Der Mann ist ein Held, da sind sich fast alle einig. Und schließlich ist das ja auch belegt': Dem Jagd- und Kampfflieger wurde sogar die "Tapferkeitsauszeichnung", das "Ritterkreuz", verliehen. Ein mutiger Draufgänger. Und erfolgreich oberdrein. Und deshalb beliebt. So beliebt, dass ihm zu Ehren kürzlich im extrem rechten Verlag "Vox Libri" aus Nettetal ein "Hörbuch" in Form einer Doppel-CD erschien. Titel: "Hajo Herrmann. >>Kleine Odysee<< der Luftangriff auf den Hafen von Piräus". Der Held persönlich spricht in dem "Hörbuch", welches als Thema das Kapitel "Kurze Odyssee" seines Buches "Bewegtes Leben. Kampf- und Jagdflieger von 1935-1945" hat, das Vorwort. Es geht um seinen Einsatz in Griechenland im April 1941. Damals habe er gegen den Einsatzbefehl, so die NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" (DS, 12/2003), "zwei 250 Kg-Bomben zusätzlich" geladen und einen alliierten Munitionsfrachter versenkt. "Mit einer Explosion nuklearen Ausmaßes wird der ganze Hafen zerstört, selbst in Athen werden von der Druckwelle Türen und Fenster eingedrückt." Und ebenso Menschen, Wohnbevölkerung, aber davon liest und hört man bei Herrmann und seinen Verehrern nichts. Auch das Bundesorgan der REPs, "Der Republikaner", ist voll des Lobes: "Seinem persönlichen Einsatz ist es zu verdanken, daß Berlin nicht von einem bis zum anderen Ende in Schutt und Asche' gelegt werden konnte". Auf den CD werde "ohne falsches Pathos [...] ethisches Soldatentum vorgestellt [...], das in Selbstverantwortlichkeit, mit Mut, Können und einem Quentchen Glück am großen Auftrag mitwirkt."
Kampf gegen die "Zumutung von Versailles"
Früh schon hatte er angefangen, der in Kiel aufgewachsene Held. "Bereits
[...] 1935 wurde Herrmann zum Leutnant der Luftwaffe befördert. Seine ersten
Kampfeinsätze hatte er 1936/37 in Spanien. Hier flog er in den Reihen der
Legion Condor gegen den Bolschewismus", schreibt Ralph Tegethoff in der
DS (8/2003).
Am 1. September 1939 flog Herrmann dann "an der Spitze einer Staffel [...]
über die polnische Grenze. Der Krieg begann, in dem wir den ersten Schuß
feuerten, die erste Bombe warfen, um Gewalt zu zerbrechen", berichtete
der Held 47 Jahre später. Die "Gewalt", die er zu "zerbrechen"
trachtete, war die "Zumutung von Versailles". Die Polen hätten
zuvor jedwede "friedliche Lösung" verweigert. Notwehr also...
Herrmann kam schnell zu militärischen Ehren, flog bis 1942 über 300
Einsätze über Spanien, England, Norwegen und Griechenland, rückte
dann 1942 auf in Hitlers Luftwaffenführungstab und wurde zum Vertrauten
Görings. Eine besondere Rolle kam ihm ab Sommer 1942 bei der "Reichsverteidigung",
insbesondere von Berlin zu. Nicht zuletzt durch seine Entwicklung und Anwendung
eines unkonventionellen Nachtjagdverfahrens - wegen seiner draufgängerischen
Praxis "Wilde Sau" genannt - gelang es den Nazis, das immer wieder
von englischen Bomberverbänden angeflogene und 1944 von Zerstörung
bedrohte Berlin noch über ein Jahr zu halten und damit die Kapitulation
hinauszuzögern - mit allen Konsequenzen, die das für die Opfer des
NS hatte. Aber selbst ein Held wie Herrmann konnte die "große Niederlage"
letztendlich nicht verhindern. "Admiral Dönitz verkündete: Der
Führer ist in Berlin gefallen.' [...] Was war das Reich ohne ihn? Es blieb
das Reich. Wir sind noch da. Also weitermachen!"
Eisige Kälte und Aufbau einer neuen Existenz
Herrmann machte weiter. Zunächst aber war eisige Kälte angesagt, unter
anderen in Workuta, 120 km nördlich des Polarkreises. Nach zehn Jahren
in Kriegsgefangenschaft ging es dann 1955 zurück ins "Vaterland."
Herrmann nahm nun ein Jura-Studium auf, mit dem er schon vor seiner militärischen
Laufbahn geliebäugelt hatte. 1965 ließ er sich als Rechtsanwalt in
Düsseldorf nieder, wo er auch heute noch lebt.
Über Herrmanns Aktivitäten in den folgenden 20 Jahren ist wenig bekannt.
Ein besonderes Anliegen schien es ihm aber schon damals zu sein, "Geschichtsverfälschungen"
zu Leibe zu rücken. Gegen Zivilisten sei man zum Beispiel nie vorgegangen.
"Warum werden Menschen vor aller Augen aufgehängt?", so Herrmann
später einmal in einem Interview mit der "Deutschen Militärzeitung"
(DMZ, Nr. 20, Januar-März 2000). "Der Kundige weiß: Die Partisanen
in Zivilkleidung haben deutsche Soldaten hinterrücks ermordet".
