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Antifaschistische Aktivitäten und Neues aus der Naziszene |
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Der Angriff hatte in Düsseldorf den Sommer der "Anständigen" eingeläutet: Drei Wochen vor dem Sprengstoffanschlag auf zehn jüdische "Kontigentflüchtlinge" auf dem S-Bahnhof Wehrhahn hatte am 3.7. des Vorjahres eine siebenköpfige Gruppe neonazistischer Skinheads auf dem S-Bahnhof Derendorf zwei Migranten rassistisch angepöbelt und anschließend angegriffen. Das große Wort hierbei schwang der 19jährige Leverkusener Dennis Volk. Ismail A. wurde von dem 18jährigen Dennis Heinrich Jörißen aus Mönchengladbach auf die Schienen getreten. Nur mit Hilfe seines Freundes gelang es ihm, wieder auf den Bahnsteig zu klettern. Sofort setzten die Düsseldorfer Brüder Dennis und Thomas Wichrowski sowie der Langenfelder Marco Nehring nach, traten auf ihn ein und griffen seinen Freund mit einer Eisenstange an. Ismail mußte zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert werden, verlor aufgrund seiner Arbeitsunfähigkeit seinen Job und leidet noch heute psychisch unter dem Angriff. Die Täter wurden nach ihrer Festnahme und Vernehmung sofort wieder entlassen. Ein versuchtes Tötungsdelikt konnte die Staatsanwaltschaft damals nicht erkennen, da weit und breit kein Zug in der Nähe gewesen sei. Erst über neun Monate später, nachdem der Angriff vollkommen aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden war, wurde am 14.3. das Verfahren gegen die fünf männlichen Täter, allesamt Mitglieder der neonazistischen Nachwuchsband "Reichswehr", die in der Nähe des S-Bahnhofs Derendorf einen Proberaum unterhielten, eröffnet. Keine sechs Stunden später wurde bereits das Urteil gesprochen, ohne vorher - wie so oft - die neonazistischen Strukturen zu beleuchten, in denen die Angeklagten eingebunden sind. Das Ergebnis waren 18 Monate auf Bewährung und ein wenig Nachschlag in Form von Geldstrafen und Sozialstunden. Alle Angeklagten hatten vor Gericht angesichts der drohenden Haftstrafe Kreide gefressen, entschuldigten sich bei den Opfern und waren geständig. Einige wollten "nur so mitgemacht", andere sich zwischenzeitlich von ihrem neonazistischen Freundeskreis distanziert haben. Offensichtlich hatte der Freundeskreis von dieser Distanzierung noch keine Kenntnis bekommen. So war er zahlreich im Publikum vertreten, darunter auch "Düsseldorfer Beobachter" der "Kameradschaft". |
Reichswehr-Prozeß |
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14 Neonaziaufmärsche mit TeilnehmerInnenzahlen zwischen 120 und
1.000: So lautet die Bilanz in NRW seit September 1998. Und dieser Trend
scheint noch anzuhalten. Zu verlockend ist das Angebot an bekennende Nationalsozialisten,
deren politisches Ziel nichts geringeres als die Aufhebung des NSDAP-Verbots
ist, legal, gut geschützt und Hetzparolen skandierend durch die Städte
zu ziehen. Was mit der JN-Demonstration am 12.9.1998 in Münster gestartet
wurde, hat sich inzwischen zu einem regelmäßigen Procedere
entwickelt. Mindestens einmal pro Monat stehen irgendwo in NRW Neonazis
- zumeist aus dem Spektrum der "Freien Kameradschaften - auf der
Straße. Die jüngste Aktion fand vor wenigen Tagen am 24. März
statt. Nachdem zuvor 150 Neonazis unter dem Motto "Gegen die Kriminalisierung
nationaler Deutscher und Niederländer" im niederländischen
Kerkrade demonstrieren waren, fanden sich 120 von ihnen einige Stunden
später erneut zu einer Kundgebung im zwischen Aachen und Herzogenrath
gelegenen Vorort Würselen-Broichweiden ein. Der eigentliche Plan,
vom grenznahen Herzogenrath aus nach Kerkrade zu marschieren, konnte jedoch
nicht umgesetzt werden. Zwar hatte das Verwaltungsgericht in Maastricht
das Demonstrationsverbot der Stadt Kerkrade aufgehoben und auch das Bundesverfassungsgericht
das von mehreren Verwal-tungsgerichtsinstanzen bestätigte Verbot
des Aachener Polizeipräsidenten kassiert, doch erlaubten die nicht
zuletzt aufgrund der antifaschistischen Gegenmobilisierung erlassenen
polizeilichen Auflagen lediglich eine 20minütige Demonstration in
Kerkrade und eine ebenso lange' Kundgebung in Würselen-Broichweiden,
beide nahezu unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Anmelder beider
Veranstaltungen war der Jüchener Christian Malcoci, der 2002 für
die "Nederlandse Volks-Unie" (NVU) zu den niederländischen
Kommunalwahlen antreten wird (siehe TERZ 3/2001). An den Aktionen sollen
auch Neonazis aus Düsseldorf und dem Kreis Mettmann teilgenommen
haben. |
Sie marschieren noch... |
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Auch die Mettmanner Neonaziszene fühlt sich "kriminalisiert". In einem Flugblatt, das Mitte März vor einem Konzert gegen Rechts im Haus der Jugend in Mettmann verteilt wurde, beschwert sich der "Widerstand in Mettmann" darüber, daß "deutsch denkende Bürger" als "vogelfrei im eigenen Land" erklärt worden seien. Verantwortlich im Sinne des Presserechts für das Flugblatt zeichnet der 22jährige Mettmanner Dennis-Ansgar Seegers. 1998 noch Mitglied der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" hat er seine politische Heimat zwischenzeitlich bei "Freien Kameradschaften" gefunden. Seegers, der auf kaum einem neonazistischen Aufmarsch fehlt, unterhält gute Kontakte zur "Kameradschaft Düsseldorf" und zur neonazistischen Szene in Velbert. |
Entrüstete Nazis in Mettmann |