Der Mythos der antiken olympischen Spiele
Die olympischen Spiele sind einer der erfolgreichsten Mythen der Gegenwart.
Kein anderes Ereignis mit weltweiter Beachtung erfährt eine derartig ungeteilte
Zustimmung, verbindet man doch in aller Welt mit Olympia die sportlichen Blüte
der Antike.
In Wirklichkeit war die klassische griechische Olympiade jedoch keine Sportveranstaltung,
sondern eine politisch-religiöse Feier. Als Sitz eines Orakels, das die
Griechen vor ihren Kriegen befragten, gewannen der Kultort und die damit verbundenen
Spiele an Bedeutung. Mit der Kolonisierung in Italien festigten sie sich als
der Mittelpunkt des griechischen Imperialismus. Olympia wurde der Treffpunkt
einer griechischen Oberschicht, deren Lebensinhalt die Politik und damit verbunden
der Krieg war. Frauen blieben die Spiele genauso verschlossen wie Sklaven, die
die Arbeit in der antiken griechischen Gesellschaft zu verrichten hatten.
Die Spiele der Neuzeit
Es ist diese Symbiose aus Sport und Politik, die den Gründer der olympischen
Spiele der Neuzeit, den französischen Aristokraten Pierre de Coubertin,
inspirierte. Als überzeugter Sozialdarwinist machte er die "Degeneration
des Menschen" dafür verantwortlich, dass es Proletariern und Handwerkern
mit der Pariser Kommune von 1871 kurzzeitig gelungen war, eine frühsozialistische
Gesellschaft aufzubauen. Er sah die von Gott und Natur gewollte Elite bedroht,
suchte einen Rettungsanker für die bürgerlich-elitäre Gesellschaft,
fand ihn im Sport und gründete daher das Internationale Olympische Komitee
(IOC), das seit 1896 die Olympischen Spiele der Neuzeit ausrichtet. Coubertin
machte sich den Lehrsatz "die Muskeln und der Charakter sind für den
am notwendigsten, der die Welt erobern will" zu eigen.
Internationales Olympisches Comittee
Von den 15 Gründungsmitgliedern - unter ihnen natürlich keine einzige
Frau - des IOCs waren fünf Adlige und zwei Generäle. Der Rest stammte
aus dem gehobenen Bürgertum. Diese einseitige Ausrichtung auf eine männliche
Wirtschafts- und Politikelite ist bis heute erhalten. So sind beispielsweise
von den 127 IOC Mitgliedern nur 13 weiblich. Teilweise wird die Mitgliedschaft
wie ein erbbarer Titel an die Kinder und Enkel weitergegeben, denn ausschlaggebend
für die Aufnahme ins IOC sind Status und persönliche Beziehung des
Kandidaten. Die Aufnahme ins IOC erfolgt überwiegend auf Lebenszeit, und
nur ein kleinerer Teil des IOCs wird von internationalen Sportverbänden
und Aktiven gewählt.
Faschistische Spiele von 1936 in Berlin
In ihren Anfangsjahren waren die olympischen Spiele ein gesellschaftliches Randereignis.
Erst in den zwanziger und dreißiger Jahren gewannen sie an gesellschaftlicher
und politischer Bedeutung. Als das Internationale Olympische Komitee die Spiele
am 13. Mai 1931 an Deutschland vergab, wusste noch niemand, dass die Weimarer
Republik 1933 von einem diktatorischen Regime abgelöst werden sollte. Nach
der Machtergreifung der Nationalsozialisten gab es daher vor allem in den USA
und Frankreich Boykottbestrebungen, die von zahlreichen deutschen Emigranten
unterstützt wurden. Die Nationalsozialisten, die den "olympischen
Gedanken der Völkerverständigung" stets als "geistige Verirrung"
abgetan hatten, erkannten die Chance, mittels der Olympischen Spiele einen enormen
Prestigezuwachs im In- und Ausland zu erreichen. Bereits im Sommer 1933 gab
die NS-Regierung daher eine vom IOC geforderte Erklärung ab, die Spiele
stünden "allen Rassen und Konfessionen" offen.
In einer knappen Abstimmung entschied sich die nordamerikanische "Amateur
Athletic Union" im Dezember 1935 gegen einen Boykott der Olympischen Spiele,
die anderen Staaten folgten diesem Beispiel.
Die Spiele wurden unter der Leitung von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels,
dem Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten (1887-1943) und dem
Generalsekretär des Organisationskomitees, Carl Diem, perfekt vorbereitet.
Carl Diem leitete das "Internationale Olympische Institut" in Berlin
bis 1944 und hatte die Einheit von Krieg und Sport verinnerlicht. Der ehemalige
Chefredakteur des ZDF, Reinhard Appel, führt über eine Ansprache Carl-Diems
vor der Berliner Division Großdeutschland - einer Volkssturmeinheit, die
sich zum größten Teil aus Hitlerjungen, also Jugendlichen, zusammensetzte
- im Jahr 1945, aus: "Er hat zu uns gesprochen, es war ja eine Feierstunde.
