Wie schaut's aus in NRW?
Lebens- bzw. Erlebniswelten für die Szene finden sich auch in NRW reichlich.
NRW stach zwar über Jahre hinweg hauptsächlich durch die starke Konzentration
der Infrastruktur des RechtsRock hervor, also zum Beispiel durch die sehr kommerziell
ausgerichteten und bis heute marktführenden Labels und Vertriebe "Rock
O Rama" (ROR) des Kölners Herbert Egold und das heute als "VGR-Multimedia"
auftretende ehemalige RechtsRock-Reich des Düsseldorfers Torsten Lemmer;
in den letzten Jahren hat sich aber darüber hinaus auch eine starke RechtsRock-Szene
etabliert. Derzeitig gibt es um die 20 mehr oder weniger aktive Bands in NRW,
zuzüglich einiger NS-Black-Metal-Bands. Zu den aktivsten zählen "Oidoxie"
(Dortmund), "Sleipnir" (Gütersloh), "Barking Dogs"
(Krefeld/Düsseldorf), "Boots of Hate" (Krefeld/Viersen), "Eskil"
(Düsseldorf/Mettmann) und "Weisse Wölfe" (Arnsberg). Kultstatus
besitzt zudem die Band "Sturmwehr" aus Gelsenkirchen. Und immer wieder
stoßen neue Bands hinzu. Das Konzertangebot hat sich in NRW im Jahr 2002
im Vergleich zu den Vorjahren um ein vielfaches gesteigert. 17 bekannt gewordene
Konzerte, davon zehn durchgeführte, zwei an Szenegezänk und/oder Unfähigkeit
gescheiterte, zwei nach Kündigung der Räumlichkeiten in andere Bundesländer
verlegte und drei - ebenfalls nach Kündigung der Räumlichkeiten -
abgesagte. TeilnehmerInnenzahlen: 100 - 1.300. Letztere Zahl wurde beim Konzert
mit us-amerikanischen NS-Bands, "Oidoxie" u.a. am 16.3.2002 in Dortmund
erreicht (vgl. TERZ 4/2002).
In Bezug auf die Infrastruktur ist bei den Vertrieben und Labels neben ROR und
VGR heute insbesondere noch das Unternehmen "Ohrwurm-Records" nebst
diverser angegliederter Projekte des Gevelsberger Marcel Ingignoli zu nennen.
Auch eigene Zines nennt die NRW-Szene ihr Eigen. Zudem eine Handvoll Shops,
die nicht nur dem offenen Angebot und Verkauf von einschlägigen Accessoires
dienen, sondern auch als Treffpunkt, als Kristallisationspunkt lokaler Szenen
und als erster Anlaufpunkt für rechte Jugendliche. Derartige Shops sind
derzeitig in Essen ("Viking Ship"), in Dortmund ("Buy or Die"),
in Ennepetal ("Ranger Streetwear") und in Gevelsberg ("Attacke
88") angesiedelt. Letztere zwei gehören bereits erwähntem Marcel
Ingignoli.
RechtsRock-Strukturen im Großraum Düsseldorf
Die Geschichte des RechtsRock's in Düsseldorf ist eng mit dem Namen Torsten
Lemmer verbunden. Dieser baute mit den Firmen "Creative Zeiten" und
"Funny Sounds" sowie dem "Moderne Zeiten Vertrieb" und dem
Hochglanzmagazin "Rock Nord", das neben ROR größte und
wichtigste RechtsRock-Unternehmen in der BRD auf. Da er sich heute schwerpunktmässig
anderen Arbeitsfeldern widmet, hat sein langjähriger Kompagnon Andreas
Zehnsdorf aus Essen das in die "VGR Multimedia Verlagsgemeinschaft Rheinland"
umstrukturierte Unternehmen mit Sitz in Hilden übernommen. Die Ausrichtung
hat sich dadurch nicht geändert: Lediglich aus dem "Moderne Zeiten
Vertrieb" wurde der "Nordcore-Versand" - mit unverändertem
Angebot.
Schaut man sich regional nach rechten Bands um, wird man schnell und reichlich
fündig. Die Band "Eskil" um Dennis Seegers aus Düsseldorf
und Mettmann, die einen Proberaum im Bunker Am Gatherweg betreibt, "Weichswehr"
(siehe TERZ 12/02, S. 6), die schon seit langen Jahren existierende Combo "Rheinwacht"
um den Hildener Frank Krämer, die in letzter Zeit nicht mehr aktive Band
"Starkstrom" um die Düsseldorfer Stefan Rasche und Oliver Gade,
die Krefelder Band "Barking Dogs", deren Frontmann Ingo Wolff in Düsseldorf
lebt, "Pech und Schwefel" um Ingo Grau ("Inge") aus Erkrath
sowie die rechte Erkrather Oi-Band "Rabauken" um die Brüder Bernd
Zippel und Mario Zippel. Eine stattliche Anzahl an RechtsRock-Projekten also
vor Ort. Und die NS-Black-Metal-Projekte wurden nicht einmal in der Aufzählung
berücksichtigt.
Erwähnenswert wäre hier zum Beispiel die Band "Falkenbach"
von "Vatryas Vaykas" aus Düsseldorf und sein Label "Scaldic
Art".
