Für das Comeback des Jürgen W. Möllemann konnte es keinen besseren
Veranstaltungsort geben: im Düsseldorfer Novotel Süd hatte am 21.
Oktober der Landesvorstand seiner FDP getagt, um nach der Bundestagswahl-Misere
seinen endgültigen Rausschmiss einzuläuten. Und wenn es schief gegangen
wäre, kennt Möllemann hier auch die Fluchtwege: Als er 1994 wegen
seiner Anti-Kinkel-Kampagne zum ersten Mal gestürzt werden sollte, war
dies im selben Saal eingeleitet worden - und Möllemann durchs Parterre-Fenster
den JournalistInnen entkommen.
Dienstagabend war das Novotel aber eher Zufluchtsort: Zuerst war Möllemann
der Düsseldorfer "Industrieclub" verwehrt worden, danach lud
ihn die national-konservative "Düsseldorfer Herrenrunde" aus,
das zwischenzeitlich geplante Hotel Nikko stand ebenfalls nicht mehr zur Verfügung.
Selbst Antifa-Gruppen und die Jüdische Gemeinde mochten nicht mehr protestieren.
Zu unbedeutend.
Der Journalisten-Tross sah es anders und wurde im Foyer mit Kaffee, Softdrinks,
belegten Brötchen und heißen Würstchen versorgt, die Sicherheitsleute
und 300 Gäste ebenfalls.
Das Plakatmotiv "Klartext. Mut. Möllemann", das im Herbst 2002
auch das umstrittene Flugblatt betitelt hatte, hängt nur vereinzelt an
den Wänden. Die sind überwiegend mit der blau-gelben 18 gepflastert,
ohne den Namen der Partei. Und auch die Möllemann-Fans unter den Gästen
haben nicht die Nadel der Liberalen am Revers, sondern die 18. Wenn Möllemann
wahr macht, was er später unverblümt androhte, nämlich für
den Fall seines Ausschlusses eine eigene Partei zu gründen, dann wird er
die 18, seine eigene Erfindung, wohl mitnehmen.
Dafür, dass er selbst die Stimmung in der vormittäglichen Anhörung
seiner Fraktion so angenehm gefunden und den Partei-Ausschluss für so gut
wie abgewendet betrachtet hatte, sah Möllemann ziemlich mitgenommen aus.
Blass, aufgeschwemmt und eher leise kam er 20 Minuten nach Veranstaltungsbeginn
aus seinem Hotelzimmer, stellte sich dann erst einmal den wartenden JournalistInnen
und ging - zur Begeisterung der Kameraleute, die Schluck für Schluck drehen
durften - erst einmal ein Pils trinken. Danach ging's ihm offenbar besser, denn
im Saal gab sich Möllemann zunehmend kämpferisch. Deutschland brauche
"eine große Partei der Freiheit", lautete sein Credo, und ob
es die FDP sein werde, entscheide sie "in den nächsten Wochen selbst".
Freiheit hieß für Möllemann dann auch die Zusammenlegung von
Polizei und Bundeswehr, die damit auch für die Innere Sicherheit verantwortlich
würde. Seine Kritik an der israelischen Politik wiederholte er ebenso wie
er seinen Wahlkampf-Flyer mit den Portraits von Michel Friedman und Ariel Sharon
verteidigte. Hier hätten sicher die extra angereisten Mitglieder des offenen
antisemitischen "Feien Forums Krefeld" applaudiert, aber die waren
zuvor aus dem Saal gebeten worden.
Die unverhohlene Drohung an die FDP-Führung, sich an die Gründung
einer neuen Partei zu wagen, war allerdings wenig überzeugend. Passender
war da schon, dass Möllemann den früheren Box-Champ Rene Weller zitierte:
"Wo ich bin, ist oben." Weller sitzt allerdings derzeit eine mehrjährige
Haftstrafe ab. Am Mittwoch eröffnete die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft
ein weiteres, das dritte, Ermittlungsverfahren gegen Möllemann wegen des
Verdachts der illegalen Parteienfinanzierung.
FRANK LAUBENBURG