Und das Ganze endete in einem flammenden Appell an uns, für Führer,
Volk und Vaterland zu sterben, gerade in der Situation, wo Berlin bedroht sei.
Er berief sich immer wieder auf das 'tapfere Volk von Sparta' und forderte uns
auf, wie dieses Volk den Opfertod nicht zu scheuen und wie Helden zu sterben,
denn es ist schön, für das Vaterland zu sterben."
Nach dem 2. Weltkrieg blieb Diem Generalsekretär des deutschen NOKs. Als
Zögling Coubertins wurde er 1956 vom IOC für sein "olympisches
Gesamtwerk" mit dem selten vergebenen "Olympischen Diplom" geehrt.
Obwohl die Beteiligung Carl Diems am Faschismus inzwischen allgemein bekannt
ist und in einigen deutschen Städten Carl-Diem-Straßen umbenannt
werden, genießt er immer noch ein hohes Ansehen in der deutschen olympischen
Bewegung. So sieht sich z.B. die deutsche Sporthochschule in Köln nicht
veranlasst, ihr "Carl und Lieselotte Diem Archiv" umzubenennen.
Inszenierung als Friedensfest:
Während der Spiele versuchte das Naziregime seinen faschistischen Charakter
zu verschleiern: Antisemitische Parolen verschwanden aus dem Stadtbild, Hetze
gegen Juden war für die Dauer der Spiele auch in den Medien eingeschränkt.
Uniformen, Hakenkreuzfahnen und Marschmusik wurden aus dem unmittelbaren Umfeld
der Spiele verbannt. Für die zehntausenden Insassen der KZs interessierte
sich das In- und Ausland ohnehin kaum.
Die insgesamt drei Millionen BesucherInnen reagierten begeistert, ebenso die
große Mehrzahl der internationalen Pressevertreter. Die 1938 anlaufenden
Propagandafilme Leni Riefenstahls, "Fest der Schönheit" und "Fest
der Völker", wurden im Ausland zum Teil äußerst positiv
aufgenommen. Für die nationalsozialistische Innen- wie Außenpolitik
war die Olympiade somit ein voller Erfolg. Die Einschränkung der Pressefreiheit
durch Goebbels' Propagandaministerium, die Deportation aller in Berlin lebenden
Sinti und Roma an den Stadtrand und die Errichtung des Konzentrationslagers
Sachsenhausen nur wenige Kilometer vor Berlin parallel zur Olympiade nahm das
Ausland nicht zur Kenntnis.
Dennoch ist es nicht allein der NS-Propaganda zuzuschreiben, wenn Pierre de
Coubertin später betonte, dass in Berlin seine Ideale realisiert worden
seien. Vielmehr griffen Faschismus und olympische Bewegung auf einen gemeinsamen
Kanon von Werten und Symbolen zurück. Coubertin hatte die olympische Bewegung
zur Förderung der französischen Nation erfunden. Das Naziregime machte
sich dieses Moment zu eigen, um den deutschen Faschismus zu promoten. Ikonographisch
bezogen sich beide auf den antiken Körperkult.
ArbeiterInnensport als Alternative zur bürgerlichen Olympiade
Als Gegenbewegung zur bürgerlichen Olympiade waren die Olympiaden der Sozialistischen
Arbeitersportinternationale (SASI) konzipiert, die 1925 in Frankfurt, 1931 in
Wien und 1936 in Barcelona bzw. 1937 in Antwerpen stattfanden.
Arbeiterinnen und Arbeiter hatten sich seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts
in eigenen Arbeitersportbünden organisiert, um ihrem Hobby nachzugehen,
Körper und Geist weiterzuentwickeln und proletarisches Selbstbewusstsein
gegen das herrschende Bürgertum zu entwickeln und zu demonstrieren.
Die Arbeiterolympiaden grenzten sich gegen die offiziellen Olympiaden ab, denen
sie nach dem Ende des Ersten Weltkrieges vorwarfen, den Krieg mit sportlichen
Mitteln fortzusetzen. Demgegenüber bekräftigten die ArbeitersportlerInnen,
dass sie "fernab jedes chauvinistischen Treibens stehen" und mit ihrem
"zielbewussten Auftreten für eine andere Gesellschaftsordnung einstehen".
Der sozialistische Vordenker des Arbeitersports, Wildung, fasste dies in der
Formel "Sport im Interesse der Arbeiterklasse heißt Sport treiben,
der die Arbeiter befreit" zusammen.
An der ersten Arbeiterolympiade 1925 in Frankfurt am Main beteiligten sich rund
100.000 ArbeitersportlerInnen - mehr als jemals zuvor oder danach bei einer
bürgerlichen Olympiade. Unter roten Fahnen zogen die Delegationen aus zahlreichen
Staaten in die Wettkampfarena ein und zeitgleich begannen in ganz Frankfurt
sportliche Wettkämpfe und Massenübungen. Das Reglement der proletarischen
Spiele schrieb vor, dass Länder, die sich an den allgemeinen Freiübungen
nicht beteiligten, von der Arbeitersportolympiade ausgeschlossen würden.
