Prof.
Dr. Wolfgang
Dreßen
Offener
Brief
Das Philosophische Institut der Heinrich-Heine-Universität
Düsseldorf hat den australischen
Philosophen Peter Singer eingeladen und bietet damit einem
Wissenschaftler, der
das Lebensrecht Behinderter in Frage
stellt, ein Forum.
Im Rahmen der
Ringvorlesung „Neue Betrachtungsweisen eines
alten Verhältnisses. Der Wandel der Beziehungen zwischen Mensch
und Tier.“ wird
Peter Singer am 13.12.2004 zum Thema
„Animals and Ethics“ sprechen. Zuvor wird Peter Singer am 11. Dezember
auf
Einladung des Deutsch-amerikanischen Instituts an einer
Diskussionsveranstaltung zum Thema „Menschenwürde und Forschung“
in Heidelberg
teilnehmen.
Für den
Forschungsschwerpunkt „Rechtsextremismus und
Neonazismus“ stellt sich die Frage, ob den Veranstaltern nicht bekannt
ist,
dass sich Peter Singer mit seinen Thesen zwar für die Rechte der
Tiere
einsetzt, gleichzeitig aber auch die Tötung Behinderter
legitimiert.
In den 80er
Jahren protestierten Menschen aus der
Behindertenbewegung gegen Veranstaltungen mit Peter Singer, weil sie
durch
seine Thesen ihr Lebensrecht in Frage gestellt sahen. Die Betroffenen
forderten, Singer dürfe kein Forum zur Verbreitung seiner Thesen
zur
„Euthanasie“ an behinderten Menschen in Deutschland erhalten. Mit
Verweis auf
die Gedanken-, Diskussions- und Wissenschaftsfreiheit kritisierten
damals
zahlreiche PhilosophInnen diese Proteste und Störungen von
Veranstaltungen,
weil sie dadurch das „elementare Gebot der argumentativen Toleranz“
verletzt
sahen. Nun erhält Peter Singer wieder
ein Forum und zwar vom Philosophischen Institut der
Heinrich-Heine-Universität.
Der
Forschungsschwerpunkt „Rechtsextremismus und
Neonazismus“ wendet sich gegen eine Toleranz, die unter dem Mantel der
Wissenschafts- und Diskussionsfreiheit die Tötung von Menschen mit
Behinderungen für diskussionswürdig erklärt.
Die Thesen Peter
Singers widersprechen dem Grundgesetz (Art.
1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu schützen
ist Verpflichtung
der staatlichen Gewalt.“).
Der
Forschungsschwerpunkt „Rechtsextremismus und
Neonazismus“ der Fachhochschule Düsseldorf fordert deshalb die
Heinrich-Heine-Universität auf, einem Verfassungsfeind kein Forum
zu bieten.
Weitere
UnterstützerInnen:
Prof. Dr. Heike
Ehrig (FH Düsseldorf), Prof. Dr. Evemarie
Knust-Potter (FH Dortmund), Prof. Dr. Franco Rest (FH Dortmund),
Erika Feyerabend (Soziologin,
Essen)
Ausführliche
Informationen zur Veranstaltung mit Peter
Singer.
www.terz.org - 22.12.2004