"Für unser Fest ist nichts zu teuer, 10.000 Juden für ein Freudenfeuer" singt die Band "Weisse Wölfe" aus dem sauerländischen Arnsberg laut einer Pressemitteilung der "LOTTA - antifaschistische Zeitschrift aus NRW" vom 11. März auf ihrer CD "Weisse Wut" (vgl.: www.free.de/lotta). Um dann gleich dreimal ihren Refrain zu schmettern: "Sie tun unserer Ehre weh. Unsere Antwort: Zyklon B". Die anderen Liedtexte passen sich diesem Niveau an. CD-Cover und -Booklet sind mit FAP-Fahnen, Hakenkreuzen, vermummten und bewaffneten Gestalten, sowie dem Schriftzug "Gas hat Zukunft" versehen. Eine heutzutage ungewohnt deutliche Sprache für eine deutsche RechtsRock-Band. Doch ganz so einfach möchten es auch die "Weissen Wölfe" der deutschen Justiz nicht machen. Vertrieben wird die CD nämlich von Dänemark aus. "Die Band [...] ist mit der Einführung dieser CD in die Bundesrepublik Deutschland nicht einverstanden", heißt es zur eigenen Absicherung im Booklet. Offensichtlich aus Verjährungsgründen wurde sogar das Produktionsdatum auf 1997 zurückdatiert, wahrnehmbar erschienen ist die CD allerdings erst im Sommer 2002. Die CD ist zudem problemlos auch von Deutschland aus erhältlich.
Braune Personalunion und die Antwort der VVN
Als Live-Band treten die "Weissen Wölfe" schon seit mehreren
Jahren in Erscheinung. Sehr oft zusammen mit der Dortmunder Gruppe "Oidoxie".
Von den Dortmunder Ermittlungsbehörden wird nach dem Erscheinen eines Artikels
in der LOTTA (Nr. 11, Winter 2002/2003) derzeit die Zulässigkeit eines
Strafverfahrens wegen der Präsentation des verbotenen "Hakenkreuzliedes"
auf der 5. Ausgabe der finnischen Videoproduktion "Kriegsberichter"
gegen die "Oidoxie"-Mitglieder geprüft (vgl. auch TERZ 3/03).
Die häufigen gemeinsamen Auftritte der Bands verwundern nicht. Schaut man
sich das Personal der "Weissen Wölfe" um deren Frontmann Stjepan
Jus an, trifft man auf die beiden dienstältesten "Oidoxie"-Musiker,
Marko Gottschalk aus Dortmund-Brechten und Dennis Linsenbarth aus Werne, die
sich bei Auftritten als Drummer und Bassist betätigen. So zum Beispiel
bei einem Konzert der belgischen "Blood & Honour Division Vlaanderen"
am 8.12.01. Von belgischen und deutschen Neonazis wurden seinerzeit Fotoaufnahmen
dieses Auftritts in das "Weltnetz" gestellt, auf denen die beiden
"Oidoxie"-Musiker deutlich erkennbar sind. Mindestens Gottschalk dürfte
der Stammbesetzung der "Weissen Wölfe" angehören.