Ziel dieser Regelung war es einerseits, die Differenz zwischen proletarischen
LeistungsportlerInnen und den Massen aufzuheben und andererseits, durch gemeinsames
öffentliches Auftreten von SportlerInnen aus verschiedenen Ländern
den Nationalchauvinismus zurückzudrängen und den Gedanken der internationalen
Solidarität zu stärken.
Die letzte Arbeiterolympiade sollte 1936 im revolutionären Spanien stattfinden
und war als Alternative zu den faschistischen Propagandaspielen von Berlin geplant.
Sie wurde jedoch unmittelbar nach der Eröffnungsfeier in Barcelona abgebrochen,
weil der Faschist Franco mit seinem Militärputsch den Bürgerkrieg
auslöste. Aus dem Stadion und aus den Wohnquartieren gingen zahlreiche
ArbeitersportlerInnen an die antifaschistische Front und bildeten so den Anfang
der Internationalen Brigaden. Unweit des Stadions von Barcelona verscharrten
die Faschisten später etwa 40.000 antifaschistische KämpferInnen,
darunter viele TeilnehmerInnen der Arbeiterolympiade von Barcelona.
Nachkriegsolympiade
Nach den Jahren der faschistischen Barbarei und des Zweiten Weltkrieges versandete
die Idee eigener Arbeiterolympiaden. Zwar veranstalteten die sozialistischen
Länder Arbeiterspartakiaden, die TeilnehmerInnen kamen jedoch überwiegend
aus der sozialistischen Staatengemeinschaft. Zunehmend ersetzte der Kampf zwischen
kapitalistischen und sozialistischen Ländern um Medaillen bei der offiziellen
Olympiade den Widerspruch zwischen Arbeiterolympiade und bürgerlicher Olympiade.
1952 beteiligten sich zum ersten Mal die UdSSR und die seit dem Ende des zweiten
Weltkrieges entstandenen sozialistischen Länder an den olympischen Spielen
und errangen zur Verblüffung der Sportberichterstatter der kapitalistischen
Welt zahlreiche Medaillen. Bei der Olympiade 1956 scheiterte der Versuch, eine
breite antisowjetische Front zu formieren und die sozialistischen Länder
von den Spielen auszuschließen.
Olympische Spiele waren immer politisch umkämpfter Raum. So präsentierte
1968 die mexikanische Regierung wenige Tage nach einem Massaker an StudentInnen
der Weltöffentlichkeit eine fröhliche Olympiade in Mexico-City. In
Erinnerung blieb jedoch die geballte Faust schwarzer US-Sportler auf der Siegertribüne
- als Zeichen der Solidarität mit dem Kampf der Black Panther in den USA.
Die palästinensische Organisation Schwarzer September wählte als Kulisse
für die Entführung der israelischen Delegation die Olympischen Spiele
1972 in München. Die Entführung endete in einem Massaker an israelischen
Geiseln und palästinensischen Geiselnehmern, als Sondereinsatzkräfte
versuchten, die Geiseln zu befreien.
Big Business Olympia
Olympia als hundertmillionenfach verfolgtes Mega-Ereignis ist nicht nur hochpolitisch,
sondern auch völlig durchkommerzialisiert. Juan Antonio Samaranch, der
vom spanischen Faschisten Franco zum Sportminister ernannt wurde und mit dessen
Namen die umfassende Durchsetzung der Kommerzialisierung verbunden ist, wurde
1980 zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gewählt.
Die Spiele wurden von da an systematisch auf das Fernsehen und die Interessen
der Sponsoren ausgerichtet. Und mit der zunehmenden Bedeutung der Kommerzialisierung
wuchs auch der Einfluss der Sponsoren. Sie ließen u.a. 1992 den Amateurparagraphen
aufheben und den Katalog der olympische Sportarten um medienträchtige Sportarten
wie Tennis erweitern bzw. ganz speziell an den amerikanischen Markt (Baseball)
anpassen. Der Zeitplan der Olympiaden wurde an der amerikanischen Prime Time
ausgerichtet, was z.B. dazu führte, dass der Startschuss zum hochinteressanten
100m-Lauf in Seoul 1988 auf 12:00 Uhr Ortszeit - bei brütender Hitze -
gelegt wurde.
Durch die expansive Vermarktung der Spiele steigerte das IOC seine Einnahmen
um ein vielfaches. Bei den olympischen Spielen in Sydney kassierte es allein
für die TV-Rechte 1,33 Mio. Dollar. Weiterhin verdient das IOC an der Vermarktung
des Olympischen Logos. In den vier Jahren von 1997 bis 2000 zahlten die 12 Topsponsoren
für die Nutzung des Logos der olympischen Ringe 500 Mio. US Dollar an das
IOC. Samaranch und die anderen IOC-Mitglieder fingen an, neue Privilegien zu
genießen. Durch ihr Wahlrecht für die nächste Olympia-Stadt
erfuhren die IOC-Mitglieder eine besondere Bevorzugung. Die Bewerberstädte
buhlten so intensiv um die Stimmen der Mitglieder des IOCs, dass Ende der neunziger
Jahre einige Mitglieder wegen Bestechlichkeit ausgeschlossen werden mussten.
