten.
Im UZ-Gespräch vor dem Parteitag hieß es bescheiden - neben der unkritischen
Bejubelung der "beeindruckenden Aktion der Gewerkschaftsjugend mit Attac",
des "weltweiten Aufschrei(s) gegen die Vorbereitungen des Krieges gegen
den Irak" (am 26. Oktober) und dem Anfang November in Florenz gegründeten
"Europäischen Sozialforums", dies seien "alles faszinierende
Ereignisse, die ungeheuren (!) Mut machen." So Heinz Stehr - alter und
neuer Vorsitzender der Deutschen Kommunisten. Rolf Priemer, ein weiteres Führungsmitglied,
äußert sich an gleicher Stelle über "neue Chancen für
die Entwicklung von Antikriegsbewegung" (ebda.). Es gebe auch "Erfolgserlebnisse".
Er "habe das auf verschiedenen Bezirkskonferenzen genau so herausgehört."
Na toll. Etwas genauer hätte man es gerne schon gelesen, welche Position
die Deutschen Kommunisten innerhalb dieser "Antikriegsbewegung" denn
beziehen, wie sie der "entschiedenste, immer weiter treibende Teil der
Arbeiterparteien" (Manifest) sein wollen. Nein, es geht der DKP immer nur
um gleichberechtigte Teilhabe. Aber die Angst, vor die Tür gesetzt zu werden,
ist für Kommunisten ein schlechter Ratgeber.
UNO als Weltfriedensgarant?
Die oben beschriebene Position macht sich auch an der Haltung zur UNO fest.
Die DKP geht zwar nicht so weit, die UNO zum demokratischen Organ der "Völkerfamilie"
zu erklären, aber einen Hauch davon hat schon der Passus im Programmentwurf:
"Die Tendenz zur Demontage des Völkerrechts sowie der UNO als supranationale
Institution und ihre damit verbundene Krise bergen das Risiko (!) in sich, dass
für sehr lange Zeit die Hoffnung auf eine politisch-institutionelle Ordnung
der Welt schwindet." Seit wann setzen die Kommunisten ihre Hoffnung auf
von den Imperialisten kontrollierte Machtorgane? Und wenn mit den Hoffnungen
die der "unwissenden Massen" gemeint sein sollten, wäre es doch
die Aufgabe der Kommunisten, hier Klarheit zu schaffen.
Da liebäugeln unsere DKPler lieber mit den schon aus den
70er Jahren bekannten Slogans, die am rückständigsten Bewusstsein
anknüpften. "In der Rüstung sind sie fix, für die Bildung
tun sie nix", oder aktuell: "Kein Land bedroht Deutschland (!). Aber
die Herrschenden haben die größten Rüstungsprojekte in der jüngsten
Geschichte aufgelegt. Diese verschlingen die Gelder für soziale Reformen,
sind eine Gefahr für die Demokratie(?) und bedrohen den Weltfrieden (Wo
gibt´s den?)." Was macht die DKP, wenn Kriegsminister Struck Kosten
einspart durch Umgestaltung der Bundeswehr zur Interventionsarmee? Was soll
des weiteren die Illusion, wenn für Rüstung weniger ausgegeben würde,
gebe es mehr Geld für "soziale Reformen"?
Also, der alte Schmarrn aus den 70er Jahren wird neu aufgelegt.
WALTER
Ein Ladenhüter namens antimonopolistische Demokratie
Ein Unding namens sozialistische Warenproduktion
www.terz.org - 17.12.2002