Kurzzeitiger Aufruhr
bei Bayer/Lanxess
Lanxess – ein Global Player tritt neu auf
- (Eigenwerbung)
Mitte Januar rumorte es gewaltig unter den Mitarbeitern des
Chemie-Unternehmens Lanxess, ein Noch-Tochterunternehmen von BAYER. Auf
der
Betriebsversammlung Anfang des Monats in Leverkusen – für Dormagen
gab es eine
Video-Übertragung – wurden durch den Vorstandsvorsitzenden Axel
Heitmann
radikale Einschnitte bei den Personalkosten angekündigt. Von bis
zu 800 Euro
Kürzungen pro Monat bei den Gehältern war die Rede. Die
Versammlung muss so
turbulent gewesen sein, dass die Video-Übertragung nach Dormagen
abgebrochen
wurde. Vorsitzender Heitmann „hatte…die blanke Angst im Gesicht
stehen.“ (nach
„Schaufenster“, Ausgabe zum Sonntag, 15.1.05)
„Der Werkschutz“, so wird weiter berichtet, „hatte größte
Mühe, die Massen ruhig zu halten.“ (ebenda).
Woher diese Wut? Seit Jahren ist die BAYER-Belegschaft, und
die Lanxess-Leute stammen schließlich aus dieser Schule, nicht
zuletzt dank der
IG-Bergbau, Chemie, Energie stets brav zur Arbeit gekommen und hat den
BAYER-Aktionären die Rendite gesichert. Wer in Dormagen zu BAYER
oder
Erdölchemie in der Vergangenheit ein kritisches Wort verlauten
ließ, musste
fürchten, beschimpft zu werden. Und nun begehrt selbst die
Belegschaft auf?
Aber nichts wird so heiß gegessen wie gekocht. Gegen den Plan der
Streichung
der übertariflichen Zulagen kündigte der Betriebsrat erst
einmal juristische
Schritte zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit an.
Für die Geschäftsleitung musste die geäußerte
Empörung
schockierend gewesen sein, denn der Plan von BAYER und der Führung
von Lanxess
sieht vor, zum Monatsende neu an der Börse aufzutreten: „Lanxess –
ein Global
Player tritt neu auf“ so die Eigenwerbung.
Neue Offenheit
Mit brutaler Offenheit hatte nämlich die Lanxess-Spitze
bereits Ende des vergangenen Jahres die Vorgaben für diesen
Börsengang
verkündet. Um die Geschäftsaussichten der Chemiesparte zu
optimieren,
verordnete man der Belegschaft einen kräftigen Aderlass.
Vorsitzender Heitmann
hatte den Investoren eine zweistellige Rendite versprochen (nach
manager-magazin, 29.12.04). Dieses soll u.a. dadurch erreicht werden,
dass die
Belegschaft ein 20-Millionen-Euro-Kürzungsprogramm für 2005
akzeptieren soll.
Verhandlungen führen zu dem
erhofften Ergebnis
Um den Börsengang nun nicht weiter zu belasten, mussten also
schleunigst Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat her, der dann auch
von
seinen juristischen Spielereien nichts mehr wissen wollte. Und schon am
Mittwoch, den 19. Januar, machte die Nachricht die Runde, dass sich
Geschäftsleitung und Gesamtbetriebsrat von Lanxess auf eben das
Einsparvolumen
bei den Beschäftigten geeinigt haben, welches die
Unternehmensführung vorher
als Ziel ausgegeben hatte: Rund 20 Millionen Euro
Personalkosteneinsparung
allein für das Jahr 2005. Insgesamt sind von diesem
Lohnkürzungsprogramm rund
3.900 „Tarifmitarbeiter an den deutschen Lanxess-Standorten betroffen.“
(Financial Times D., 19.1.05) In Dormagen arbeiten ca. 1.200
Beschäftigte für
Lanxess.
Die Mitarbeiter sollen jeweils pro Monat auf
mindestens 200
Euro verzichten und zum Unternehmergewinn beitragen. Die weiteren
Details der
Kürzungen werden wohl in Bälde folgen. - Was im
bürgerlichen Leben einfach
Erpressung genannt werden darf, gilt im Bereich der Mehrwertproduktion
als
„Tarifvereinbarung“. Nicht erst seit Opel und VW wissen wir, wie dies
funktioniert: Entweder ist die Belegschaft bereit „Opfer zu bringen“,
oder die
Produktion „muss“ verlagert bzw. eingestellt werden. Am Ende dient ein
solches
Ergebnis wie im vorliegenden Fall dann dazu, als
„Arbeitsplatzsicherungsmaßnahme“ gefeiert zu werden,
übrigens auch von den so
Geprellten und ihren gewählten Vertretern, in diesem Fall den
Betriebsräten von
der IG ICE.
Was bei Lanxess so gut zu laufen scheint, soll nun auch bei
der früheren 50%igen Bayer-Firma Erdölchemie – seit 2001 BP
Köln GmbH –
durchgezogen werden.
Geplant ist ebenfalls der Börsengang zum Herbst 2005 unter
dem neuen Namen NewCo. NewCo wäre dann das viertgrößte
Petrochemieunternehmen
der Welt. Allein in Dormagen arbeiten hierfür 1.900
Beschäftigte. Um den
Börsengang lukrativ zu gestalten, will man den Beschäftigten
ein 38-Millionen-Euro-Sparprogramm
verpassen. Business as usual.
Walter
www.terz.org - 26.01.2005