Einige IOC-Mitglieder sind auch direkt mit den IOC-Sponsoren verbunden. Der
Franzose Jean Claude Killy ist Chef von Coca-Cola Frankreich, der Puerto-Ricaner
Richard Carrion arbeitet für den IOC Sponsor Visa ...
Nationalismus
Während in vielen anderen sportlichen Wettbewerben internationale Teams
die Regel sind, wird bei Olympia der Kult des Nationalen gepflegt. Transportiert
wird dieser reformierte Nationalismus über die Medien, die nicht mehr den
sportlichen Wettbewerb ins Zentrum der Berichterstattung stellen, sondern den
einzelnen Athlet als Heroen der Nation inszenieren. Dabei wird auf eine Melange
aus staatlichen Insignien und privatem Sponsoring zurückgegriffen. In einer
Lebenswelt, die sich zunehmend internationalisiert, wird somit Olympia zu einem
der prominentesten Orte, an dem sich die Einheit der Nation frei von den tatsächlichen
gesellschaftlichen Widersprüchen phantasieren läßt.
Neoliberale Stadtpolitik und Olympia
Waren es in der modernen Nachkriegsgesellschaft vor allem die Nationalstaaten,
die ein Interesse an der Durchführung der Olympischen Spiele in ihren Ländern
hatten, verlagert sich in der globalisierten Gesellschaft die aktive Rolle auf
die Städte und Regionen. Im Zuge einer verschärften Städtekonkurrenz
erhoffen sich die Städte einen Renommeegewinn und einige Erhöhung
des Bekanntheitsgrades.
Dabei dürfte der unmittelbare wirtschaftliche Nutzen eine nachgeordnete
Rolle spielen, denn nennenswerte Gewinne fallen für die Städte nicht
an. Zwar weisen einige Städte im Verlauf der Spiele bzw. danach einen erheblichen
wirtschaftlichen Gewinn auf. Dieser wird durch die entstehenden Infrastrukturinvestitionen
insgesamt jedoch wieder aufgezehrt.
Diese kaschierten Defizite werden mit dem Hinweis gerechtfertigt, dass der mittelbare
volkswirtschaftliche Nutzen, der sich durch sekundäre Einkommenseffekte
ergeben soll, die Kosten überwiegen würde. Eine These, die durch die
Erfahrungen bei vergleichbaren Großveranstaltungen nicht belegt ist.
So hat in der jüngsten Vergangenheit die mit hohen öffentlichen Investitionen
begleitete Expo 2000 dem Land Niedersachsen und dem Bund einen Milliardenverlust
beschert. Und Dr. Helmut Dietl, Professor für Betriebwirtschaftlehre an
der Universität Paderborn, weist anhand der Planungen der WM 2006 nach,
"dass weder die Tourismusausgaben noch die Einkommens- und Beschäftigungswirkungen"
die öffentliche Finanzierung von Neubauten rechtfertigt.
Olympia führt nicht nur zu hohen Defiziten in den öffentlichen Kassen.
Die Spiele führen zu Steigerungen der Lebenshaltungskosten in der gesamten
Region, wie die europäischen Olympiastädte Barcelona und München
zeigen. Dies meint sowohl eine überproportionale Steigerung der Mieten
als auch eine immense Erhöhung der Ausgaben für Freizeit-Angebote
wie Gastronomie. Diejenigen, die u.a. durch die Kostensteigerungen durch das
soziale Netz fallen, werden von Vertreibung und Verfolgung betroffen sein. In
Barcelona (1992) wurde ein Viertel am Hafen abgerissen, um das Olympische Dorf
zu errichten. Der versprochene Entwicklungsschub für die angrenzenden Straßenzüge
und ihre Bewohnerschaft ist ausgeblieben. In Atlanta wurden in der Innenstadt
während der Olympiade die Armenküchen geschlossen. In Athen wurde
für den Bau des olympischen Dorfes eine Romasiedlung abgerissen.
Begleitet wird diese Politik der sozialen Ausgrenzung durch eine massive Verschärfung
der Überwachungsmaßnahmen. Für die olympischen Winterspiele
in Salt Lake City (2002) betrug das Budget für Sicherheitsausgaben 300
Mio. US Dollar. Hinzu kam ein weitgehendes Demonstrationsverbot in der Innenstadt.
Gegen die dann in der Peripherie erfolgte Wohnungslosendemonstration wurde brutal
vorgegangen.
Einen Eindruck, wie das Vorgehen der Sicherheitskräfte in Deutschland aussieht,
gibt die Expo 2002 in Hannover. Die Expo gilt als großer "Polizeiversuch".