1986, inzwischen 73 Jahre alt, meldete sich Herrmann mit einem über 400-seitigen
Buch, "Bewegtes Leben", zu Wort: Der Autor habe lange "geschwiegen
und Historikern und Instituten geholfen. Nun erzählt er selbst, wie es
wirklich war...", heißt es im Klappentext. Zwei Jahre später
folgte ein zweites Buch: "Als die Jagd zu Ende war. Mein Flug in die sowjetische
Gefangenschaft", 2003 bereits in achter, erweiterter Auflage bei "Universitas"
erschienen. "Herrmanns Bericht ist eine packende und erschütternde,
auch gut geschriebene Schilderung der Leiden deutscher Kriegsgefangener in der
Sowjetunion", lobt die konservative "Rheinische Post" das "aufwühlende
Werk".
Herrmann und die "Auschwitz-Lüge"
In den achtziger und neunziger Jahren machte sich Herrmann als Strafverteidiger
von exponierten Holocaust-Leugnern einen Namen. Er trat unter anderem auf in
Prozessen gegen den englischen "Historiker" David Irving, Otto Ernst
Remer, den us-amerikanischen "Gaskammer-Experten" Fred Leuchter, Ernst
Günter Kögel im Remscheider Auschwitzlüge-Prozess" sowie
Günter Demolsky und Werner Gebhardt im Bochumer Verfahren. Im Mai 1991
gab er bei Walter Lüftl, dem damaligen Präsidenten der Österreichischen
Bundesingenieurkammer, ein Gutachten "über die angeblichen Vergasungen
von Menschen während des Krieges in den Konzentrationslagern Auschwitz
1+2 [...]" in Auftrag. Mit der Erstellung eines weiteren Gutachtens beauftragte
er den Diplom-Chemiker Germar Rudolf (verheiratet Germar Scheerer), der daraufhin
das "Rudolf-Gutachten" anfertigte, das den vermeintlich "wissenschaftlichen
Beweis" lieferte, dass es keine Vernichtung durch Gas in Auschwitz gegeben
habe.
"In rechtsradikalen Kreisen ist Hajo Herrmann eine erste Adresse. [...]
Der Oberst a.D. [...] muss allerdings selbst mit einer Anklage rechnen. Gegen
ihn, so bestätigte Staatsanwalt Hans-Heiko Klein, läuft ein Ermittlungsverfahren
wegen Volksverhetzung", berichtete die "Rhein-Neckar-Zeitung"
am 9. September 1994 über den Mannheimer Prozess gegen Leuchter. Herrmann
soll in einer Haftbeschwerde das folgende formuliert haben: "Die Behauptung
des Angeschuldigten, in Auschwitz habe es keine Gaskammern gegeben, trifft zu."
Damit verhöhne auch Herrmann "das Leid der Opfer im Konzentrationslager
Auschwitz". Herrmann äußerte sich in einer "Presseerklärung
der Verteidigung" dahingehend, dass "zu befürchten" sei,
"daß sich das Gericht im Schuldspruch [...] nicht frei fühlen
könnte." Weswegen Leuchter sich vermutlich "nicht stellen"
werde. Und so kam es dann auch: Leuchter war die Sache zu heiß geworden.
Gegen 20.000 DM Kaution auf freien Fuß gesetzt, machte er sich aus dem
Staub.
Bei derartiger Betätigung würde es also nicht erstaunen, wenn Herrmann
bei der rechtlichen Beratung des unter anderem von Horst Mahler initiierten
neuen Projektes der Auschwitzleugner, dem "Verein zur Rehabilitierung der
wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten", und bei deren aktuellen Selbstanzeige-Kampagne
hilfreich zur Seite stehen würde. Der offenbar ebenfalls interessierte
und finanzkräftige Solinger Bauunternehmer Günther Kissel, lud ihn
auch prompt - nebst Mahler und anderen - für den 19. August 2003 zu einer
Besprechung in sein Privathaus ein (siehe LOTTA Nr. 15, S. 28 und Antifa-Infoblatt
Nr. 61, S. 54-55).
Herrmann bei der "Truppe"
Aber Herrmann wird nicht nur vom äußerst rechten Rand der Gesellschaft
hofiert. Auch in Bundeswehrkasernen ist er offenbar gern gesehen. "Auf
Initiative des Militärhistorischen Arbeitskreises der RK Ratingen im VdRBw
und der Sektion Düsseldorf-Münster der Deutschen Gesellschaft für
Wehrtechnik (DWT) hielt Oberst a.D. Hajo Herrmann am 28.02.2002 in der Bergischen
Kaserne in Düsseldorf einen Vortrag über seine persönlichen Erlebnisse".
So steht es auf der Homepage des "Militärhistorischen Arbeitskreises
der Reservistenkameradschaft Ratingen im Verband der Reservisten der Deutschen
Bundeswehr e.V." (Mil.Hist. Arbeitsgr. RK Ratingen im VdRBW). Autoren des
Berichtes über den Vortrag, "der mit übermäßigem Beifall
seinen Abschluß fand": "Sektionsleiter" Dipl. oec. Ralph
W. Göhlert sowie Robert Neber, VdRBW-Pressebeauftragter.
"Zurück nach Workuta"
"War ich [...] ein politischer Soldat?" frug Herrmann 1986 rückblickend:
"Was sonst!" Auch heute noch mischt er emsig mit. Und niemand kam
ihm am Boden bisher ernsthaft in die Quere. Wirklich niemand? Während seiner
Gefangenschaft und nach einer bitter kalten Zeit nördlich des Polarkreises
endlich in eine südlichere warme Region verlegt, "grünte die
Hoffnung der Heimkehr", erinnert sich Herrmann. Zu früh gefreut: "Der
Politoffizier eröffnete mir, daß ich innerhalb einer Viertelstunde
meine Sachen zu packen [...] hätte". Ein "Antifalümmel am
Lagertor" verriet ihm "verheißungsvoll" das Ziel der anstehenden
Reise: "Zurück nach Workuta".
www.terz.org - 25.2.2004