Panische Gelassenheit - diese Bezeichnung trifft am ehesten die Stimmung in Landesministerien und Oberbürgermeisterbüros, wenn die Sprache auf die Olympiabewerbung 2012 kommt. Mit viel Mühe und noch mehr Geld wird seit Monaten versucht, der Bevölkerung die "Vorfreude auf Olympia" zu verpassen - und doch, ein kleiner, begeisterungsrenitenter Teil der Bevölkerung widersteht dem verordneten Jubel und bringt stattdessen ein Bürgerbegehren gegen die Olympiafinanzierung an den Start.
Das trifft die Olympiaprofiteure ins Mark. Unterschriften für das Bürgerbegehren können bis zum 17. April gesammelt werden - das Nationale Olympische Komitee (NOK) entscheidet jedoch schon etliche Tage eher darüber, welche deutsche Stadt in den internationalen Wettbewerb geht. Wird unter diesen Bedingungen ein halbwegs seriöses NOK die Bewerberstadt Düsseldorf überhaupt noch berücksichtigen können? Und selbst wenn die Korruption der NOK-Mitglieder bereits soweit fortgeschritten ist, dass sie Düsseldorf den Zuschlag geben - was geschieht, wenn das Bürgerbegehren erfolgreich ist und es zu einem Bürgerentscheid kommt, der die zigmillionenschwere Olympia-Finanzgarantie des Stadtrates kippt?
Panik herrscht daher in den Stuben der Olympiaprofiteure, und so mussten an
dem Tag, als das Aktionsbündnis sein Bürgerbegehren vorstellte, alle
Düsseldorfer Chefredaktionen in des NRW-Sportministers Lieblingskneipe
Uerige zum Befehlssempfang antreten. Seitdem verbreiten die Düsseldorfer
Lokalzeitungen in freiwilliger Gleichschaltung Falschmeldungen und Spott über
das Bürgerbegehren. Objektive Informationen über die Olympia-Bewerbung
Düsseldorf sind seitdem nur noch der überregionalen Süddeutschen
Zeitung und der Frankfurter Rundschau zu entnehmen. Oberbürgermeister Erwin
tituliert seitdem die Süddeutsche als "diese PDS-Postille". Der
Dorf-Häuptling weiß treffend zu bezeichnen.
Wie der Kampf ausgeht, ist offen. Die Anhänger der Bürgerbegehrens
benötigen 13.400 Unterschriften von Menschen mit Düsseldorfer Wohnsitz,
die älter als 16 Jahre sind. Die Zahl der Olympiagegner in der Stadt ist
mit Sicherheit viel größer - aber werden sie ihren Stift in die Hand
nehmen und unterschreiben? Auf der Gegenseite steht die vereinigte Front der
Olympiabefürworter - von den Grünen bis zu den Rep-Faschisten, unterstützt
von allen Lokalzeitungen und diversen Werbeagenturen. Die Bevölkerung Düsseldorf
unterliegt einem Dauerbeschuß mit Olympia-Jubel-Parolen; da würde
es verwundern, wenn das keine Wirkung zeigt.
Die Düsseldorfer Linke unterstützt das Bürgerbegehren. Der Antifa-KOK
erklärte im Februar: "Olympia ist nicht der idealistische sportliche
Wettstreit junger Menschen, sondern die ideologische Vorbereitung auf die Konkurrenz
der Nationen. Olympia bedeutet ein großes Medienspektakel in dessen Schattenseite
Ausgrenzung, Vertreibung und Teuerung stattfinden. Der staatliche Repressionsapparat
wird daher anläßlich der olympische Spielen massiv erweitert werden.
Das Bürgerbegehren ist eine Möglichkeit, Olympia in Düsseldorf
zu Fall zu bringen. Deshalb rufen wir dazu auf, das Bürgerbegehren zu unterschreiben
und selber Unterschriften zu sammeln."
Es steht zu hoffen, dass nicht wenige Linke diesem Aufruf folgen. Vorbeugend
sei jedoch schon mal an die Adresse derjenigen rrrradikalen Linken, die beim
Bürgerbegehren das revolutionäre Programm vermissen, das Klassikerzitat
von 1875 gesandt: "Jeder Schritt wirklicher Bewegung ist wichtiger als
ein Dutzend Programme." Ein Nichterfolg des Bürgerbegehrens ist objektiv
auch ein Nichterfolg der Linken - der umgekehrte Fall ist nicht so simpel, geht
aber tendenziell so: Ein Erfolg des Bürgerbehrens ist auch ein Erfolg der
fortschrittlichen Kräfte, die sich gegen den kapitalistischen Alltag und
seine Spektakel wenden.
Mas
ZAKK Halle
Mittwoch, 26.3.2003 19.30 Uhr
VOR(UR)TEILE OLYMPIA
Welche Chancen, Risiken und Möglichkeiten bietet Olympia? Diskussion am
runden Tisch mit Fachleuten, Politik, Verwaltung, Interessierten & Engagierten
www.terz.org - 25.2.2003