Neue Repessionsinstrumente wurden eingeführt oder weiterentwickelt, so
z.B. die dienstübergreifende Zusammenarbeit von Polizei (incl. LKA, BKA,
VS), privaten Sicherheitsdiensten, BGS und Bundeswehr oder die Kameraüberwachung
auf dem Expogelände und im Stadtgebiet. Dazu kommt der hanebüchene
Bau eines Expogefängnisses (185 Plätze, 18 Mio. DM).
Für Düsseldorf / Rhein-Ruhr kündigt das Bewerbungskonzept schon
heute den Einsatz modernster Überwachungstechnologien an.
Olympia in Deutschland
Das NOK (Nationale Olympische Komitee) Deutschland legte fest, dass sich eine
deutsche Stadt um die Olympischen Spiele 2012 bewerben solle. Als Kandidaten
traten an:
- Hamburg (mit räumlich kompakten Spielen (10 km um das Dorf) und Herrn
Schill als Symbolfigur für law-and-order)
- Frankfurt (Sitz des NOKs mit starker Unterstützung durch Politik und
Unternehmen)
- Leipzig (einzige Ost-Stadt)
- Stuttgart (mit guten Chancen, da potente Firmen im Hintergrund stehen und
Erfahrung in der Organisation von Großveranstaltungen bestehen)
- und natürlich Düsseldorf / Rhein-Ruhr
Am 15. Mai 2002 gaben die Städte ihre Bewerbungsunterlagen ab, danach besuchte
eine sogenannte Evaluierungskommission alle Städte. Diese Kommission prüfte
die Städte letztlich nur nach ihrer technischen Eignung. Eine Prüfung
der ökologischen und sozialen Folgen für die jeweiligen Städte
ist dabei nachrangig.
Entschieden wird über die deutsche Bewerberstadt am 12. April 2003 durch
die Mitgliederversammlung des NOK.
Olympia in Düsseldorf / Rhein-Ruhr
Düsseldorf hat keine Tradition als Veranstaltungsort. Die in der Düsseldorfer
Bewerbung aufgezählten Welt- oder Europameisterschaften haben überwiegend
nicht in Düsseldorf selber stattgefunden. In Düsseldorf werden nur
Randsportarten bedient (Football, Tischtennis - oder man träumt von der
Drittklassigkeit Fortunas), und selbst die Fußball-WM 2006 wird nicht
in Düsseldorf stattfinden. Internationales Renommee im Sport hat in NRW
eigentlich nur Aachen fürs Reiten und die Dortmunder Westfalenhalle als
Veranstaltungsort.
Lange existierte schon die Planung, dass sich die Ruhrgebietsstädte für
Olympia bewerben sollten, dann gaben jedoch Düsseldorf und Köln ihre
Ambitionen bekannt. Entschieden wurde dann von der Landesregierung für
eine Bewerbung Düsseldorf / Rhein-Ruhr mit insgesamt zwölf Ausrichterstädten:
- Düsseldorf (Ausrichterstadt)
- Rheinland (Köln, Aachen, Neuss, Mönchengladbach)
- Ruhrgebiet (Duisburg, Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen, Herten, Bochum, Dortmund)
Legitimiert wurde die Bewerbung durch einen All-Parteien-Beschluss des NRW-Landtags
vom Oktober 2001 sowie entsprechende Ratsbeschlüsse der betroffenen Städte.
In Düsseldorf stimmten die Ratsabgeodneten von CDU, SPD, Grünen, FDP
und REP für die Olympiabewerbung - und lediglich die zwei PDSlerInnen dagegen.
Organisation
Zur organisatorischen Durchführung der Bewerbung haben Städte und
Kreise einen Zweckverband gegründet. Dieser Zweckverband schuf zusammen
mit dem Land NRW die Olympiagesellschaft GmbH. Zur Koordination wurde im Büro
des Oberbürgermeisters von Düsseldorf (an allen Personalräten
vorbei) die Stelle einer Olympiabeauftragten geschaffen.
Im Aufsichtsrat der Olympia GmbH finden sich neben dem Ministerpräsidenten
Steinbrück und den OBs der Bewerberstädte auch vier Unternehmer, die
die Interessen ihrer Firmen mit Olympia verquickt haben. Unterstützt wird
die Olympia GmbH vom sogenannten Bewerbungskomitee, einem Zusammenschluss von
70 Unternehmern und ehemaligen Spitzensportlern, die als Olympia-Botschafter
die Werbetrommel rühren sollen.
Motive für die Bewerbung
Der "Standort Düsseldorf" ist permanent durch die Konkurrenz
der Städte bedroht. Olympia bietet in den Augen seiner BefürworterInnen
eine Möglichkeit, die Attraktivität des wirtschaftlichen Standortes
zu steigern.
Olympische Spiele sind einerseits ein Angebot für eine wohlhabende Wählerklientel.
