Ineinander 4
Und weiter geht es mit dem vierten Heft des außergewöhnlichen
Comics Ineinander. Es ist die Geschichte von Pablo, Kai und Stepha. Noch sind
die verschiedenen Stränge nicht zusammengeführt. Alles geht noch eher
auseinander als ineinander. Ist schon alles verwirrend, aber wunderschön
gemacht. Im vorliegenden Band wird in die Geschichte Werbung anderer Comicverlage
eingebaut, sowie auch Auszüge aus Rezensionen über "Ineinander".
Das ist wirklich nett gemacht. Dirk Schweiger als Autor und Zeichner läßt
sich für jedes neue Heft stilistisch etwas Neues einfallen. Und das macht
Spaß zu lesen und sich anzuschauen. Als Bonbon gibt es eine kleine minimalistische
Zusatzgeschichte des japanischen Zeichners Akinori Oishi.
Wer das Heft in Düsseldorf nicht bekommt, kann es über die Internetadresse
www.eigen-heim.com bzw direkt über
email: info@eigen-heim.com bestellen.
Ineinander 4
Dirk Schweiger
der eigen verlag
36 Seiten für 2.99 Euro
comicDie Macht des Volkes
Mit der Adaption von Jean Vautrins Roman "Die Macht des Volkes" legt
der französische Comic-Künstler Jacques Tardi ein opulentes Werk über
die Pariser Kommune von 1871 vor. Auf drei Bände angelegt, beleuchtet Tardi
die mittlerweile schon fast vergessene kurze Periode der Kommune, die nach 72
Tagen mit einer Niederlage der revolutionären Kräfte und der Erschießung
von 20.000 Kommunarden endete.
Frankreich ist im Krieg mit Deutschland. Im März 1871 stehen die Deutschen
in Kanonenschussweite vor Paris. Das Land ist von Massenstreiks und blutigen
Straßenkämpfen erschüttert. In der Bevölkerung gärt
es. Dies ist natürlich auch der herrschenden Clique um den Präsidenten
Thiers bekannt. Die Niederlage vor Augen, will er die Kanonen, die Paris schützen,
abziehen lassen. Lieber will er sie in die Hände der Deutschen als in die
der revoltierenden Bevölkerung fallen lassen. Diese, bestehend aus einer
heterogenen Interessengemeinschaft aus Bürgertum, Lumpenproletariat und
Künstlern, aber auch aus Kriminellen, erfährt frühzeitig von
den Plänen Thiers' und verhindert sie. Der kurze Frühling der Kommune
beginnt. An diesem Punkt beginnt auch das Comic.
Hauptmann Tarpagnan weigert sich, seine Soldaten auf die Kommunarden schießen
zu lassen. Im Siegestaumel verfällt er der Prostituierten Gabriella Pucci.
Ihr Zuhälter ist Caracole, einer der gefährlichsten Kriminellen von
Paris. Tarpagnan hat ihn übel verhauen - und einer wie Caracole vergisst
so etwas nicht. Der ehemalige Kettensträfling Horace Grondin, der nun als
Polizeispitzel den Regierungstruppen zuarbeitet, glaubt in Tarpagnan den Mörder
seiner Pflegetochter zu erkennen und sinnt auf blutige Rache.
Ein blutiger Reigen mitten im Revolutionsgewimmel hat seinen Anfang genommen.
Geschickt verbindet Tardi Einzelschicksale mit historischen Begebenheiten. Kaum
ein anderer ist so dafür prädestiniert, diese Geschichte aus der Vergangenheit
in Bilder umzusetzen. Seine Schwarz-Weiß-Zeichnungen sind von großer
Detailtreue und haben die wenigen Fotos aus dieser Zeit als Vorlage. Tardi erzählt
die Geschichte extrem dicht und achtet darauf, die Geschehnisse möglichst
authentisch wiederzugeben.
Nur schade, dass erst im Herbst der nächste Band erscheint.
MEIKEL F
Jacques Tardi, Jean Vautrin: Die Macht des Volkes - Die Kanonen
des 18. März
Edition Moderne, 80 Seiten für 17,50 Euro
www.terz.org - 25.3.2003