Der NRW-Landessprecher der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA), der 79-jährige
Düsseldorfer Jupp Angenfort, reagierte am 5. März auf das zögerliche
Vorgehen der Ermittlungsbehörden mit dem Einreichen einer "Strafanzeige
gegen alle Mitglieder der [...] Bands Oidoxie' [...] sowie [...] Weisse
Wölfe'" bei der Staatsanwaltschaft Dortmund. Angenfort verwies in
seinem Schreiben auf das "erhebliche öffentliche Interesse" in
dieser Angelegenheit. Ein Interesse, das angesichts der im Herbst anstehenden
Präsentation der Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht in
Dortmund in nächster Zeit wohl kaum abklingen wird, zumal die Neonazi-Szene
im zentralen und östlichen Ruhrgebiet derzeitig keine Gelegenheit ungenutzt
lässt, Demonstrationen in der Region durchzuführen. Erst am 20. März,
also zu Kriegsbeginn, fand in Essen wieder eine 150-köpfige gemeinsame
Demonstration von NPD/JN und "Freien Kameradschaften" statt. Motto:
"Kein Blut für Öl!". An dieser Demonstration beteiligten
sich auch Neonazis aus Düsseldorf und dem Kreis Mettmann, darunter Sven
Skoda, der sich in letzter Zeit kaum noch auf Demonstrationen in NRW hat blicken
lassen. Zwei Demonstrationen und fünf "stationäre Kundgebungen"
zum "Ehrenschutz der deutschen Wehrmacht" hat die "Völkisch
orientierte Gemeinschaft" (VOG) Dortmund schon jetzt für den Zeitraum
20.9. bis 1.11.03 auf ihrer "Heimatseite im Weltnetz" angekündigt.
Und eine weitere Demonstration mit "Oidoxie"-Liveauftritt soll laut
"Heimatseite" des "Kampfbund Deutscher Sozialisten -Stützpunkt
Essen" (KDS Essen) für April in Bochum anvisiert sein. Und "Oidoxie"
weiss die "Nationale Jugend" zu begeistern. Zuletzt hatten in Dortmund
am 16.3.02 ca. 1.300 Neonazis ein RechtsRock-Konzert mit "Oidoxie"
und anderen Bands besucht.
Schlapphüte gegen RechtsRock?
Auch der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz scheint sich neuerdings
stark für das Thema RechtsRock zu interessieren. Dieses Interesse gilt
aber offensichtlich weniger den neonazistischen Bands, als vielmehr der laufenden
NRW-weiten antifaschistischen Kampagne "Kein Raum der Nazi-Musik! We will
rock you - tour 2002" (www.antifa-nrw.de/rero). Nicht weniger als zehn
AntifaschistInnen aus dem Ruhrgebiet bekamen Mitte März laut einer Pressemitteilung
antifaschistischer Gruppen aus NRW vom 23.3.03 unangemeldeten Besuch von Damen
und Herren des Landesinnenministeriums, die das "Gespräch" über
RechtsRock suchten, schließlich würde es hier ja "ein gemeinsames
Anliegen" geben. Bei weiteren AntifaschistInnen belästigten die Schlapphüte
in Abwesenheit der gewünschten "Gesprächs"partnerInnen MitbewohnerInnen
bzw. Eltern. In allen Fällen wurde eine Kooperation mit dem VS jedoch verweigert.
Die konsequente Fortführung der Kampagne bleibt der Pressemitteilung der
Antifa zufolge von diesen Vorkommnissen aber unbeeinflusst. Die Antifa-Gruppen
rufen sogar zur vermehrten Beteiligung auf, sowie dazu, dem VS jedwedes "Gespräch"
konsequent zu verweigern und jeden Anwerbeversuch sofort öffentlich zu
machen.
"we will rock you!"
Termine und Hintergrundinformationen zur antifaschistischen Kampagne können
über www.antifa-nrw.de/rero in Erfahrung gebracht werden. Am 5. April z.B.
steht eine Demonstration u.a. gegen den neonazistischen Shop "Viking Ship"
in Gelsenkirchen1 an. Treffpunkt ist um 12.00 Uhr in der Fischerstraße
in Gelsenkirchen-Horst. Die VeranstalterInnen bitten um zahlreiche Beteiligung.
PIERRE BRIEGERT
1 In der TERZ-Ausgabe 2/2003 wurde versehentlich der Sitz von "Viking
Ship" mit Essen angegeben. Hier gab es zwar auch einmal einen Laden aus
dem Reich des "Viking Ships", dieser ist aber zwischenzeitlich geschlossen
worden. Der Autor bittet um Nachsicht
www.terz.org - 25.3.2003