Mit Eintrittspreisen von durchschnittlich 70-80 Euro für den Besuch einer
Veranstaltung und 500 Euro für die Eröffnungs- / Abschlussfeier wird
von vornherein für eine gewisse Exklusivität gesorgt. Hinzu kommen
zahlreiche Jet-Set-Parties am Rande der Spiele, deren Besucherkreis ausgesucht
elitär sein wird. Aber auch für einen nicht zu unterschätzenden
Teil der "normalen" Bevölkerung bieten die olympischen Spiele
ein Spektakel, dass sie ihre Alltagssorgen vergessen lässt und sie bereits
Jahre zuvor mit "Vor-Freude-auf"-Winkelementen wedeln lässt.
Im Zuge der Olympiabewerbung sollen weitere Großvorhaben durchgesetzt
werden:
- Metrorapid (Seine Wirtschaftlichkeit ist ebenso fragwürdig wie der Fahrzeitgewinn
von wenigen Minuten.)
- Flughafenausbau in Düsseldorf (drittgrößter der Republik),
das heißt u.a. Inbetriebnahme der zweiten Startbahn, Verlängerung
der Startbahn für Intercontinentalflüge
- Ausbau aller Autobahnen auf sechs Spuren
Erweiterung der Messe
Düsseldorfs Messe hat Strukturprobleme. Es gibt keine Erweiterungsmöglichkeiten
nach Norden wegen des Rheinstadions und keine nach Süden und Osten wegen
der Wohnbebauung. Im Westen fließt der Rhein. Das bedroht nach Ansicht
der Messeleitung die Konkurrenzfähigkeit.
Die Olympiaplanung ermöglicht nun doch eine Ausdehnung Richtung Norden.
Neben dem Rheinstadion werden vier messetaugliche Hallen errichtet, und die
neue Arena wird mehrfach nutzbar sein. Über Olympia lassen sich auch lang
gewünschte Messeprojekte einer neuen Verkehrsinfrastruktur (z.B. Straßenbahntunnel
auf die linke Rheinseite) begründen. Der Einfluß der Messe auf die
Olympiaplanung darf nicht unterschätzt werden; die Messe ist ein wichtiger
Geldgeber.
Lörick: Olympisches Dorf
Um das Rheindorf Lörick herum soll das Olympische Dorf errichtet werden
- und die bislang gewachsene Struktur Löricks durch das Prestigeprojekt
Olympia zersiedelt werden. Geplant werden Unterkünfte für 16.000 AthletInnen
und BetreuerInnen auf 200.000 qm Geschossfläche (im 9-Geschossbau), incl.
Service u. Einkaufsmöglichkeiten (Nobelrestaurants, Nobelboutiquen). Hinzu
kommen die erforderlichen Parkplätze.
Zwischen Olympiastadion und Olympischen Dorf soll eine Rheinbrücke für
die Stadtbahn gebaut werden. Umweltverbände kritisieren dies als überflüssigen
Eingriff in das Naherholungsgebiet sowie als Gefährdung des Wasserschutzgebietes
auf dem rechten Rheinufer.
Derendorf, Güterbahnhof:
Für Derendorf ist die Errichtung des Mediendorfes geplant: 13.000 JournalistInnen
sollen dort untergebracht werden und exklusive Gastronomie- und Freizeiteinrichtungen
entstehen. Diese Planung steht im Gegensatz zu den Interessen der Menschen,
die am Derendorfer Güterbahnhof "Les Halles" (Kneipen, Flohmarkt,
Kleingewerbe etc.) erhalten und um die Bebauung mit preiswertem Wohnraum ergänzt
sehen wollen.
Rheinstadion
Die Geschichte des Abriss des Rheinstadions und des geplanten Neubaus der Arena
ist die Geschichte einer Aneinanderreihung von Skandalen. Keine einzige Zahl,
die von der Stadt bezüglich der Finanzen angegeben wurde, kann einer Prüfung
standhalten. So werden die Kosten für die Joachim-Erwin-Arena nicht 218
Millionen Euro betragen, sondern mindesten 50 Millionen Euro mehr verschlingen.
Auf der Einnahmenseite werden hingegen die Zahlen hochgerechnet, von geldbringenden
Monstertruckrennen und Heinokonzerten phantasiert. Dem Bürgschaftsausschuss
des Landes NRW war die Arena-Finanzierung so heikel, dass es des massiven Drucks
mehrere Minister auf die Abgeordneten bedurfte, ehe diese einer Landesbürgschaft
zustimmten. Und auch diese gibt es nur unter der Bedingung, dass Düsseldorf
die deutsche Olympiabewerberstadt wird. Man muss kein Hellseher sein, um die
Arena schon heute als Millionengrab zu bezeichnen - falls sie jemals fertiggestellt
wird ...