Obwohl das Projekt eher gemässigt auftritt und über das Label hauptsächlich
"unpolitische" Bands veröffentlicht werden, bezeichnet "Vatryas
Vaykas" auch schon mal gerne in Interviews Alfred Rosenberg als lesenswerten
Autor.2 Aufgelöst ist das "Arische Black Metal Forum" von Sarah
Helmich (Düsseldorf) und Torsten A.
*
(Mettmann, jetzt Bonn) mitsamt ihrer Zeitschrift "Darkness".
Einzig und alleine einen eindeutig rechten Szeneshop gibt es nach der nicht
ganz freiwilligen Aufgabe von Bernd Buse und seinem Bilker Laden "Power
Station" vor Ort nicht mehr. Hier war es AntifaschistInnen gelungen, ausreichend
Druck aufzubauen und zu halten, bis das Projekt nach "Walhalla" einkehrte.
Hieran gilt es anzuknüpfen, bevor sich die RechtsRock-Szene vor Ort noch
breiter macht, als das ohnehin schon der Fall ist. Völlig ungestört
konnte beispielsweise am 21.12.2002 die Band "Eskil" im Raum Mettmann
anlässlich der "Wintersonnenwende" ein "vorweihnachtliches
Konzert" im Kreis Mettmann durchführen.
Mittwoch 12.2.2003, 19.00 Uhr: RechtsRock - Bestandsaufnahme und Gegenstrategien
Einer der Herausgeber des Mitte Dezember 2002 erschienenen gleichnamigen Standardwerkes
wird auf dieser Veranstaltung einen Überblick über den Komplex der
rechten Musik geben. Es soll auf der Veranstaltung nicht nur das Phänomen
als solches dargestellt und analysiert, sondern auch auf Gegenstrategien eingegangen
werden.
Mittwoch, 26.2.2003, 19.00 Uhr: "Fear of a Kanak Planet". HipHop
zwischen Weltkultur und Nazi-Rap
Rechte Einflüsse in der HipHop-Szene? Ist das nicht ein Widerspruch in
sich? Offenbar nicht! Hannes Loh und Murat Güngör gingen in ihrem
im August 2002 erschienenen Buch "Fear of a Kanak planet" der Sache
auf die Spur. Auf der Veranstaltung macht Hannes Loh mit Videos, Dokumentarfilmen,
Collagen, Musik und Erzählungen eine Zeitreise zurück in die 50er
Jahre und landet schließlich wieder im Jahr 2002 beim Nazi-Battlerap.
Anschließend wird aufgelegt. Eine Veranstaltung nicht nur für die
HipHop-Szene.
Mittwoch, 12.3.2003, 19.00 Uhr: Vom Hardcore zum Hatecore - Rechte Einflüsse
in der Hardcore-Szene.
Trendgemäß greift sich RechtsRock neue Sounds für seine Message.
In den letzten Jahren mehren sich Vereinnahmungsversuche von rechts in der Punk-
und Hardcore-Szene. Zu dieser Entwicklung und seinen Auswüchsen möchte
der Vortrag einen Überblick geben. Die Veranstaltung sieht sich auch als
Teil der "Good Night White Pride" - Kampagne.
Alle drei Veranstaltungen finden im Rahmen der Reihe INPUT
- antifaschistischer Themenabend statt.
Samstag, 22.2.2003, 20.00 Uhr
live in Konzert: Oma Hans
(ex Dackelblut, siehe auch www.schiffen.de)
Alle vier Veranstaltungen finden im Linken Zentrum, Corneliusstr. 108 in
Düsseldorf statt (siehe TERZ-Rückseite).
Literaturempfehlungen:
Aktuelle Hintergrundberichte zum Thema finden sich als Schwerpunktthema in
der aktuellen Ausgabe der LOTTA - antifaschistische Zeitung aus NRW (www.free.de/lotta).
Erhältlich im Buchladen BiBaBuZe, Aachener Str. 1 und im Linken Zentrum.
Christian Dornbusch/Jan Raabe: RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien,
Münster/Hamburg 2002
Searchlight u.a.: White Noise. RechtsRock, Skinhead-Musik, Blood&Honour.
Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene, 3. überarbeitete Auflage,
Münster/Hamburg 2001
Andreas Speit (Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und Industrial
im Spannungsfeld rechter Ideologien, Hamburg/Münster 2002
Johannes Lohmann: Wiedererwachen germanischer Werte? Eine Reportage über
Black Metal im Schnittpunkt von Satanismus, Neuheidentum und Nationalsozialismus,
in: Journal der Jugendkulturen. Nr. 7, S. 8-16, Berlin 2002, ISSN 1439-4324.
In dieser Ausgabe Nr. 7 finden sich auch weitere Beiträge zu anderen Musik-Stilen
wie Techno und Gabber.
Hannes Loh/Murat Güngör: Fear of a kanak planet. Hiphop zwischen Weltkultur
und Nazi-Rap, Höfen (Österreich), 2002
asp agentur für soziale Perspektiven e.V. (Hg.): Versteckspiel. Lifestyle,
Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen, Bezug über
ASP, Lausitzerstr. 10, 10999 Berlin
Ingo Taler: Die andere Seite des Punks, in: LOTTA-antifaschistische Zeitung
aus NRW, Nr. 4 (Winter 2000), S. 11-15