Zu einer Olympia-Werbeveranstaltung hatte im Januar die Düsseldorf Rhein-Ruhr
2012 GmbH in die Düsseldorfer Synagoge eingeladen. Die Initiative Kaiserswertherstraße
protestierte gegen die Veranstaltung mit dem Thema "Die olympische Friedensidee
und der Prozess der Globalisierung" und verwies darauf, dass die olympische
Bewegung von Pierre de Coubertin nicht mit dem Ziel der Völkerverständigung
gegründet worden ist, Coubertin vielmehr beabsichtigte, durch die olympischen
Spiele die europäische Jugend wie einst den griechischen Adel zum Krieg
erziehen. Er machte sich den Lehrsatz "Die Muskeln und der Charakter sind
für den am notwendigsten, der die Welt erobern will" zu eigen. In
der Wiederbelebung der Antike und im Nationalismus überschnitt er sich
mit dem Faschismus. Nachdem die olympischen Spiele 1936 zur vollsten Zufriedenheit
des Internationalen Olympischen Komitees ausgeführt worden war, resümierte
Coubertin, dass in Berlin seine Ideale realisiert worden seien.
Wie eng die Zusammenarbeit Coubertins mit den Nationalsozialisten war, veranschaulichen
folgende Zeilen, die das deutsche Olympische Institut auf seiner Homepage veröffentlicht
(http://www.doi.de/html/entstehung.html):
"1937 regte Coubertin deshalb in einem an die Deutsche Reichsregierung
gerichteten Brief an, ein Internationales Zentrum für Olympische Studien
zu gründen. 1938 im April konnte dann das Internationale Olympische Institut
unter der Leitung des geschäftsführenden Direktors Carl Diem seine
Aufgaben in Berlin aufnehmen. Finanziert wurde das Unternehmen aus den Überschüssen
der Olympischen Spiele 1936, die in eine Stiftung eingebracht wurden."
Vorher war Carl Diem als Präsident des Organisationskomittees wichtigster
Helfer Hitlers bei der Durchführung der Olympischen Spiele 1936. Bis zuletzt
war er Unterstützer des faschistischen Weltkrieges. Der ehemalige Chefredakteur
des ZDF, Reinhard Appel, führt über eine Ansprache Carl Diems gegenüber
der Berliner Hitler-Division 'Großdeutschland' - einer Volkssturmeinheit,
die sich zum größten Teil aus Hitlerjungen, also Jugendlichen zusammensetzte
im Jahr 1945 aus:
"Er hat zu uns gesprochen, es war ja eine Feierstunde. Und das Ganze endete
in einem flammenden Appell an uns, für Führer, Volk und Vaterland
zu sterben, gerade in der Situation, wo Berlin bedroht sei. Er berief sich immer
wieder auf das "tapfere Volk von Sparta" und forderte uns auf, wie
dieses Volk den Opfertod nicht zu scheuen und wie Helden zu sterben, denn es
ist schön, für das Vaterland zu sterben." (http://www.aussichten-online.de/diem-monitor.html)
Seinen Kriegseinsatz beschreibt Diem kurz nach Kriegsende in einem Brief so:
"Ich habe noch einmal harte Kämpfe im Rahmen des Volkssturm-Bataillons
durchgemacht, die an die tollsten Stunden der Durchbruchsschlacht des Jahres
1918 erinnerten."
Nach dem Krieg gründet er die deutsche Sporthochschule in Köln, deren
Rektor er bis zu seinem Tod im Jahre 1962 blieb. Obwohl die Beteiligung Carl
Diems inzwischen allgemein bekannt ist und in vielen deutschen Städten
Carl-Diem-Straßen umbenannt werden, sieht sich die deutsche Sporthochschule
nicht veranlasst ihr Carl- und Lieselott-Diem-Archiv umzubenennen. Die deutsche
Sporthochschule begründet dies folgendermaßen:
"Die Namensgebung soll weiterhin an die auch für die Gründung
der Sporthochschule bedeutenden Persönlichkeiten im Zusammenhang mit deren
olympischen Sammlungen erinnern." (http://www.sporthochschule.de)
Dass mangelndes Geschichtsbewusstsein kein Hindernis für eine Partnerschaft
der Stadt Düsseldorf mit der Sporthochschule ist, kann nicht verwundern,
hat die Stadt Düsseldorf doch in ihrem Rathausfoyer im Herbst die Plakate
der Spiele von 1936 ausgestellt.
MAS
www.terz.org - 28.1.2003