Teuerung
Die Spiele werden zu Steigerungen der Lebenshaltungskosten in Düsseldorf
führen, wie die Beispiele anderer europäischer Olympiastädte
(München, Barcelona) zeigen. Besondere Preissteigerungen wird es in folgenden
Sektoren geben:
- Wohungswesen: Aufgrund des Ansteigens der Nachfrage im Bausektor ist ein Steigen
der Preise in diesem und damit auch im Wohnungssektor zu erwarten. Bei der letzten
Olympiade in Deutschland, 1972 in München, stiegen die Mieten im Vergleich
zu den übrigen deutschen Großstädten überproportional an.
Während 2012 die Mieten für die Bevölkerung explodieren werden,
garantiert das Organisationskomitee in Düsseldorf den Mitgliedern des IOCs
und anderen Sportfunktionären festgelegte niedrige Hotelpreise.
- Alltags- und Freizeitsektor: Durch die hohe Zahl der Besucher in der Stadt
sind Preiserhöhungen in Lebensmittelgeschäften, Kneipen und Kinos
zu erwarten, die nach der Olympiade nicht komplett rückgängig gemacht
werden.
Bewerbungskosten
Kosten entstehen durch Werbung (Personal und Material) im Rahmen der Pro-Olympia-Kampagne.
Diese Kampagne erfolgt mit sehr hohem Aufwand. Allein die Feier zum Abriss des
Rheinstadions hat 50.000 Euro gekostet (also pro feierndem Bürger rund
1.000 Euro). Eine Kleinigkeit, denn der Rat der Stadt hat eine Blankovollmacht
für die internationale Bewerbungskampagne beschlossen, die deutlich über
50 Mio. Euro kosten wird.
Investitionskosten
Für Olympia 2012 sind folgende Kosten veranschlagt:
· Bleibende und temporäre Erweiterungen von Sportstätten: 346
Mio. Euro
· Olympiaabhängige Neubauten: 67 Mio. Euro
· Olympia-unabhängige Neubauten von Sportstätten:
318 Mio. Euro
· Olympia unabhängiger Arenen in Essen und Düsseldorf: 374.
Mio. Euro
· Erweiterung Messe Düsseldorf + Dortmund: 215 Mio. Euro
Gesamtsumme Sportstätten: 1.320 Mio. Euro
· Mediendorf: 320 Mio. Euro
· Olympisches Dorf: 600 Mio. Euro
Gesamtsumme Beherbergung:
920 Mio. Euro
· Metrorapid: mehrere Mrd. Euro
· Erneuerung des Fahrzeugparks geschätzt vgl. Expo2000:
100 Mio. Euro
· Netzergänzung ÖPNV
(z.B. Stadtbahnbrücke, Südschleife Messe): mind. 197 Mio. Euro
Mindestsumme Verkehr: 300 Mio. Euro
Betriebskosten
· Veranstaltungskosten: 250 Mio. Euro
· Betrieb Olympisches + Medien-Dorf:
150 Mio. Euro
· Pressezentrum: 50 Mio. Euro
· Zeremonien, Catering, Transport: 215 Mio. Euro
· Paralympics, Jugendlager: 107 Mio. Euro
· Verwaltungskosten: 310 Mio. Euro
· Werbung, Events: 115 Mio. Euro
· Sicherheits- und Überwachungsmaßnahmen: 150 Mio. Euro
· Sonstiges + Sicherheitsreserve: 232 Mio. Euro
Gesamtsumme Betriebskosten: 1.579 Mio. Euro
Fazit aus den Kosten
Auch ohne den Transrapid wird Olympia 2012 weit über 4 Mrd. Euro verschlingen.
Dem steht der Haushalt der Stadt Düsseldorf mit einem aktuellen Defizit
von 130 Mio. Euro gegenüber. Der Landeshaushalt NRW hat Defizite in ähnlichen
Dimensionen. Die sozialdemokratisch-grüne Landesregierung plant zur Behebung
des Defizits Streichungen im Sozial und Gesundheitswesen, sie kürzt im
Bereich des Massensports ebenso wie im Kultursektor. Auch Studierende können
sich bedanken: Ja zu Olympia heißt auch Ja zu Studiengebühren.
Widerstand
Alle Bewerberstädte behaupten, dass 80% der BewohnerInnen für die
Olympischen Spiele seien. Dass diese Zahlen kaum die Realität wiedergeben
dürften, beweisen die LeserInnen der sicherlich nicht olympiakritischen
Zeitung FAZ. Bei einem Langzeit-Voting des FAZ.net, "welche Stadt sich
beim IOC für 2012" bewerben solle, haben 40,54% (!) von 27.758 Umfrage-TeilnehmerInnen
den Punkt "kein deutscher Bewerber" angeklickt. Ähnliche Ergebnisse
ergaben auch Telefonumfragen bei Düsseldorfer Tageszeitungen, die immer
wieder abgebrochen wurden, weil entweder überhaupt kein Interesse bestand
oder die Feedbacks in der Mehrzahl zu negativ waren.
