Geschichtsrevisionist als ASG-Diskutant
Während Jürgen Möllemann am 21. Januar abgeschirmt im einem Vorstadthotel
in Eller sein politisches Comeback versuchte, hatten sich zeitgleich einige Kilometer
weiter über 100 Personen, in der Mehrzahl ältere und honorige Herrschaften,
in der Aula der Werner von Siemens Realschule an der Rethelstrasse eingefunden,
um im Rahmen der "Disputation Meinung gegen Meinung" einem Mann
zum Thema "Die Zukunft des Krieges" zu lauschen, der AntifaschistInnen
schon seit langen Jahren bekannt ist: Dem seit Jahren für die extreme Rechte
aktiven Militärhistoriker Dr. Franz Uhle-Wettler aus Meckenheim. Veranstalter:
Das ASG-Bildungsforum, das "staatlich anerkanntes Weiterbildungsinstitut
Arbeitsgemeinschaft Sozialpädagogik und Gesellschaftsbildung e.V.",
in deren kleiner Mitgliederschaft sich neben dem ASG-Vorsitzenden Dr. Klaus Forsen
(Landesgerichtspräsident) u.a. Beatrix Philipp (CDU, MdB) und der Geschäftsführer
der CDU-Landtagsfraktion, Heinz Hardt, finden. Im ASG-Kuratorium gibt sich Stadtdirektor
Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff die Ehre. Ein ehrenwertes Haus eben, das sich im
Vorfeld der Veranstaltung nicht nur jedweder Stellungnahme verweigerte, sondern
auch eisern an ihrem Referenten festhielt.
Bereits im Dezember 2002 hatte der ANTIFA-KOK die ASG darüber unterrichtet,
dass Franz Uhle-Wettler ein seit vielen Jahren in der extremen Rechten aktiver
"Experte", Autor, Referent und Diskutant ist. Er war 1989 beteiligt
an der Erarbeitung des Parteiprogramms der REPs, war ab September 1992 Mitglied
im Kuratorium der geplanten REP-nahen "Carl-Schurz-Stiftung", referiert(e)
auf einer Vielzahl von Veranstaltungen quer durch das gesamte Spektrum der extremen
Rechten, gab und gibt eindeutig neofaschistischen Zeitschriften wie beispielsweise
der NPD-Parteizeitung "Deutsche Stimme" Interviews und vieles mehr.
Insbesondere scheint es ihm ein Anliegen zu sein, "Ruhm und Ehre" der
deutschen Wehrmacht wieder herzustellen. Er gehört zu den exponiertesten,
wichtigsten und umtriebigsten Vertretern der fundamentalen Gegnern der Ausstellung
über die Verbrechen der Wehrmacht. Im Dezember 1996 nahm Franz Uhle-Wettler
am Kongress der Verteidiger des ehemaligen SS-Hauptsturmführers Erich Priebke
teil und berichtete in der extrem rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit"
(JF) über dessen angeblich "absurde" Strafverfolgung. "Hitlers
Überfall auf die Sowjetunion 1941 stellte Uhle-Wettler [...] als gerechtfertigten
Präventivkrieg dar", schrieb der verstorbene Herausgeber des Nachrichtenmagazins
"Der Spiegel", Rudolf Augstein, in der "Spiegel"-Ausgabe vom
14.12.1998 (S. 44 ff.) und bezeichnete eine derartige Darstellung als "chauvinistische[n]
Unfug". Franz Uhle-Wettler sei "kein objektiver Historiker", so
Augstein.
Der bis 1987 als Kommandant der Militärakademie der NATO in Rom tätige
Uhle-Wettler gehört aber nicht dem NS-Flügel der extremen Rechten an,
der sämtliche Verbrechen Nazi-Deutschlands offen leugnet. Damit würde
er sich nicht nur wissenschaftlich ins Abseits stellen, auch seine politischen
Wirkungsmöglichkeiten wären stark eingeschränkt. Nicht abgestrittenen
Greueln der Nationalsozialisten stellt er aber sofort und diese damit bewußt
relativierend oder gar ausgleichend angebliche alliierte "Verbrechen"
- wozu seiner Meinung nach die "'Befreiung' Deutschlands von Ostpreußen,
Danzig, Pommern, Schlesien usw." gehört - entgegen.
