Auch in diesem Jahr werden am 1. Mai wieder Millionen von Menschen ihren
Ärger über das Leben im Kapitalismus auf die Straße tragen.
Die Alternativen, die geboten werden, reichen dabei von "Arbeit für
alle!" über "Umverteilen!" bis hin zu "Revolution!".
Der Koordinierungskreis antifaschistischer Gruppen aus Düsseldorf (Antifa-Kok)
ruft gemeinsam mit dem MSB und Café Bunte Bilder am Vorabend der Revolution
zu einer eigenen Demonstration auf:
Es gibt nur eine Lösung: Kapitalismus abschaffen!
Das Leben in den westlichen Industriestaaten ist für die meisten immer
noch besser als anderswo, dennoch wird es auch hier immer unlustiger: Massive
Kürzungen im sozialen Bereich, immer mehr Arbeit für immer weniger
Geld, zunehmende Überwachung und Kontrolle derer, die sich nicht in den
reibungslosen Ablauf der Maschinerie einfügen wollen oder können.
Um den Standort zu retten, müssen alle "den Gürtel enger schnallen".
Die Logik des Marktes durchdringt inzwischen sämtliche gesellschaftlichen
Bereiche: Wer sich bilden will, muss dafür bezahlen, wer eine Krankenversicherung
will, muss demnächst erst einmal nachweisen, dass er kerngesund ist und
sich als Leistungsträger für den deutschen Arbeitsmarkt mit Joggen
und Obstessen fit hält. AsylbewerberInnen dürfen ohnehin nur bleiben,
wenn man einen wirtschaftlichen Nutzen aus ihnen schlagen kann, und diejenigen,
die offensichtlich komplett "nutzlos" geworden sind - die Armen, die
Wohnungslosen, die Junkies - werden weggeräumt, damit der Rest in Ruhe
shoppen kann.
Dass sich gegen solcherlei Zumutungen kaum Widerstand regt, ist eigentlich verwunderlich.
Die allseits gepredigte angebliche Alternativlosigkeit zum bestehenden System
scheint so weit verinnerlicht zu sein, dass ein Aufmucken gar nicht erst in
Erwägung gezogen wird. Der Zwang, seine eigene Arbeitskraft noch zu den
beschissensten Bedingungen zu Markte zu tragen, wird als naturgegeben wahrgenommen
- was soll man sich da groß aufregen?
Und diejenigen, die Widerstand organisieren? Wenn der DGB am 1. Mai mit Forderungen
wie "Arbeit für alle!" auf die Straße geht, klingt das
eher nach Drohung als nach Versprechen. In einem ökonomischen System, das
auf Ausbeutung basiert, die Ausbeutung gerechter verteilen zu wollen, damit
alle was davon abbekommen, erscheint nicht gerade reizvoll ... Eine solche Forderung
ist durch und durch systemstabilisierend, aber bestimmt nicht emanzipatorisch.
Auf die Idee, eine Grundversorgung für alle zu fordern, kommt man in diesen
Kreisen nicht. Aber auch Ansätze, die eine Umverteilung des Reichtums fordern,
greifen zu kurz: Die Forderung nach einer Tobin-Steuer hält an der Vorstellung
fest, ein gerechter Kapitalismus sei möglich. Die positive Bezugnahme auf
den Nationalstaat, der den Einzelnen vor den negativen Auswirkungen eines "entfesselten
globalisierten Kapitalismus" schützen soll, verkennt dabei nicht nur
die zentrale Funktion des bürgerlichen Nationalstaats, dessen Aufgabe es
schon immer gewesen ist, optimale Voraussetzungen für eine möglichst
profitable Kapitalverwertung zu schaffen. Sie öffnet darüber hinaus
nationalistischen Argumentationen die Tür.
Das Einschwören auf die Nation ist in Zeiten wie diesen denn auch die zentrale
Strategie der herrschenden Politik: gemeinsam für das Wohl des Standorts,
ohne Rücksicht auf Verluste. Solange man noch zu denen gehört, die
ökonomisch verwertbar sind, wird darum gekämpft, diese Position zu
halten - Anpassung ist das Gebot der Stunde. Die Identifikation mit "den
Fleißigen", denen die "Sozialschmarotzer" auf der Tasche
liegen, mit "den Deutschen", die sich gegen "Wirtschaftsflüchtlinge"
und "Asylschmarotzer" wehren müssen, und die Identifikation mit
dem Standort, der sich gegen andere durchsetzen muss, bewahrt davor, sich die
grundsätzliche Frage stellen zu müssen, wie das Leben im Kapitalismus
funktioniert und welche Rolle man selbst darin spielt.
Dennoch funktioniert die Maschine nicht ohne Anwendung von Gewalt: Im Landesinneren
durch Überwachung und Kontrolle, international im weitreichendsten Fall
durch Krieg. Dass der Krieg gegen den Irak nicht um Menschenrechte geführt
wird, sondern um politische und ökonomische Macht in der Region, ist inzwischen
eine Binsenweisheit. Und dass die deutsche Bundesregierung derzeit vorgibt,
nicht mitmischen zu wollen, hat nichts mit plötzlich erwachtem Pazifismus
zu tun, sondern mit eben diesem Ringen um politische und ökonomische Macht
in der Region.
Was tun also in Zeiten wie diesen? Da es nie falsch ist, das Richtige zu tun,
ist es nach wie vor Aufgabe der radikalen Linken, die Widerwärtigkeiten
des Status Quo konkret zu benennen und zu bekämpfen. Sich aber allein an
Symptomen abzuarbeiten, ist Zeitverschwendung, denn wer ein besseres Leben will,
muss das Übel bei der Wurzel packen.
GRUPPE REVOLUTIONÄRER VORABEND
Den Widerstand organisieren - Kapitalismus abschaffen!
Kommt zur linksradikalen Demonstration am 30. April. 18 Uhr, Düsseldorf,
Oberbilker Markt.
Jede Revolution hat ihren Vorabend ...
Der komplette Demo-Aufruf demnächst unter www.antifakok.de
www.terz.org - 25.3.2003