Anti-Olympia-Bewegung - so bunt wie die Stadt
Wo auch immer in den letzten Jahren olympische Spiele stattfanden oder stattfinden
sollten, gab es Protestbewegungen (Sydney, Nanako, Amsterdam, Berlin). Auch
in Düsseldorf ist Olympia nicht willkommen, bei den BürgerInnen herrscht
eher Desinteresse bis Ablehnung vor. Während die OlympiabefürworterInnen
noch Anfang März von einer hunderttausende Menschen umfassenden Kette für
Olympia sprachen, wird es am 2. April gerade mal für einen mickrigen Olympia-Aktionstag
mit Luftballons-Hochhalten reichen. Gerade angesichts der leeren Kassen auf
Landes- und kommunaler Ebene scheint es absurd und sorgt für Empörung,
eine Olympiabewerbung gegen alle Widerstände durchzusetzen, die allein
über 50 Mio. Euro kosten wird, während z.B. zahlreiche soziale Einrichtungen
um ihre Existenz fürchten müssen.
Hinzu kommt, dass gerade auch OB Erwin im Kreuzfeuer der Kritik steht. Mit den
Vorwürfen von Amtsmissbrauch, seinen auch in den eigenen Reihen verabscheuten
Alleingängen, seinem cholerischen Auftreten und seiner dummdreisten Arroganz
erweist sich der OB als Geheimwaffe der OlympiagegnerInnen. Beim NOK wurde die
Bewerbung Düsseldorfs durchaus positiv gesehen, es gab aber schon einiges
an (eher gemunkelter) Kritik an solch einem Bürgermeister ...
Die ersten Proteste regten sich in Lörick wegen der Pläne, das Olympische
Dorf dort einzurichten. Die LörickerInnen organisierten eine Demonstration
mit 50 Traktoren zum NOK in Frankfurt und überreichten dort eine Petition
gegen die Austragung der Spiele in Düsseldorf an das NOK. In Düsseldorf
selbst demonstrierten sie mit einigen Tausend vor dem Rathaus.
Die "Naturfreunde Düsseldorf" sehen große Gefahren für
das Biotop Rhein durch Olympisches Dorf und Sportveranstaltungen im Landschaftsschutzgebiet
und protestieren deshalb. Der VCD Düsseldorf kritisiert die Planung der
Stadtbahnbrücke, und diverse andere Ökogruppen sprachen sich ebenfalls
gegen Olympia aus, auch wenn der Naturschutzbund sich vom grünen Minister
Vesper kaufen ließ.
Das Kommando Thommy Smith hat die städtische Olympiafahne, die vor dem
Rathaus wehte, entführt. Olympia-Werbeplakate sind "verschönert",
überklebt oder übersprüht worden. Während des alljährlichen
"Dreck-weg-Tages" wurde an der Kö eine Installation mit Müllsäcken
in den Olympiafarben unter der Überschrift "Dreck weg - weg mit Olympia"
präsentiert. Und im Stadtgebiet wurde an diesem Tag einiges an Olympia-Müll
entsorgt ...
Die größte Gefahr für Olympia in Düsseldorf besteht jedoch
in dem Bürgerbegehren gegen den Ratsbeschluss zur Finanzierung der städtischen
Bewerbung. Etwas mehr als 13.000 Unterschriften müssen gesammelt werden,
damit der Ratsbeschluss zur Olympiafinanzierung gekippt werden kann. Allein
die Aussicht, dass die Finanzierung der Bewerbung auf wackeligen Füßen
steht, ist aus Sicht des NOK ein deutlicher Minuspunkt für Düsseldorf.
Perspektiven
Die deutsche Stadt, die sich beim IOC für die Olympischen Spiele 2012 bewerben
soll, wird am 12. April durch das NOK bestimmt. Die Evaluierungskommision, die
alle fünf Bewerberstädte bewertet und die Anfang März ihre Ergebnisse
bekannt gegeben hat, sieht Düsseldorf auf dem vorletzten Platz. Neben schlechter
Infrastruktur (die Sportstätten sind in Düsseldorf/ Rhein-Ruhr zu
weit voneinander entfernt) wurde Düsseldorf wegen der mangelnden Akzeptanz
in der Bevölkerung besonders negativ bewertet. Insgesamt liegt Düsseldorf
/ Rhein-Ruhr in fast allen Bewertungskategorien auf hinteren Plätzen. Letztendlich
ist davon auszugehen, dass in der internationalen Bewerbung, die erst 2005 entschieden
wird, keine deutsche Bewerberstadt gegen internationale Konkurrenten wie New
York eine Chance hat. Dennoch wird die Stadt, die als deutsche Bewerberstadt
ins Rennen muss, bis zu diesem Zeitpunkt Milliardensummen für ein Prestigeprojekt
in den Sand gesetzt haben. Wer in Düsseldorf etwas dagegen tun will, sollte
zumindest das Bürgerbegehren unterschreiben - und zwar schnell: bis zum
15. April geht der Endspurt. Listen gibts im Linken Zentrum, Corneliusstr. 108
oder unter www.took.de.