Von Düsseldorf aus gesehen liegt Münster geografisch weiter rechts
als Duisburg - politisch gesehen gilt dies nicht, zumindest wenn die Münsteraner
AntikriegsaktivistInnen mit ihrer nachahmungswürdigen Aktion und die antideutschen
Kriegsbefürworter der "Antifa Duisburg" verglichen werden.
Am 19. Januar demonstrierten mehr als 500 MünsteranerInnen gegen den Krieg.
Im Anschluss daran zog eine kleinere Gruppe zur Kaserne des deutsch-niederländischen
Korps am Hindenburgplatz (!), das in Kürze das Oberkommando der Afghanistan-Einsatztruppen
übernehmen soll. Der Eingangsbereich wurde besetzt, und mit der Forderung
nach einer Waffeninspektion begannen einige AktivistInnen damit, sich Zugang
zum Gelände zu verschaffen. Die eilige Deklaration des Bereiches um die
Kaserne zum "militärischen Sperrgebiet" half da nicht viel -
die InspektorInnen beschlagnahmten die Fahne der BRD und der NATO. Die AktivistInnen
entzogen sich weitgehend dem Polizeizugriff und riefen für den 1. März
zu einer Demonstration gegen die deutsch-niederländische Führung im
Afghanistan-Krieg auf.
Ganz anders die "Antifa Duisburg" und ihre antideutschen Freunde aus
Düsseldorf, Recklinghausen und Wuppertal, die auf einer Antikriegsveranstaltung
der Düsseldorfer Antifa Kostproben ihre kriegslegitimierenden Ideologieversatzstücke
präsentierten. Das Konstrukt funktioniert als Mischung aus Halbwahrheit
und Zwecklüge ungefähr so: Der Irak habe eine Volksgemeinschaft, sei
also faschistisch, müsse also bekämpft werden. Es sei egal, wer den
Irak bekämpfe - wer gegen den Krieg ist, sei für das Saddam-Regime.
Zugegeben, die Darstellung der antideutschen Position ist "verkürzt",
trifft aber ihren Inhalt und basiert auf den von den antideutschen Rednern verwendeten
Formulierungen. Argumentativ ist da nichts mehr zu machen, die Antideutschen
haben Analyse und Kritik längst zu einem Rechtfertigungsinstrument für
ihre bereits getroffene Entscheidung zu Gunsten eines Krieges gegen den Irak
verkümmern lassen.
Für alle anderen sei jedoch zu bedenken gegeben: Die Rede vom irakischen Faschismus stützt sich nicht auf eine materialistische Analyse der realen Verhältnisse im Irak, sondern ist Teil des bürgerlichen Diskurses, mit dem Deutschland weiter kriegsfähig gemacht werden soll. Wegbereiter waren Enzensberger mit seinem 'Saddam-Hitler-Vergleich', Scharping mit seinem 'Auschwitz in Jugoslawien' und Fischer mit seinem 'Wegen Auschwitz muss Deutschland wieder Krieg führen'. Dass der Sturz der herrschenden Klasse im Irak Ziel ist, versteht sich für Linke von selbst. Die Linke in Deutschland hat aber vor allen Dingen die Aufgabe, ihre herrschende Klasse zu stürzen - und bis dahin wenigstens den deutschen Militarismus entschieden zu bekämpfen. Denn es ist nicht egal, wer das Baath-Regime zu Fall bringt - die Einsetzung einer vom Imperialismus abhängigen Marionettenregierung stärkt langfristig die Kräfte der Barbarei.
Geradezu zynisch ist der Versuch der Antideutschen, den US-Imperialismus als
zivilisatorische Kraft zu preisen: Es war - neben französischem, britischem
und deutschem Kapital - vor allem das US-amerikanische Kapital, das das Baath-Regime
geschützt, unterstützt und in Kenntnis seiner Verbrechen hochgerüstet
hat. Zu bedenken gegeben sei auch, dass das Gerede von der irakischen Volksgemeinschaft
die Basis bildet für die deutschen Vernichtungsfantasien, die in der Aussage
eines der Antideutschen gipfelte: "Mir ist egal, was bei einem Angriff
auf den Irak aus der Zivilbevölkerung wird." Dass diese Haltung zu
dem Vorwurf an die Linke führt, sie mache sich mit den 80% bundesdeutscher
KriegsgegnerInnen gemein, verwundert da nicht mehr. Nur Reaktionäre können
von einer BRD-Bevölkerung träumen, die unter den gegebenen Bedingungen
einen Krieg befürwortet. Die Argumente sind ausgetauscht, die Fronten klar:
Entweder an der Seite der "eigenen" Bourgeoisie für imperialistische
Kriege - natürlich im Gewand des Kampfes für Menschenrechte und die
Zivilisation. Oder mit einer eigenen Position für den Sturz des imperialistischen
Systems. Krieg dem Krieg!
www.terz.org - 28.1.2003