Uhle-Wettler betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit, er stehe allen Gruppierungen,
von extrem rechts bis antifaschistisch, für Diskussionen zur Verfügung.
Mit den Argumenten Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaften schafft er
es immer wieder, sich Vorträge und Beiträge außerhalb der extremen
Rechten zu sichern und auch in Werken zu veröffentlichen, in denen sowohl
extrem rechte AutorInnen publizieren, als auch bekannte Persönlichkeiten
wie Peter Scholl-Latour und Arundhati Roy. Das ASG-Bildungsforum hat ihm jetzt
einen weiteren Auftritt verschafft.
"Kampfbund" sucht Ärger
Eigentlich ist er nicht wirklich ernst zu nehmen, der neonazistische "Kampfbund
Deutscher Sozialisten" (KDS). Schaut man sich die "Führung"
auf Bundesebene und die Besetzung der "Gausekretariate" der bundesweit
agierenden Kleinstorganisation an, so denkt man eher an eine Selbsthilfegruppe
für Profilneurotiker, als an eine schlagkräftige Neonazi-Gruppierung.
Am 1. Mai 1999 gegründet, möchte der Michael-Kühnen-Traditionsverein
eine rot-braune Einheitsfront auf der Basis eines "gemeinsamen Bekenntnis
zu Volk und Staat" schaffen. Ideologisch extrem diffus werden als Vorbilder
Friedrich Engels, Josef Goebbels und das nordkoreanische Staatsoberhaupt Kim
Jong II genannt. Und so erstaunt es dann auch nicht, dass eine Delegation des
KDS im Herbst 2002 im Braunhemd in der irakischen Botschaft auflief, um ihre
Solidarität zu versichern.1 Aktivitäten des KDS beschränkten
sich in NRW zuletzt auf den Kölner Raum, wo die sich auf einen im Strassenkampf
mit Kommunisten auf der Strecke gebliebenen Kölner SA-Mann beziehende (KDS)
"Kameradschaft Walter Spangenberg" um Axel Reitz und Paul Breuer agiert.
In letzter Zeit aber weiten sich Aktivitäten des KDS in NRW auf den Wuppertaler
Raum und den Kreis Mettmann aus. Zwischen Neonazis aus diesen Gebieten gibt
es schon seit langem gute Kontakte. So traten Kemna-Attentäter und NPD-Ortsverbandsvorsitzender
Wuppertal, Maik Hilgert, nebst einiger seiner "Mannen" letztes Jahre
aus der NPD aus, um dem KDS beizutreten und jetzt den "KDS-Stützpunkt
Wuppertal" zu bilden. Der Stützpunkt Mettmann wird von "Kamerad"
Alexander Karnath aus Wülfrath geleitet. So wundert es auch nicht, dass
in letzter Zeit in Wuppertal und im Kreis Mettmann einzelne kleine KDS-Aktiviäten
zu verzeichnen sind. Diese umfassen hauptsächlich das Verkleben und Verschicken
von Propagandamaterial sowie Kleinstaktionen, wie die Teilnahme an einer offiziellen
städtischen Veranstaltung zum Volkstrauertag in Wuppertal. Gerade im Kreis
Mettmann scheinen sich jetzt auch Personen aus dem neonazistischen "Siepensturm"
für den KDS berufen zu fühlen. Aus diesen Reihen und mit deutlichen
Bezug auf den KDS wird zur Zeit einmal mehr der Velberter PDSler Friedel Köster
massiv belästigt und telefonisch bedroht. Nichts neues für Köster,
der wegen seines antifaschistischen Engagements seit Jahren von Velberter Neonazis
angefeindet wird. Auch wenn dem KDS nur eine marginale Bedeutung in der Neonazis-Szene
zukommt, so scheint es also jetzt doch einmal nötig zu werden, dessen Treiben
ein Ende zu bereiten.
1 Vgl.: LOTTA - antifaschistische Zeitung aus NRW, Nr. 11, S. 24-26)
www.terz.org - 28.1.2003