Terz: Frau Fuchs, Sie sind eine Sprecherin des Aktionsbündnisses "Rettet
die Rheinauen", das ein Bürgerbegehren gestartet hat. Wer oder was
ist das Aktionsbündnis?
A: Das Aktionsbündnis besteht seit über einem Jahr und ist der Zusammenschluss
von links- und rechtsrheinischen Gruppen, Vereinen und Initiativen, die sich
gegen den geplanten Standort des Olympischen Dorfes in Lörick wehren -
und mit einem Bürgerbegehren gegen eine 50-Mio-Finanzierungsgarantie für
die internationale Bewerbungsphase.
Terz: Worin besteht ihre Kritik?
A: Wir haben etwas dagegen, dass ein gewachsenes Wohngebiet durch Olympic-City
verbaut wird, und vor allem gegen die Versiegelung weiterer Naturflächen
im Erholungsgebiet Düsseldorf-Lörick. Für die Olympiade in Düsseldorf
werden Natur- und Landschaftsschutz verletzt, treten hinter den Prestigegedanken
zurück. Dass die wenigen stadtnahen Landwirte ihre Anbauflächen verlieren,
oder die geplante neue Rheinbrücke ökologisch und ökonomisch
unsinnig ist, weil sie nur für Olympia geplant wird, kommt hinzu.
Terz: Was ist das Bürgerbegehren?
A: Nach dem Ratsbeschluss vom 20.1.03 haben wir uns entschlossen, ein Bürgerbegehren
gegen die Finanzierungsgarantie für die Olympischen Spiele in Düsseldorf
zu starten. Wir sind mit dem Blankoscheck, den der Stadtrat ausgestellt hat,
nicht einverstanden. Eine Summe von 50 Millionen Euro plus X allein für
die 2. Bewerbungsphase zu garantieren, wobei X eine undefinierte Größe
darstellt, ist unverantwortlich. Diesen Beschluss des Stadtrates wollen wir
mit dem Bürgerbegehren zu Fall bringen.
Terz: Warum sollten Düsseldorfer/innen, die nicht in Lörick wohnen,
das Bürgerbegehren unterzeichnen?
A: Weil das Geld für die Olympiabewerbung in sinnvollere Projekte fließen
soll. Weil derzeit 21 Mitarbeiter im Sozialamt weggespart werden sollen, weil
an Ehrenamtlichen-Aufwandsentschädigungen, Turnhallen-Renovierungen und
im gesamten Breitensport gespart wird - für Olympia. Und weil sowohl in
der Hochkultur als auch bei kleinen Kulturinitiativen gespart wird, gleichzeitig
aber eine großmannsüchtige Planung für ein Olympiaprojekt existiert,
bei dem aller Wahrscheinlichkeit nach die Ausgaben verschleudert, vergeudet
werden.
Terz: Welche Erfahrungen haben Sie im Umgang mit Politik und Medien gemacht?
A: Unterschiedliche. Es gibt Politiker und Medienvertreter, die fair mit uns
und unseren Anliegen umgehen. Aber die Interessen, die gegen uns stehen, sind
massiv. (Olympia ist schon jetzt ein Geschäft für Werbeagenturen und
PR-Menschen.) Wenn man eine Bevölkerung "mit dem Virus der Begeisterung
infizieren" will, wie sich ein hochgestellter Olympia-Befürworter
ausdrückte, dann müssen dazu ganz hübsche Summen in Werbung investiert
werden. Für einige Wenige ist Olympia schon heute eine Geldmaschine. Wir
als Aktionsbündnis sind für Sport. Aber nicht für Olympia in
Düsseldorf unter diesen finanziellen, sozialen, städtebaulichen und
umweltfeindlichen Bedingungen.
Terz: Was passiert, wenn Düsseldorf vom NOK auserwählt wird ?
A: Dann gehen die Proteste weiter. Unsere Inhalte werden dann ja noch wichtiger
als vorher. Selbst wenn sich Düsseldorf gegen die internationalen Mitbewerber
durchsetzen sollte, gehen die Proteste weiter. Die Sportler, die Olympiafunktionäre,
die Medienvertreter - sie alle sollen auch während eventueller olympischer
Spiele in Düsseldorf zur Kenntnis nehmen müssen, dass diese Spiele
gegen den Protest einer großen Anzahl von Menschen erzwungen worden sind.
Aber wir denken, dass es gar nicht soweit kommt.
www.terz.org - 25.2.2003