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Der Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge und die Verharmlosung des Antisemitismus |
"Araber verurteilt", das "Ansehen Deutschlands" wiederhergestellt? Der groß geforderte "Nationalstolz" ist in Deutschland ohne Antisemitismus und faschistische Parolen nicht zu haben... |
| Einen "Aufstand der Anständigen"
verkündete der deutsche Kanzler - bekennender "Patriot" -
nach dem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge. Verübt wurde
jener von zwei Düsseldorfern: einem deutschen Staatsbürger und
einem staatenlosen Jordanier. Der Angeklagte Khalid Z., 20 Jahre, ist Deutscher marokkanischer Herkunft und auch der andere Brandsatz-Werfer, der 19-jährige Belal T., lebt seit 15 Jahren in Deutschland. In der Presse gelten beide dennoch als "Ausländer". Belal T., dessen Vater vor der Übersiedlung nach Deutschland als sog. PLO-Soldat diente, ist nun zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. - Ein äußerst mildes Urteil, das vom Zentralrat der Juden in Deutschland dementsprechend scharf kritisiert wurde. Das Gericht beurteilte den Brandanschlag als eine "Sachbeschädigung". Es sei dem Angeklagten nicht nachzuweisen, daß er - trotz eines vorher geworfenen Steins auf das Glasportal im Eingangsbereich der Synagoge - mit den geworfenen Brandsätzen wirklich die Synagoge habe anzünden wollen. Die Staatsanwaltschaft will in Revision gehen. Sie forderte ein Jahr und zehn Monate ohne Bewährung als Strafmaß. Auch wenn vergleichbare Prozesse gegen Linke in diesem Lande in der Regel ziemlich anders ausfallen: Uns sollte hierbei nicht in erster Linie ein "gerechtes" oder "ungerechtes" Strafmaß bürgerlicher Justiz interessieren. Wesentlich bedeutender und entlarvender sind die Interpretationen und Deutungen von Justiz, Politik und Presse zu diesem Prozess. |
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Faktisch handelt es sich bei den Brandsatz-Werfern auf die jüdische
Synagoge um gewalttätige Antisemiten, bei denen Hitler-Bilder und
faschistisches Propagandamaterial sichergestellt wurde. Beide waren zudem
an einem Angriff auf die ehemalige jüdische Synagoge in Essen beteiligt.
Zudem ist jeder Brandanschlag auf jüdische Gotteshäuser in Deutschland,
der mit Verweis auf politische Geschehnisse in Israel begründet wird,
als Antisemitismus in faschistischer Kontinuität zu kennzeichnen.
Genau dies jedoch wird durch das Prozessurteil und dessen medialer Rezeption
verschleiert und - aus "nationalem Interesse" - verharmlost.
"Deutschland", so der Pressetenor, sei nun erwiesenermaßen
zu Unrecht "am Pranger"; folgerichtig sieht die Rheinische Post
die Landeshauptstadt "in einer ähnlichen Lage wie Sebnitz"
- der trotzige Nationalismus macht sich Luft in der bürgerlichen
"Mitte". |
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Bei der Verwüstung der als Gedenkstätte genutzten ehemaligen
Synagoge in Essen am 7.10.2000 zu den angekündigten sog. "Tagen
des Zorns" waren neben palästinensischen auch türkische
Flaggen und Embleme der Organisation des Kölner Islamisten Kaplan
zu sehen. Unter den Verhafteten befanden sich zudem auch "Personen
mit deutschem Namen", wie die Polizei meldete. Auch der PLO-Vertreter
in der BRD, Abdallah Frangi, demonstrierte die fehlenden Berührungsängste
zwischen PLO und deutschen Rechtsextremisten und gab der rechtsextremen
Wochenzeitung "Junge Freiheit" ein Interview. Frangi stimmte
in die rechten Entlastungsparolen mit dem Vergleich zwischen Israel und
den Nazis ein und erklärte: "Wenn Scharon auf den Tempelberg
geht, ist das, als ob ein Nazi mit dem Hakenkreuz in die Synagoge geht."
(taz 9.12.2000) |
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Hier zeigt sich der wahnhafte Antisemitismus in Reinform. Gegen die herbeihallizunierte
"jüdische Weltverschwörung" wird von den Neonazis
der völkische Antiimperialismus in einer Front mit Islamisten und
PLO ausgerufen. |
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Auch die vielbeschworene politische "Mitte" hat es nun wieder heftig mit dem "Stolz-Sein". Die Neonazi-Parolen der 70er und 80er Jahre sind jetzt zu Bekenner-Parolen der etablierten Politik geworden - eine Volksfront stolzer Deutscher. Dieser nationalistische Bekenntniszwang hat sehr viel zu tun mit der Bagatellisierung des rassistischen Normalzustandes in diesem Lande. Gewalttätige Rassisten und Antisemiten müssen zu störenden Randerscheinungen eines an sich als unhinterfragbaren Ganzen - der deutschen Nation - definiert werden. Der Extremismus der Mitte - er darf nicht angetastet werden, denn er konterkariert den "Aufstand der Anständigen". Denn diese "Anständigen" - die Mayers, Schröders und Stoibers - sind es, die ihr Patriotismus- und Nationalbekenntnis unter Maßgabe der "Entsorgung der Vergangenheit", der Ethnisierung sozialer Prozesse und mit staatlichem Rassismus unverblümt verkünden. "Die Deutschen müssen sich selbst die Frage beantworten, ob sie unbefangen mit dem Begriff des stolzen Deutschen umgehen wollen", merkte jüngst der israelische Botschafter Schimon Stein zur aktuellen Debatte an. Die Antwort darauf ist im Umgang mit Antisemitismus in diesem Lande genauso deutlich erkennbar wie in der Verkündung von Skinhead-Parolen durch die etablierte Politik. |