comixDie kleinen Mutterficker

Schon das erste Heft der kleinen Mutterficker von den Dinter Bros. hatte mich begeistert. Endlich wurden diesen ganzen deutschen HipHop-Heiopeis mal die Ohren langgezogen - und das mit den eigenen Waffen. Auch das neue Heftchen macht das herrlich. Aber nicht nur die zur Gemeinde gehörenden Brothers and Sisters können noch einiges über sich lernen, sondern auch diejenigen, die damit so gar nichts am Hut haben - lernen, wie es wirklich zugeht. Naja, nicht viel anders als in anderen Bewegungen, auch wenn die HipHop-Gemeinde in Bezug auf Sprache und Aussehen und ihrem andauernden Ghetto-Gehabe auch wirklich viel Anlass gibt, Spaß zu haben. Sehr empfehlenswert und billig.

Dinter Bros. u.a.:
Die kleinen Mutterficker - hangin out
Zwerchfell Verlag, 2,50 Euro

comixLetter to a dead friend

Die Auseinandersetzung mit dem Tod findet auch im Comic äußerst selten statt. Wider Erwarten stand nicht der Tod eines Freundes bei diesem Projekt Pate. Es entstand aus einer Laune heraus beim Luzerner Comicfestival. Junge KünstlerInnen sollten sich zu einem bestimmten Thema auslassen und ihnen damit international ein Forum geboten werden. Nichts Außergewöhnliches erstmal. Also musste ein entsprechendes Thema gefunden und die Auswahl der KünstlerInnen bestimmt werden. Dass dies gelungen ist, zeigt die Qualität der kurzen Comics und die gelungene Umsetzung des Themas.
Was macht man, wenn man gar keinen toten Freund hat? Genau, man macht daraus eine Geschichte. Der Schweizer Tobi Gaberthuel setzte dies in collagenhaften Zeichnungen um. Mit Zeichnungen, die entfernt an Anke Feuchtenberger erinnern, beschreibt die Finnin Katja Maarit Tukiainen die Auseinandersetzung eines kleinen Mädchens mit dem Tod ihrer Oma.
Der bekannteste der vier, der aus Deutschland stammende Markus Huber, bezieht sich noch am ehesten in seinen Panelzeichnungen auf das klassische Comic. In seinen abstrakten oder surrealistischen Bildern blickt er auf die gemeinsam verbrachte Zeit mit seinem bei einem Verkehrsunfall getöteten Freund zurück.
Die interessanteste Beitrag kommt von der Hongkong-Chinesin Lily Lau Lee Lee. Eines Tages erhält sie die Anfrage nach einem Beitrag zu dem Thema. Sie beginnt ihre Arbeit und macht sich auf die Suche nach einem Freund. Zeichnerisch erinnert ihr Werk an europäische Independent-Comics mit fremdländischem Einschlag. Davon würde man gerne mehr sehen, leider erschienen ihre zahlreichen Arbeiten bisher nur in Hongkong. Also, wer mal da sein sollte ...
Ein richtig schönes Heft zu einem schmerzvollen Thema.

Letter to a dead friend
Edition Columba Urbana
Vertrieb Edition Moderne
48 Seiten 2-farbig für 9 Euro

comixLittle Lit

Für viele sind Comics ja Märchen und bis heute Kinderkram. Alles Ignoranten. Aber warum nicht auch mal wieder ein Comic mit Märchen und Sagen? Little Lit ist vor allem ein schönes Buch. Art Spiegelman (das ist der, der die "Maus"-Comics über Auschwitz zeichnete) versammelte hier eine wahre Creme von Comiczeichnern aus dem Independent-Bereich, hauptsächlich aus den USA, die etwas zu Märchen und Sagen beitragen sollten. So unterschiedlich die Stile der Zeichnungen, so unterschiedlich die Qualität und der Inhalt. Einige wie Spiegelman oder Mattotti dachten sich selber welche aus, andere wie Swaarte, Clowes oder Mazzuchelli setzten vorhandene um. Vor allem sind hier Zeichner versammelt, die auf deutsch bisher nur wenig veröffentlicht haben und hier zu Unrecht viel zu unbekannt sind. Das Buch wendet sich aber in Aufmachung, wie Großformat, großformatige Panels, Suchspiel und einer Würfel-Märchen-Rallye mit ausgestanzten Spielsteinen (gezeichnet von Chris Ware!), eigentlich eher an Kinder. Leider steht dem der hohe Preis etwas entgegen.

Little Lit
Carlsen Verlag
64 farbige S. in HC für 22 Euro

www.terz.org - 26.2.2002