RechtsRock in
Düsseldorf
20 Monate ist es her, dass
antifaschistische Gruppen aus
Düsseldorf und dem Umland in den Stadtteilen Eller und Lierenfeld
mit
Veranstaltungen, Flugblättern und einer Demonstration auf das
Treiben der
RechtsRock-Bands „Reichswehr“, „Eskil“ und „Barking Dogs“ aufmerksam
gemacht
und zum Widerstand gegen diese aufgerufen hatten. Mittlerweile
ist es wieder ruhiger um das
Thema geworden. Im folgenden der Versuch einer kurzen Bestandsaufnahme.
„Reichswehr“
im Tiefschlaf
„Vor kurzem hat
unser Schlagzeuger zu Oidoxie gewechselt.
Somit werden wir erstmal eine Pause machen“, heißt es auf der
„Heimatseite“ von
„Reichswehr“, die seit dem Erscheinen ihrer zweiten CD („Irgendwann
einmal“)
Anfang letzten Jahres kaum noch gepflegt wird. Die Rede ist vom
fahnenflüchtigen Dennis Heinrich Jörißen, der 2003 bei
der Dortmunder RechtsRock-Band
„Oidoxie“ anheuerte. Offenbar scheint „Reichswehr“ um die beiden
Brüder Dennis
und Thomas Wichrowski trotz mehrerer Anläufe bis heute keinen
Ersatz gefunden
zu haben, und auch die Notlösung, Konzertauftritte mit
Aushilfsdrummern anderer
Bands abzuwickeln, scheint inzwischen wieder aufgegeben worden zu sein.
„Eskil“
vor der Selbstauflösung
Gar
auflösen möchte sich die Band „Eskil“ um das frühere
Mitglied der „Jungen Nationaldemokraten“ Dennis Ansgar Seegers, der
später in
den Kreisen der neonazistischen „Freien Kameradschaften“ und als
Ortsvorsitzender Mettmann der
„Schill-Partei“ anzutreffen war. Zeitweise probte „Eskil“ im
Lierenfelder
Proberaumbunker, bis antifaschistische Gruppen für ihren Rauswurf
sorgten. Die
Band unterhält bis heute ein Postfach in Eller.
„Ich höre nach über sieben Jahren auf und es muß
sein!“, ließ Seegers
seine Fans ohne Angabe von Gründen wissen, um zugleich auf das
baldige
Erscheinen einer letzten CD mit dem aussagekräftigen Titel „A“
hinzuweisen.
„Barking
Dogs“ in Stimmung
Während die
Jüngeren offensichtlich schlapp machen, scheinen
die Älteren umso aktiver zu sein. Die Düsseldorfer/Krefelder
RechtsRock-Band
„Barking Dogs“ um den Lierenfelder Ingo Wolff, deren aktuelle CD
„Schluss mit
lustig“ erst vor wenigen Wochen von der „Bundesprüfstelle für
jugendgefährdende
Medien“ indiziert worden war (BAnz. Nr. 20 v. 29.01.2005), feierte am
4.
Februar ihr zehnjähriges Bestehen. Konspirativ über
Schleusungspunkte wurden
die Gäste aus dem gesamten Bundesgebiet, einige auch aus dem
Ausland, nach Duisburg-Homberg
gelotst, wo Räumlichkeiten für eine „private Veranstaltung“
im „Aquatower-Club“
angemietet worden waren. Doch nicht alle Eingeladenen hielten sich an
die
Konspirativität. Auf der Homepage der „Bootboys-Bayern“ war sogar
für wenige
Stunden die interne Einladung zu finden. „Ich hoffe ihr seid uns
deswegen nicht
mehr böse“, baten die Übeltäter später die „Barking
Dogs“ im Internet um Gnade.
Im Gegensatz zu so manchem anderen Konzert in letzter Zeit, klappte es
aber
trotz dieses Patzers. Die Polizei beschränkte sich auf die
Beobachtung der
Veranstaltung, und der Vermieter schien keinerlei Probleme mit dem
Event zu
haben. Und so konnten unter anderem „Selbststeller“ aus Riesa und die
Gastgeber-Band persönlich völlig ungestört auf die
Bühne steigen. An Publikum
hatte sich ein breites Spektrum eingefunden, das von Neonazis bis in
den
Punk-Bereich hineinreichte. Insgesamt sollen Eigenangaben der „Barking
Dogs“
zufolge 350 Personen an der Party teilgenommen haben. „Es wären
sicher manche
[...] darüber erstaunt gewesen, was sich alles für Leute dort
eingefunden
haben. Zum Bild eines ‚Reichsparteitages’ [...] hätte es
jedenfalls garnicht
gepasst,“ sonderte später einer der Gäste im Internet ab. Und
in Richtung
Antifa gewandt: „Aber für alle Beteiligten (und vor allem für
Eure Gesundheit) war
es sicher besser, daß Ihr einfach zuhause geblieben seid.“ Was
bei dem
derzeitigen Zustand der Antifa sicherlich keine abwegige
Einschätzung ist...
„Verstärkung“
naht
Gleich zwei
Debüt-CDs einer Band „Verstärkung“ werden seit
einiger Zeit beim Hildener „Rock Nord“-Versand angeboten. Die als
„junge
Düsseldorfer Band aus dem Untergrund“ vorgestellte Band ist
merkwürdigerweise
bislang noch nie öffentlich in Erscheinung getreten. Die
Aufmachung der im
Doppelpack angebotenen CDs „Stiefelhagel“ und „Wie ein Traum“
ähnelt den alten
Produkten aus dem ehemaligen Hause Torsten Lemmers. Nach einer
Labelangabe
sucht man vergebens, es handelt sich offenbar um eine Eigenproduktion
von „Rock
Nord“. „Das Tempo ist zwar dann und wann etwas gezügelt, jedoch
bügeln die Aussagen
alles platt, was nicht bei drei im Autonomen Jugendzentrum ist“,
heißt in einer Lobpreisung auf die Band
bei „Rock Nord“.
Fazit
Mit Ausnahme der
„Barking Dogs“ können die Aktivitäten
Düsseldorfer RechtsRock-Bands derzeitig als recht mäßig
bezeichnet werden,
insbesondere was ihre öffentliche Wahrnehmbarkeit, z.B. über
Auftritte
betrifft. Dafür aber scheint das Problem „Barking Dogs“ immer
größer zu werden.
Offenbar gelingt es der Band immer besser, trotz ihres extrem rechten
Hintergrundes und trotz antifaschistischer Öffentlichkeitsarbeit,
ein immer
größeres Publikum anzusprechen, das weit über die
klassische RechtsRock-Szene
hinausreicht. Und so kursiert selbst in sich als links verstehenden
subkulturellen Kreisen immer häufiger die Mär, dass sich die
Band von der
extremen Rechten losgesagt hätte und nunmehr lediglich eine
unpolitische
„Party-Skinband“ sei. Die RechtsRock-Szene wird das freuen,
schließlich gelingt
es ihr so, ein breiteres Publikum als zuvor
anzusprechen.
Antifaschistisches
AutorInnenkollektiv
www.terz.org - 23.02.2005