dramaMinimal Stories
Manchmal sieht man Dinge, die einem viel besser gefallen, als
man vorher gedacht hätte. So erging es mir, als ich kürzlich die FFT
Studiobühne an der Jahnstraße in Düsseldorf besuchte. Es sollte
ein Abend mit experimentellem Theater sein. Mehr wußte ich nicht und das
ängstigte mich ein wenig. Als Kulturdilettant fürchtete ich nämlich
laut schreiende, womöglich nackt umherspringende Möchtegernavantgardisten
beobachten zu müssen. Dies war erfreulicherweise überhaupt nicht der
Fall.
"Minimal Stories" ist eine Zusammenarbeit der Regisseure Ingo Kerkhof
und Achim Zeman mit Amateuren, Studenten diverser Fakultäten aus verschiedenen
Ländern. Kurze Dialoge und Monologe bringen mit einer lässigen Heiterkeit
ganz lakonisch die alltägliche Banalität des Lebens auf die Bühne.
Wobei man merkt, dass die Beteilgten wirklich Freude an ihrem Tun empfinden,
es ist eben kein Job für Geld.
Da ist das Mädchen, dass sich in der Straßenbahn paranoid beobachtet
fühlt, sobald sie die Augen schließt. Der Junge, der so gerne über
seinen Altstadtbummel mit seiner Freundin erzählen möchte, dem aber
kein Mensch zuhört. Allgemeine Sprachlosigkeit der Ghettoblasterisolierten,
polnische Zwischenrufe, deutlich vernehmbar, aber für die Meisten unverständlich.
Das klingt alles ein wenig schwermütig, ist aber dabei schlicht unterhaltsam
und schön.
Leider ist "Minimal Stories" in näherer Zukunft in Düsseldorf
nicht mehr zu sehen. Aber die Gruppe der Schauspieler bleibt zusammen und arbeitet
am nächsten Projekt mit einem anderen Regisseur. Wobei es wieder um experimentelles
Theater geht, vor dem ich, als wertkonservativer Kulturpessimist (zumindest
als frei von Fachkenntnissen schreibender Theaterkritiker bin ich das vielleicht)
mich nun nicht mehr so sehr fürchte. Ich werde auf den nächsten Termin
in der Terz hinweisen.
FEHRI